Corona-Politik
Der Bundesrat lockert den Zugang zum Covid-Zertifikat, sagt aber auch: «Wir dürfen die Kontrolle nicht verlieren»

Der Gesundheitsminister Berset hält an der Zertifikatspflicht fest. Genesene sollen aber einfacher zu einem Impfpass kommen.

Nina Fargahi
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Der Bundesrat hat am Mittwoch über die Aufhebung der Zertifikatspflicht gesprochen. Denn die epidemiologische Lage, vor allem die Situation auf den Intensivstationen, hatte sich seit der Einführung verbessert und die Kritik an der Zertifikatspflicht hat in letzter Zeit zugenommen.

Drei Varianten hat der Bundesrat in Betracht gezogen. Erstens: Eine Flexibilisierung der Zertifikatspflicht, bei der Genesene mit einem Antikörpertest Zugang erhalten. Zweitens: Eine Lockerung der Zertifikatspflicht, aber mit strikten Massnahmen wie zum Beispiel Maskenpflicht und Abstandsregeln. Die dritte und brisanteste Variante hätte darin bestanden, die Zertifikatspflicht vollständig aufzuheben so wie auch alle Massnahmen.

Davon will der Bundesrat aber nichts wissen. Berset begründete das Festhalten an der Zertifikatspflicht mit dem Ende der Herbstferien und dem Schulbeginn, zudem steht die kältere Jahreszeit bevor und die Menschen werden sich wieder vermehrt in Innenräumen aufhalten. Auch der erhoffte Impf-Boom ist ausgeblieben. Entsprechend bezeichnete Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Lage als «ungünstig». Ausserdem meldete das BAG am Mittwoch 1442 neue Ansteckungen innert 24 Stunden. Das ist eine Erhöhung von 37 Prozent gegenüber der Vorwoche.

Verlängerung ist nur in der Schweiz gültig

«Wir dürfen die Kontrolle nicht verlieren», sagte Bundesrat Berset am Mittwoch vor den Medien. Auch der Blick nach Israel und Niederlande habe ihn abgeschreckt. Diese beiden Länder hätten im Sommer alle Massnahmen aufgehoben, als sie eine Impfquote hatten wie die Schweiz heute. Was sei passiert? «Die Fälle schossen rasant in die Höhe, ein solches Szenario wollen wir nicht riskieren», so Berset. Erst Mitte November wird der Bundesrat wieder über die Aufhebung der Zertifikatspflicht diskutieren.

Er will aber den Zugang zum Zertifikat im Inland erleichtern, speziell für Genesene. Künftig sollen Schweizer Covid-Zertifikate auch für Personen ausgestellt werden, die einen positiven Antikörpertest (serologischer Test) vorlegen können. Dieser Test kostet ungefähr 70 Franken. Es werden nur Tests genehmigt, die von einem zertifizierten diagnostischen Labor durchgeführt worden sind. Die Gültigkeitsdauer dieser besonderen Zertifikate soll auf 90 Tage beschränkt werden. Gleichzeitig soll die Gültigkeitsdauer aller bislang ausgestellten Zertifikate für Genesene (mit PCR-Test) von 180 auf 365 Tage verdoppelt werden.

Bundesrat Berset zum «Schweizer Covid-Zertifikat».

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«Das war ein Anliegen aus der Wirtschaft»

Gesundheitsminister Berset sprach von einem «Schweizer Zertifikat», das eine Art Ergänzung sei und in anderen Ländern keine Gültigkeit habe. Denn in der EU seien Zertifikate für Genesene mit wenigen Ausnahmen nur 180 Tage gültig, daher ist das verlängerte Zertifikat nur für den Gebrauch in der Schweiz und nicht für Reisen ins Ausland vorgesehen. Die Kantone können zu diesen Vorschlägen nun Stellung nehmen.

Ebenfalls in die Vernehmlassung schickt der Bundesrat ein Zertifikat für Touristinnen und Touristen, wenn sie mit einem nur von der Weltgesundheitsorganisation WHO zugelassenen Impfstoff geimpft wurden. Aktuell betrifft dies die Impfstoffe Sinovac und Sinopharm. Dieses Zertifikat wäre 30 Tage gültig. «Das war ein Anliegen aus der Wirtschaft», so Berset.

Und schliesslich sollen Personen, die sich aus medizinischen Gründen weder impfen noch testen lassen können, ein maschinenlesbares Schweizer Covid-Zertifikat mit einer Gültigkeitsdauer von 365 Tagen erhalten.

Ausstieg: Nur wenn Spitäler nicht mehr überlastet sind

«Das Merkmal der Pandemie ist die Ungewissheit», sagte Berset am Schluss der Medienkonferenz. Ohne die Delta-Variante hätte man die Pandemie längst überstanden. Aber: «Die Natur hat anders entschieden.» Für einen Ausstieg aus der Zertifikatspflicht sei die Auslastung der Spitäler ausschlaggebend, so Berset. Gleichzeitig stellt er klar, dass sich in einer Pandemie die Ausgangslage immer wieder ändern kann. Die nächsten Entwicklungen seien schwierig abzuschätzen. «Wir können im Moment mit einigen Restriktionen ziemlich gut leben, wir sind nicht weit weg von einem Ausstieg», sagte der Gesundheitsminister. Aber: «Wir versuchen, ohne Schock auszusteigen.»

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