Coronavirus
Trotz Lockerungen: Die Fallzahlen sinken – aber die Marke von 10'000 Coronatoten wird heute erreicht

Die Schweiz lockerte vor zwei Wochen diverse Corona-Massnahmen. Jetzt zeigt sich, wie sich diese Lockerungen auf die vom Bundesrat festgelegten Richtwerte auswirken.

Bruno Knellwolf und Reto Fehr (Watson)
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Trotz Lockerungen sind die Zahlen stabil – oder sinken sogar leicht.

Trotz Lockerungen sind die Zahlen stabil – oder sinken sogar leicht.

Keystone

Die Infektionszahlen sinken zur Zeit erfreulich. Am Dienstag meldete das BAG 1633 laborbestätigte Fälle innert 24 Stunden, so wenig wie seit Ende März nicht mehr. Trotzdem wird heute Mittwoch die traurige Zahl von 10'000 Coronatoten in der Schweiz erreicht. 9999 hat das Bundesamt für Gesundheit am Dienstag für die Schweiz gemeldet, 57 für Liechtenstein. Ende März waren es 9600 und seither ist die Zahl der Todesfälle mit etwa zehn Coronatoten pro Tag recht stabil.

Diese Stabilität hängt mit der Durchimpfung der ältesten Menschen zusammen, womit jene Gruppe geschützt wird, die weitaus am häufigsten an Corona stirbt. Die Phase der Übersterblichkeit ist vorbei, die Statistik zeigt gar eine Untersterblichkeit an. Da die Impffortschritte im Moment markant sind und in vielen Kantonen Massenimpfungen laufen, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Todeszahl in den kommenden Tagen stabil hält und nicht weit weg von der 10'000er-Marke wegbewegt.

Im Tessin gab es im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am meisten Coronatote

Prozentual am meisten Tote gab es seit Pandemiebeginn im Kanton Tessin mit 250 Todesfällen auf 100'000 Einwohner. Dahinter folgt Neuenburg. Die Mittellandkantone sind durchschnittlich: Von diesen steht der Kanton St.Gallen mit 139 Fällen schlechter da als der Aargau mit 96, Luzern mit 76 und Baselland mit 75 Corona-Toten pro 100'000 Bewohnern.

Bei den Todesfällen wie auch bei den Infektionszahlen zeigt sich, dass die am 19. April beschlossenen Lockerungen verschiedener Corona-Schutz-Massnahmen bis jetzt keine negativen Auswirkungen hatten. Die Covid-19-Taskforce hatte in ihren Szenarien für den Mai aufgrund der Öffnungen und der ansteckenderen britischen Variante in ihren Szenarien mit weit höheren Fallzahlen gerechnet.

Die Fallzahlen gehen seit Donnerstag nach unten. Um die Lage zu beurteilen, werden aber verschiedene Faktoren beigezogen. Wir blicken auf fünf vom Bundesrat herausgegebenen Richtwerte. Wichtig: Diese lösen keinen Automatismus aus, sondern dienen als Diskussionsgrundlage. Beim letzten Öffnungsschritt waren beispielsweise vier von fünf Kriterien nicht erfüllt. Aktuell sieht es deutlich besser aus, auch wenn sich die Lage natürlich jederzeit wieder ändern kann.

Belegung der Intensivstationen

Der Bundesrat verlangt weniger als 250 Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Am 4. Mai lagen 232 Personen auf einer IPS-Station. Mit Nachmeldungen ist noch zu rechnen.

Die Zahl stieg Ende April wieder leicht an. Allerdings sind dies noch keine Auswirkungen des letzten Öffnungsschrittes. Denn von der Neuinfektion zur Intensivstation dauerte in der zweiten Welle bis zu 14 Tage. Der Vergleich mit der ersten Welle ist schwierig, da damals viel weniger getestet wurde.

Verschärfungskriterium in der Phase 1:

Im 3-Phasen-Modell befinden wir uns aktuell in der 1. Phase. Der Bundesrat hat hierfür Richtwerte bekannt gegeben, welche zu Verschärfungen von Massnahmen führen könnten, wenn wir sie überschreiten. In Bezug auf die Auslastung der Intensivstationen liegt dieser Wert bei 300 durch Covid-19-Patienten belegte Betten. Wir befinden uns da knapp drunter.

R-Wert

Der R-Wert bewegte sich zuletzt wieder unter 1,0. Somit steckt jede infizierte Person weniger als eine neue an. Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, kann dies schnell wieder ändern, aber der Trend zeigt in eine gute Richtung. Beim Öffnungsschritt am 19. April lagen wir mit dem aktuellsten Wert noch über dem Grenzwert.

Verschärfungskriterium in der Phase 1:

Steigt der R-Wert über 1,15, muss über Verschärfungen diskutiert werden. Hier liegen wir momentan deutlich unter dem Grenzwert.

14-Tage-Inzidenz

Die Fallzahlen, bei denen ein Anstieg prognostiziert wurde, zeigen aktuell in die andere Richtung. Allerdings ist noch mit Nachmeldungen zu rechnen in den nächsten Tagen.

Verschärfungskriterium in der Phase 1:

Steigt die 7-Tages-Inzidenz auf über 350, wird es kritisch. Wir liegen deutlich tiefer.

7-Tage-Schnitt der Hospitalisationen

Noch eine erfreuliche Meldung: Die Hospitalisationen gingen in den letzten Tagen zurück. Aktuell werden im 7-Tagesschnitt rund 50 Covid-Patienten neu ins Spital eingeliefert. Damit sind wir auch hier auf gutem Weg – auch wenn hier ebenfalls noch mit Nachmeldungen zu rechnen ist.

Verschärfungskriterium in der Phase 1:

Steigen die Hospitalisierungen im 7-Tages-Schnitt auf über 80, muss über Verschärfungen diskutiert werden. Aktuell befinden wir uns bei rund 50 – also deutlich unter dem Wert.

7-Tage-Schnitt der Todesfälle

Die Todesfälle entwickelten sich zuletzt mehr oder weniger konstant. Wir bewegen uns im angestrebten 7-Tagesschnitt von unter 7,3.

Verschärfungskriterium in der Phase 1:

Bei den Todesfällen hat das BAG keine Richtwerte für Lockerungen oder Verschärfungen festgelegt.