Corona-Politik
Wer Impfmuffel zum Piks überredet, erhält 50 Franken: Das sagt der Verhaltensökonom dazu

Nun gibt es Geldgeschenke als Anreiz, sich impfen zu lassen. Ist das eine gute Massnahme, oder stösst man damit die Geimpften vor den Kopf? Verhaltensökonom Gerhard Fehr gibt Auskunft.

Nina Fargahi
Drucken
Teilen
Der Bundesrat setzt nun auf Geldgutscheine als Impfbelohnung.

Der Bundesrat setzt nun auf Geldgutscheine als Impfbelohnung.

Keystone

Nur Bares ist Wahres? Nicht immer, aber die 50-Franken-Gutscheine, die der Bundesrat für die neue Impfoffensive vorsieht, könnten einen positiven Effekt auf die Impfquote haben. Das findet jedenfalls der Verhaltensökonom Gerhard Fehr und nennt diesen monetären Anreiz «eine kluge Massnahme».

Er verweist auf neue Studien in den USA, die besagen, dass Anreize wie Geldgutscheine tatsächlich funktionieren. Fehr geht zwar davon aus, dass die Impfquote dadurch «nicht unendlich» steigen werde. «Ich schätze, drei oder vier Prozent mehr, aber dafür gibt es praktisch keine Nebenwirkungen», so der Verhaltensökonom.

Die Leute werden also bei einer allfälligen Auffrischungsimpfung nicht extra abwarten, weil sie wiederum auf Geldgeschenke hoffen? «Nein, dafür ist der Betrag zu klein.» Was ist mit dem Misstrauen bei den Impfgegnern, die sich noch mehr bestätigt sehen könnten? «Bei diesen ungefähr 15 Prozent greift keine Massnahme, aber diese Gruppe ist auch nicht so wichtig, um auf eine vernünftige Impfquote zu kommen», sagt Fehr. Das könne man auch in anderen Ländern beobachten. Je grösser die Skepsis, desto wirkungsloser der Anreiz.

Nichts ist teurer als ein Lockdown

Im Ausland sind Impfbelohnungen jedenfalls gang und gäbe. Griechenland schenkte allen Jugendlichen von 18 bis 25 Jahren 150 Euro, wenn sie sich impfen liessen. In den USA stellte Präsident Biden jedem neu geimpften US-Bürger 100 Dollar in Aussicht. Vollständig Geimpfte konnten bei einer Lotterie sogar 1,5 Millionen Dollar gewinnen. In Kalifornien werden insgesamt etwa 116,5 Millionen Dollar verlost.

Auch in Österreich stehen Geldgeschenke zur Diskussion. Dort geht man davon aus, dass Prämien von 100 Euro zu einer Impfbereitschaft von 80 Prozent führen würden, bei 500 Euro wäre gar eine Impfquote von 90 Prozent möglich, schreibt die österreichische Tageszeitung «Der Kurier».

In anderen Ländern sind die Anreize indirekt monetär. So haben in Hongkong Bauherren zusammen mit philanthropischen Stiftungen einen Lotteriefonds gegründet und verlosen Wohnungen an geimpfte Einwohner. Israelische Städte locken die Impfmuffel mit Hummus, Thüringen verteilt Bratwürste, in Sachsen gibt es Freikarten für Fussballfans.

Etwas haben die meisten Staaten verstanden: Finanzielle Anreize mögen mitunter kostspielig sein, doch nichts ist teurer als ein Lockdown. Fehr schätzt zudem, dass der Wert einer Impfung pro Bürger ein Vielfaches über diesem Betrag liege. «50 Franken rechnen sich also leicht», sagt er. Das sieht wohl auch der Bundesrat so. Gesundheitsminister Berset sagte vor den Medien, dass man beispielsweise mit jeder verhinderten Hospitalisierung 50'000 Franken einspare.

Jugendliche könnten sich gegenseitig motivieren

Wie kommen die 50-Franken-Gutscheine bei der Gesundheitskommission des Nationalrates an? «Ich bin etwas zwiespältig», sagt deren Präsidentin Ruth Humbel. Einerseits könne man damit sicher viele Junge erreichen, die sich gegenseitig motivieren, um 50 Franken abzuholen. «Andererseits können sich diejenigen, welche geimpft sind, dumm vorkommen, weil sie sich eigenverantwortlich bereits geimpft haben und keine 50 Franken bekamen oder weiterhin bekommen.»

Der Impffortschritt in der Schweiz

Aktuelle Nachrichten