Dörig
Credit-Suisse: Dörig stösst Bürger vor den Kopf

Credit-Suisse-Chef Hans-Ulrich Dörig hat kein Verständnis für die Kritik am Bonus-System der Bank. Schliesslich müsse die Schweiz froh darüber sein, dass die Grosbanken - auch die Credit Suisse - ihre Steuern bezahlen.

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Hans-Ulrich Doerig (Archiv)

Hans-Ulrich Doerig (Archiv)

Keystone

Jetzt äussert sich erstmals die Credit-Suise zur Datenklau-Affäre bei der Grossbank. «Aufgrund der Medienberichte müssen wir davon ausgehen, dass Kunden von uns betroffen sind», sagt Credit-Suisse-Präsident Hans-Ulrich Dörig im Interview mit der «NZZ». Eine offizielle Bestätigung habe die Bank allerdings bis heute nicht erhalten. Nichts desto Trotz macht die CS jetzt Jagd nach dem mutmaslichen Datendieb. «Vor einigen Tagen haben wir Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht», sagt Dörig. Warum es überhaupt so weit kommen konnte, dass möglicherweise Daten von CS-Kunden auf der CD sein könnten und weshalb sich die Bank nicht stärker gegen unversteuerte Gelder gewehrt habe, verliert der höchste CS-Banker kein Wort.

Kein Verständnis für Kritik an Boni-Politik
Derweil zeigt Dörig kein Verständnis über die harsche Kritik zu den ausbezahlten Boni bei der Credit Suisse. «Erstens sanken die Bezüge im Vergleich zu 2007 um durchschnittlich über 20 Prozent. Zudem haben wir nicht einfach Boni für nichts verteilt. Wir haben in kürzester Zeit die grösste Krise seit 100 Jahren gut überstanden und erreichten mit bedeutend weniger Risiken und massiv gestärkter Kapitalbasis einen fast gleich hohen Gewinn wie 2007».

Auch dass der Boni-Anteil bei der Geschäftsleitung über 90 Prozent der Gesamtbezüge ausmache, lässt Dörig nicht gelten. «Die fixen Saläre für 2000 Managing Directors und 6000 Directors wurden für 2010 teilweise erhöht, das Gleiche gilt auch für die Geschäftsleitung. Das heisst nicht, dass die Gesamtbezüge steigen werden, sondern es wird eine entsprechende Kompensation beim variablen Anteil geben».

Wenigstens zahlen Banken steuern

Darüber hinaus ist Dörig der Ansicht, dass die Schweizer Bevölkerung froh darüber sein sollte, dass die Credit Suisse Steuern zahle. «Zunächst sollten wir in der Schweiz schon etwas stolz darauf sein, dass wir diverse globale Unternehmen beheimaten. Grösse hat in der Schweiz ein Image-Problem, wir zelebrieren lieber das Kleine, Übersichtliche. Vergessen geht dabei, dass weniger als 5 Prozent aller Unternehmen 90 Prozent aller Unternehmenssteuern bezahlen».

Immerhin räumt Dörig im Interview mit der «NZZ» ein, dass gewisse Banker den Bezug zur Realität verloren haben könnten. «Generell ist es schon so, dass finanzielle Anreize in der Branche eine wesentliche Rolle spielen...Ich kann nicht ausschliessen, dass jemand die Bodenhaftung verliert». (a-z.ch/muv)

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