Corona
«Es besteht das Risiko, dass sie die Pandemie verstärken statt bremsen»: Berner Inselspital stellt den Roche-Schnelltests ein schlechtes Zeugnis aus

Laut einer Studie des renommierten Spitals sind die Tests unzuverlässig – der verantwortliche Professor Michael Nagel sieht sie als «klare Schwachstelle» in der Schweizer Pandemiestrategie.

Dominic Wirth
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Antigen-Schnelltests sind ein beliebter Weg zum Covid-Zertifikat.

Antigen-Schnelltests sind ein beliebter Weg zum Covid-Zertifikat.

Bild: Christian Beutler / Keystone

Es ist eine Studie, wie sie noch nie durchgeführt wurde. Und die Ergebnisse stellen einen Pfeiler der Schweizer Pandemiepolitik in Frage. Das Inselspital Bern hat die Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests untersucht. Die Wissenschafter setzten dabei auf eine Methode, die laut Studienleiter Michael Nagler neu ist und zum Ziel hatte, möglichst realitätsnahe Ergebnisse zu erzeugen.

Konkret unterzog das Inselspital knapp 1500 Menschen, die sich im Zentrum für einen Test angemeldet hatten, einem PCR- und einem Schnelltest. Das Ergebnis: Die Schnelltests sind viel weniger zuverlässig als die PCR-Tests. Sie entdeckten nur zwei von drei Fällen.

Sind die Tests gar ein Treiber der Pandemie?

Noch schlechter war die Quote bei asymptomatischen Personen. Hier entdeckte der Schnelltest nur 44 Prozent der Infizierten. Das ist wichtig, weil die Schnelltests im Rahmen der Schweizer 3-G-Strategie bei der Vergabe von Covid-Zertifikaten breit eingesetzt werden.

Wer weder geimpft noch genesen ist, kann vor dem Besuch eines Clubs oder einem Fussballspiel einen Schnelltest absolvieren. Ist dieser negativ, erhält die Person Zutritt. Nun bestätigt die Inselspital-Studie, was schon frühere Untersuchungen nahelegten: Ob die negativ Getesteten wirklich nicht infiziert sind, ist alles andere als sicher.

Die Frage ist, was das nun für das Covid-Zertifikat bedeutet. Sie wird noch bedeutsamer, weil das Zertifikat bald auch nötig sein könnte, um Restaurants oder Fitnesszentren zu besuchen. Inselspital-Professor Nagler sagt:

«Die Antigen-Tests sind eine klare Schwachstelle der 3-G-Strategie».

Nagler und sein Team waren überrascht, wie schlecht die Schnelltests des Schweizer Pharmariesen Roche abschnitten.

Überrascht über die schlechten Ergebnisse

Die Forscher stellen in den Raum, dass jede Woche tausende falsch negativ getestete Personen an Grossanlässen teilnehmen. Allein am Mittwoch wurde rund 31'000 Personen ein Covid-Zertifikat ausgestellt, nachdem sie negativ getestet worden waren. Der Grossteil dürfte einen Schnelltest gemacht haben. Nagler sagt, er sehe «das Risiko, die Schnelltests die Pandemie nicht bremsen - sondern verstärken».

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sagt, es sei eine politische Entscheidung, das Zertifikat auch nach einem Schnelltest zu vergeben. Es gehe darum, möglichst vielen Menschen die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen. Heute zahlt der Bund Personen, die ein Zertifikat wollen, den Test. Ab dem 1. Oktober ändert sich das: Präventive Tests müssen dann selbst bezahlt werden.

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