Verkehrssicherheit
Crash-Tests halten nicht, was sie versprechen

Ein Auto, das beim Crash-Test gut abschneidet, gilt als sicher. Nun zeigt ein neuer Test: Bei einem realen Unfall würden sich die Insassen schlimmer verletzen als es die Simulation vorgibt.

Jessica Pfister
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Crash-Tests
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 Bei den herkömmlichen Euro-NCAP-Crashs fährt das Auto frontal in eine Barriere.
 Der TCS-Crashtest, bei dem ein Peugot 308 (links) und ein Ford Fiesta frontal, aber seitlich versetzt, aufeinanderprallen.
 Hier noch eine Aufnahme von oben.
 Die Unterschiede zwischen dem gängigen Crash-Test und dem Test von TCS (links).

Crash-Tests

Die Autos von heute sind immer sicherer. Eine der wichtigsten Möglichkeiten, die Sicherheit zu messen, sind die Crash-Tests. Das Problem: die hierzulande angewendeten Euro NCAP-Crashtest (siehe Box) halten in der Realität nicht, was sie versprechen.

Das beweist ein neuer Test des Touring Club Schweiz (TCS). Im Gegensatz zum genormten Testfahren des NCAP hat der TCS zwei Autos, einen Peugot 308 und einen Ford Fiesta nicht einzeln gegen eine verformbare Barriere gefahren, sondern sie aufeinander prallen lassen.

Was heisst Euro NCAP?

Euro NCAP (European New Car Assessment Programme - Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programm) ist eine Gesellschaft europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände mit Sitz in Brüssel. Die Organisation führt Crashtests mit neuen Automobiltypen durch und bewertet danach ihre Sicherheit. Seit Februar 2009 wird die gesamte Sicherheit des Fahrzeugs mit bis zu fünf Sternen ausgezeichnet; vorher bekam jedes Fahrzeug in mehreren Kategorien bis zu fünf Sterne. (jep)

Maximal fünf Sterne

Beide Modelle können fünf Sterne, die höchste Bewertung im Test nach Euro-NCAP, vorweisen - doch laut TCS stellte sich nach dem realitätsnäheren Test etwas ganz anderes heraus: «Das Verletzungsrisiko ist höher als es die Simulation vorgab», sagt Toni Keller, Leiter Technik und Wirtschaft beim TCS.

Das liege daran, weil die Autos beim NCAP-Test lediglich frontal gegen ein feststehendes Hindernis (Barriere) fahren. «Und dieses Hindernis entspricht immer einem Aufprall gegen ein gleiches Fahrzeugmodell mit gleicher Geschwindigkeit», erklärt Keller.

«Neues Crashverfahren ist notwendig»

In der Realität ist der Unfallgegner aber oft ein anderes Fahrzeugmodell, das auch mit einer anderen Geschwindigkeit fährt. Zudem komme es nur selten zu einer Frontalkollision - viel öfters würden Autos zwar frontal aber seitlich versetzt ineinander prallen. «Wenn dort die Längsträger zweier Fahrzeuge über- und untereinander geraten, können sie im weichen Blech des anderen Autos wie Lanzen wirken.»

«Die heutigen Crashtests decken also nur einen kleinen Teil der Unfälle ab, nicht die ganze Breite», kritisiert Keller. Für den TCS ist deshalb klar: «Ein neues Crashverfahren in Ergänzung zum Bestehenden ist dringend notwendig.»

Dazu brauche es einen Norm-Unfallgegner, also ein Fahrzeug mit durchschnittlicher Grösse und Gewicht. «Nur so kann ein fairer Vergleich hergestellt werden», sagt Keller. Natürlich könne man dazu nicht Tausende Autos verschrotten sondern es brauche eine spezielle Konstruktion. «Wie diese genau aussieht, wissen wir noch nicht», so der TCS-Leiter.

Gefordert wäre dabei auch die Automobilindustrie: Denn heute entwickeln sie ihre Fahrzeuge genau auf die Anforderungen des Euro-NCAP-Tests. «Die Konstrukteure müssten die neuen Tests natürlich miteinbeziehen.»