Coronavirus
Die 7 grössten Ängste der Impf-Gegner – und die Antworten darauf

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung ist nach wie vor nicht geimpft. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Wir haben euch gefragt, warum ihr euch nicht impfen lasst und eure Antworten auf ihre Richtigkeit überprüft.

Daniel Huber/Sarah Serafini (watson.ch)
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Rund um das Thema Impfen gibt es immer noch viele Ängste und Zweifel.

Rund um das Thema Impfen gibt es immer noch viele Ängste und Zweifel.

Sven Hoppe/Keystone

«Warum lasst ihr euch nicht impfen?» Diese Frage Frage wurde den Leserinnen und Lesern von Watson gestellt. Einige argwöhnten, dieser Aufruf sei nur dazu da, um impfskeptische Personen auflaufen zu lassen oder vorzuführen. Doch vielmehr geht es uns darum, Ängste und Zweifel ernst zu nehmen und darauf einzugehen.

So haben wir eure Antworten gelesen, die häufigsten Gründe und Argumente gesammelt und sie für euch auf die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft. Denn Wissen ist immer noch das beste Mittel gegen die Angst.

«Die mRNA-Technologie ist zu wenig erforscht»

Die Begründung: Der 20-jährige Jakob aus Spiez schreibt: «Es hat bisher noch nie einen RNA-Impfstoff auf dem zugänglichen Markt gegeben, weil alle bisherigen zu gefährlich waren.» Ähnlich beschreibt es Noah, 21 Jahre alt aus Duderstadt (D): «Ich will mich nicht mit einem Impfstoff impfen lassen, dessen Forschung in den letzten 30 Jahren keine nennenswerten Erfolge oder Fortschritte zu verzeichnen hatte.» Einige User sagen, sie warten lieber auf den Totimpfstoff, weil sie der neuen mRNA-Technologie nicht vertrauen.

Unsere Antwort: Der mRNA-Impfstoff beschreibt einen spezifischen Mechanismus zur Bildung eines Proteins in unseren Zellen. Dabei wird der Bauplan für dasjenige Protein, das in unseren Zellen hergestellt werden soll, in unseren Körper gespritzt. Die Technologie dahinter ist nicht neu. 1959 entdeckten Forscher, dass in unseren Zellen einzelsträngige Ribonukleinsäuren sitzen, die genetische Informationen für den Bau eines Proteins enthalten. 1989 gelang es zum ersten Mal, bestimmte Abschnitte der RNA, sogenannte mRNA in eine Zelle einzuschleusen. In den 90er-Jahren gelang es, mittels RNA bei Mäusen eine Immunantwort hervorzurufen.

Am Menschen wurden RNA-Impfstoffe erstmals 2002 in klinischen Studien getestet. Der entscheidende Durchbruch gelang schliesslich der ungarischen Biochemikerin Katalin Karikó. Mit Forscherkollege Drew Weissman schaffte sie es, die empfindliche mRNA in Lipid-Moleküle zu verpacken. Solche winzige Nanopartikel kann man Tier und Mensch injizieren, ohne eine gefährliche Immunreaktion auszulösen. Das ermöglichte, mRNA für Therapien zu nutzen und legte den Grundstein für den mRNA-Impfstoff. Über diesen Erfolg schrieben Karikó und Weissman in einem Aufsatz im Jahr 2005.

Danach fand die Entdeckung vor allem in der Krebsforschung Anwendung. Fehlendes Geld, fehlendes Renommee und fehlende Lizenzen verhinderten allerdings, dass die mRNA-Technologie auf dem breiten Markt zur Anwendung kam. Erst mit dem Ausbruch der Coronapandemie erhielt Karikós Idee den Aufwind, den es benötigte und konnte endlich auf breitem Feld getestet und zur Anwendung kommen. Das ging vor allem auch deswegen, weil jetzt der Forschung grosse Summen an Geld zur Verfügung gestellt wurden.

Zusammengefasst heisst das: Die mRNA-Technologie ist seit ungefähr 30 Jahren bekannt. Bereits vor über 10 Jahren wurden erste klinische Studien für die Krebstherapie beim Menschen durchgeführt. Die Technologie ist somit bereits lange in Gebrauch. Dass sich die mRNA-Impfstoffe zur Bekämpfung des Coronavirus durchgesetzt haben, ist vor allem der momentanen Ausnahmesituation geschuldet. Die technischen Grundlagen und die Anwendungen wurden schon lange untersucht und beschrieben, jedoch fehlten die Investitionen für eine Weiterentwicklung und Anwendung der Technologie. Die Covid-19-Pandemie machte diese Investitionen möglich.

«Die Zulassung passierte zu schnell»

Die Begründungen: «Die Impf-Zulassungen waren rekordschnell. Normalerweise dauert eine Zulassung 10 Jahre», schreibt der 28-jährige watson-User John aus der Ostschweiz. Ein anderer User aus dem Kanton Zürich schreibt, er traue keiner Impfung, die es nur mittels Notfallzulassung auf den Markt geschafft hat.

Unsere Antwort: Was stimmt ist: Noch nie wurde eine Impfung so schnell entwickelt und zugelassen. Warum das so ist, hat mehrere Gründe. Zunächst waren die Forschenden sehr gut aufgestellt. Wie wir im vorhergehenden Punkt beschrieben haben, war die Technologie der mRNA-Impfstoffe nicht neu, man konnte auf bereits seit mehren Jahrzehnten erforschten Technologien aufbauen.

Akademie der Naturwissenschaften Schweiz

Zudem haben gleichzeitig sehr viele Institutionen und Personen an Impfstoffen geforscht, weil die Pandemie eine globale Herausforderung ist. Die Forschungsprojekte wurden durch die Staaten finanziell abgesichert. Normalerweise geht die Entwicklung eines Impfstoffs mit einem grossen Investitionsrisiko einher. Nicht aber in diesem Fall.

Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass aufgrund der andauernden Pandemie sehr schnell, sehr viele freiwillige Personen für klinische Studien gefunden werden konnten. Ebenso wurden die bürokratischen Abläufe an verschiedenen Orten vereinfacht. So auch beim Zulassungsverfahren von Swissmedic. Normalerweise werden die Ergebnisse der klinischen Phasen 1 bis 3 gesammelt und erst am Schluss geprüft. Aufgrund der grossen Dringlichkeit prüfte Swissmedic die Covid-Impfstoffe in einem rollenden Verfahren. Für den breiten Markt zugelassen wurden sie aber erst, nachdem die Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität der Impfstoffe bestätigt waren.

Zusammengefasst heisst das: Die Entwicklung und Zulassung der Coronaimpfungen basiert auf den grössten klinischen Studien, die jemals durchgeführt wurden. Dass die Impfstoffe zu schnell oder aufgrund einer zu unsicheren wissenschaftlichen Basis zugelassen wurden, davon kann keine Rede sein.

Mehr Informationen zur Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen auf der Webseite der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz.

«Die Spätfolgen der Impfung sind nicht bekannt»

Die Begründungen: Ein User, 23-jährig, aus St.Gallen, schreibt: «Der mRNA-Impfstoff hat noch unbekannte Langzeitfolgen. Noch nie wurde eine vergleichbare Impfung verwendet.» Auch Rita, eine 27-jährige Userin aus Wien, ist kritisch, weil «wir bisher null über mögliche Langzeitfolgen dieses neuartigen Impfstoffs wissen».

Unsere Antwort: Aus der Geschichte der Impfungen hat man gelernt: Langanhaltende Nebenwirkungen sind sehr selten und treten innerhalb der ersten zwei Monate auf. Spätfolgen von Impfungen hat es bisher noch nie gegeben.

Im Zusammenhang mit Spätfolgen der Coronaimpfung wird oft das Schweinegrippe-Virus H1N1, das sich 2009 verbreitete, und die Impfung Pandemrix erwähnt. Einige Jahre nach der Impfung begannen sich Fälle von Narkolepsie, einer Schlaferkrankung, zu häufen. Befürchtet wurde, dass diese Erkrankungen eine Spätfolge der Pandemrix-Impfung sein könnte.

Doch heute weiss man, dass dem nicht so ist. Eine Studie zeigte, dass die ersten Symptome von Narkolepsie bei den meisten bereits wenige Tage nach der Impfung aufgetreten sind. Allerdings wurden sie oftmals erst viele Monate später diagnostiziert. Die Narkolepsie-Erkrankungen sind also nicht plötzlich nach Monaten ausgebrochen, sondern wurden im Wesentlichen spät entdeckt. Es handelt sich dabei also nicht um Spätfolgen der Impfung, sondern um langanhaltende, seltene Nebenwirkungen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA spricht von 1300 Fällen. Pandemrix wurde daraufhin die Zulassung entzogen, die verbliebenen Impfungen zerstört.

Dass diese seltenen Nebenwirkungen nicht schon früher entdeckt wurden, liegt daran, dass in den klinischen Studien nur 1600 Personen mit Pandemrix geimpft worden sind. Narkolepsie tauchte bei jeder 20'000. Person auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer so kleinen Probandengruppe eine seltene Nebenwirkung entdeckt wird, ist also sehr klein.

Die Coronaimpfstoffe wurden an viel mehr Personen getestet. Bei Pfizer/Biontech haben 22'000 Probanden in der letzten grossen Zulassungsstudie den Impfstoff erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, seltene Nebenerkrankungen zu entdecken, war also viel grösser. Mittlerweile wurden bereits Millionen von Menschen geimpft. Seltene Nebenwirkungen wären längst aufgefallen.

Zusammengefasst heisst das: Nach der Impfung reagiert das Immunsystem schon nach wenigen Stunden. Die Impfstoffe selbst sind nur wenige Tage bis Wochen im Körper nachweisbar. Wenn etwas schiefgeht, zeigt sich das sofort. Nach wenigen Minuten kann ein anaphylaktischer Schock auftreten, nach Stunden Kopfschmerzen und Fieber, nach einigen Tagen auch schwerere Nebenwirkungen. Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt.

«Ich bin jung und gesund»

Die Begründungen: Eine Userin, 23 Jahre alt, sieht den Vorteil einer Impfung nicht: «Die jüngere Generation hat auch bei Mutationen meist keinen schwerwiegenden Verlauf. Ich habe keine Angst, falls ich angesteckt werde.» Martin, 41-jährig aus Frauenfeld, vertraut auf die Evolution: «Unser Immunsystem entwickelte sich während tausenden von Jahren. Der Impfstoff innerhalb von wenigen Monaten.»

Unsere Antwort: Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Nutzen-Risiko-Abwägung einer Impfung natürlich eine andere als etwa bei über 65-Jährigen. Jugendliche haben zwar die höchste Inzidenz bei den Fällen, aber zugleich die niedrigste bei den Hospitalisierungen. Dennoch haben sie kein Null-Risiko. In Israel, wo die Impfkampagne früh begann, zeigte sich schon im Februar, dass das Virus stärker unter Jüngeren zu zirkulieren begann, nachdem immer mehr Ältere geimpft waren. Und auch in dieser Altersgruppe kam es zu schweren Verläufen. In der Schweiz sind die Hospitalisierungen in den Altersgruppen der unter 30-Jährigen in den letzten Wochen ebenfalls angestiegen, allerdings auf niedrigem Niveau.

Laborbestätigte Hospitalisationen

BAG

Ein derzeit noch kaum quantifizierbares Risiko ist zudem Long Covid. Dieses Syndrom, das eine ganze Reihe von Symptomen wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten umfasst, kann auch nach Covid-Erkrankungen auftreten, die eigentlich mild verlaufen sind. Kinder und Jugendliche sind vermutlich weniger stark betroffen als Erwachsene, aber auch für sie besteht kein Null-Risiko, und die Folgen von Long Covid sind nach wie vor unabsehbar.

Neben dem Schutz der eigenen Gesundheit dient die Impfung aber auch dem Schutz der gesamten Bevölkerung, also auch jener, die sich nicht impfen lassen können. Vollständig Geimpfte geben das Virus nicht so leicht weiter wie Ungeimpfte, auch wenn dieser Effekt im Fall der Delta-Variante des Virus weniger stark ist.

Hinzu kommt ein Grund, der nichts mit dem Infektions-Risiko zu tun hat: Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind stark von den Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. Es sei daher auch in ihrem Interesse, mit einer Impfung zu einem baldigen Ende der Pandemie beizutragen, sagte Christoph Berger, Kinderarzt und Präsident der Eidgenössischen Impfkommission, der NZZ.

Zusammengefasst heisst das: Auch junge Leute können schwer an Covid erkranken, und auch bei ihnen kann Long Covid mit seinen noch unabsehbaren Folgen auftreten. Die Impfung reduziert diese Risiken massiv. Sie reduziert zudem die Verbreitung des Virus und schützt so nicht nur das Individuum, sondern die gesamte Bevölkerung.

«Die Nebenwirkungen sind schlimmer als die Krankheit»

Die Begründung: Manu, 30 Jahre alt, aus St.Gallen, schreibt, er kenne niemanden, der Corona nicht problemlos überstanden habe. Hingegen gebe es viele in seinem Umfeld, die nach der Impfung starke Nebenwirkungen hatten.

Unsere Antwort: Aus der eigenen Wahrnehmung heraus mag das stimmen. Doch statistisch gesehen ist die Gefahr, an Corona zu erkranken und einen schlimmen Verlauf durchzumachen grösser, als ernste, langanhaltende Schäden von der Impfung davonzutragen.

Seit Beginn der Pandemie mussten insgesamt 31'397 Personen in der Schweiz aufgrund einer Erkrankung am Coronavirus hospitalisiert werden. Rund ein Drittel von ihnen waren über 80 Jahre alt. Junge Personen mussten relativ selten ins Spital. Doch schauen wir uns das genauer an.

Die Hospitalisationsrate bezeichnet das Verhältnis der hospitalisierten Personen zu den positiv getesteten Personen. Bei über 80-Jährigen liegt diese Rate bei rund 20 Prozent, sprich, das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ist für diese Gruppe ziemlich hoch. Bei den 30- bis 39-Jährigen muss von hundert Angesteckten einer ins Spital. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist es ein Hospitalisierter von 200 Angesteckten. Das klingt nach wenig.

Vergleicht man nun die Hospitalisationsrate mit der Anzahl aufgetretenen Impf-Nebenwirkungen, sieht man: Noch seltener als schwere Verläufe bei jungen Personen sind Nebenwirkungen nach der Covid-Impfung. Bisher haben in der Schweiz 4,7 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten. Dabei kam es zu 3466 (0,07 Prozent) nicht schwerwiegenden und 1838 (0,03 Prozent) schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die meisten Nebenwirkungen traten bei über 45-Jährigen auf. Bei den als schwerwiegend eingestuften Fällen lag das mittlere Alter bei 61 Jahren. So dokumentiert es das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic.

Zusammengefasst heisst das: Die Impfung ist keinesfalls schlimmer als die Krankheit. Für junge Leute ist das Risiko einer Erkrankung mit schwerem Verlauf zwar klein, aber immer noch um ein Vielfaches grösser, als das Risiko, schwere Impf-Nebenwirkungen davonzutragen. Hinzu kommt das Risiko, dass ungeimpfte Personen an Long Covid erkranken könnten.

«Die Impfung bringt nichts»

Die Begründung: «Die Impfung schützt nicht vor Covid – auch nicht vor Long Covid. Zudem übertrage ich das Virus trotz Impfung weiter», schreibt der 40-jährige Steff aus Aardorf.

Unsere Antwort: Der Eindruck, die Impfung schütze nicht vor Covid, kann dadurch entstehen, dass die Zahl von sogenannten Impfdurchbrüchen logischerweise ansteigt, wenn Millionen von Leuten geimpft sind. Von Impfdurchbrüchen spricht man, wenn eine Person trotz vollständiger Impfung symptomatisch an Covid erkrankt. Von diesen insgesamt wenigen Fällen erkrankt wiederum eine kleine Anzahl schwer, und in einzelnen Fällen kann es selbst zu einem tödlichen Verlauf kommen. Diese Zahlen müssen aber in Relation zu den Erkrankungen von Ungeimpften gesehen werden – deren Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf ist sehr viel höher.

Dies zeigt das folgende Diagramm, in dem die täglichen Krankenhauseinweisungen von ungeimpften und geimpften Personen in der Schweiz seit Anfang Juli verglichen werden:

Der Schutz, den eine vollständige Impfung vor einer Ansteckung bietet, hat mit der Verbreitung der aktuell dominierenden, ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus vermutlich etwas abgenommen. Und tatsächlich ist es möglich, dass auch Geimpfte das Virus weitergeben können. Dennoch schützt die Impfung weiterhin signifikant vor einer Ansteckung: Daten aus Grossbritannien bescheinigen dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, dass er vollständig Geimpfte im Vergleich mit Ungeimpften zu 88 Prozent vor einer Ansteckung schützt. Auch eine aktuelle Studie aus Israel an 9650 Klinikmitarbeitern zeigt, dass die Impfung 88,1 Prozent der symptomatischen, ansteckenden Infektionen verhindern konnte.

Ein weiterer wichtiger Befund der israelischen Studie: Die Viruslast war bei Geimpften offenbar deutlich niedriger als bei Ungeimpften. Dies hat Auswirkungen darauf, wie ansteckend jemand ist: Je mehr Viren im Nasen- und Rachenraum vorhanden sind, desto ansteckender ist eine infizierte Person.

Was Long Covid anbelangt: Wie Ungeimpfte, die sich mit dem Coronavirus anstecken, können auch Geimpfte bei Impfdurchbrüchen Long Covid entwickeln. Bisher gibt es jedoch nur wenig Daten dazu.

Zusammengefasst heisst das: Selbst eine vollständige Impfung kann keinen absoluten Schutz bieten. Eine vollständige Impfung reduziert jedoch das Risiko einer Ansteckung und – falls es dennoch zu einer Infektion kommt – die Gefahr eines schweren und womöglich tödlichen Krankheitsverlaufs. Zudem vermindert sie bei Infizierten die Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben.

«Ich bin schwanger»

Die Begründung: Nadine, 29 Jahre alt aus Winterthur ist verunsichert: «Ich bin schwanger und die Stellungnahme des BAG ist sehr schwammig. Auch telefonisch erhält man keine bessere Antwort.» Die 32-jährige Steffi schreibt, sie wolle sich aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht impfen. «Ich will mein Ungeborenes keiner zusätzlichen Gefahr aussetzen.»

Unsere Antwort: Tatsächlich ist die Informationslage für Schwangere in Bezug auf eine Coronaimpfung verwirrend. Zuerst waren schwangere Frauen für die Impfung nicht zugelassen, da aus den klinischen Studien nur wenig Daten zu den möglichen Auswirkungen für Mutter und Kind vorhanden waren. Inzwischen können sich alle schwangeren Frauen impfen lassen, die wollen. Ausdrücklich empfohlen ist die Impfung für Schwangere ab dem 2. Trimester mit chronischen Krankheiten, sowie für schwangere Frauen mit einem erhöhten Expositionsrisiko für eine Covid-19 Erkrankung.

Noch scheinen die Schweizer Behörden eher vorsichtig mit einer expliziten Empfehlung für alle Schwangere. Gleichzeitig weist das BAG aber darauf hin, dass schwangere Frauen zur Covid-19-Risikogruppe gehören. Eine Erkrankung am Coronavirus kann für Mutter und Kind sehr gefährlich sein. Eine internationale Studie aus 18 Ländern kam zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, auf der Intensivstation zu landen, für Schwangere mit Covid-19 im Vergleich zu Schwangeren ohne Covid-19 etwa fünfmal höher liegt. Die Wahrscheinlichkeit, zu sterben, sei sogar 22-fach erhöht.

Ebenfalls verweist das BAG auf die Erkenntnisse der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Diese empfiehlt die Impfung allen Personen ab 12 Jahren, inklusive Schwangeren, stillenden Müttern oder Frauen, die gerade versuchen, schwanger zu werden. In den USA sind inzwischen weit über 200'000 schwangere Frauen mit den mRNA-Impfstoffen geimpft worden, ohne dass es Hinweise auf unerwartete Nebenwirkungen bei Mutter und Kind gab. Zu diesem Schluss kam auch eine US-Studie mit 35'000 Schwangeren.

Zusammengefasst heisst das: Solange das BAG die Impfung für Schwangere nicht explizit empfiehlt, muss jede Frau diese Entscheidung selber treffen aufgrund einer Nutzen-Risiko-Abwägung. Der Nutzen der Impfung ist in der Tendenz sehr gross, während das Risiko bei einer Erkrankung für eine ungeimpfte Schwangere sehr gefährlich ist.

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