Couchepin

Couchepin spart – Hickhack geht weiter

In der Kritik: Bundesrat Pascal Couchepin.

Bundesrat Pascal Couchepin

In der Kritik: Bundesrat Pascal Couchepin.

Zwischen 400 und 600 Arbeitsplätze gehen laut dem Branchenverband Interpharma verloren, weil der Bundesrat bei den Medikamenten den Rotstift ansetzt. Ärzteschaft und Pharmaindustrie kritisieren die Massnahmen, mit denen 400 Millionen eingespart werden sollen.

Beat Rechsteiner

Für die Prämienzahler ist es ein Lichtblick in der Endlosdebatte um mögliche Kostensenkungen im Gesundheitswesen. Daran, dass die Krankenkassenbeiträge für die meisten im nächsten Jahr massiv ansteigen werden, konnte Gesundheitsminister Pascal Couchepin zwar nichts ändern. Aber mit den gestern beschlossenen Sofortmassnahmen bei den Medikamentenpreisen lindert er die Prämienlast wenigstens ein Stück weit. 400 Millionen Franken sollen ab 2010 eingespart werden. Das bedeutet, dass die Prämien um etwa zwei Prozent weniger ansteigen werden, als bisher prognostiziert.

Angesetzt hat der Bundesrat unter anderem bei den Vertriebsmargen für Medikamente, die künftig für Ärzte und Apother gesenkt werden. Die Zügel angezogen hat er zudem bei der Überprüfung der Arzneien: Stellt sich heraus, dass die Mittel zu teuer sind, müssen die Preise gesenkt werden. Und auch bei den Generika wird eine Preissenkung angestrebt. Als weitere Massnahme, die nicht direkt die Medikamente betrifft, senkt Couchepin den Rabatt für wählbare Franchisen von 80 auf 70 Prozent.

Prompt gab es gestern parteienübergreifend Applaus - ungewohnt für den Walliser Magistraten. Nebst seiner FDP begrüsste auch die SP die Beschlüsse. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel lobte Couchepin: «Das hat Hand und Fuss.» Humbel arbeitet in der Parlamentariergruppe von Otto Ineichen mit, die bei den Medikamentenpreisen ebenfalls Einsparungen von 400 bis 600 Millionen Franken vorgesehen hat.

Wie viel kann die Pharma ertragen?

Doch wie immer, wenn es um Sparmassnahmen im Gesundheitswesen geht, übertönte die Kritik letztlich das positive Echo. Und das Hickhack zwischen den Interessenvertretern wird munter fortgesetzt. Für viele gehen die Sparpläne zu wenig weit. Die Stiftung für Konsumentenschutz etwa wirft Couchepin vor, unter dem Druck der Pharmalobby eingeknickt zu sein. Ohne Qualitätsverluste hätten die Kosten um mindestens 800 Millionen Franken gesenkt werden können, sagt die Organisation.

Auch der Krankenkassenverband ist unzufrieden und der Meinung, das Potenzial werde nicht ausgeschöpft. Santésuisse habe sich mit der Pharmaindustrie bereits auf 400 Millionen Franken geeinigt - dabei seien die nun beschlossenen 100 Millionen Franken der Margensenkung noch nicht inbegriffen gewesen, liess Sprecher Felix Schneuwly verlauten. Faktisch wolle der Bundesrat also weniger als Santésuisse zusammen mit der Pharma vereinbart haben.

Die Gretchenfrage lautet, wie viel der Pharmaindustrie zuzumuten ist. Peter Indra, Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit, stellt klar, dass bereits das nun beschlossene Paket zu einem Jobabbau führen wird. Interpharma-Generalsekretär Thomas Cueni beziffert den Abbau auf Anfrage der MZ auf 400 bis 600 Stellen. «Das trifft uns hart, dennoch müssen wir es schlucken», sagt er. Couchepin stellt sich vor die Industrie: Man dürfe jetzt nicht in Demagogie verfallen und noch weiter gehende Forderungen stellen, welche die Pharmabranche nachhaltig schädigen würden. Klar ist aber, dass vor allem bei den Generika noch Kostensenkungspotenzial vorhanden ist.

Besonders gross ist der Unmut über die Massnahmen bei der Ärzteschaft. Ihr Verband FMH sieht in der Margensenkung einen weiteren Angriff auf die Grundversorger. Von den Krankenkassen und vom Bund würden nun im Sinne einer Opfersymmetrie ebenfalls Zugeständnisse erwartet.

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