CORONA
Die geheime (und leider falsche) Hoffnung von Bundesrat Berset

Der Bundesrat erteilt raschen Lockerungen der Corona-Massnahmen eine Absage. Wegen der neuen Virusvarianten konnte Gesundheitsminister Berset wenig Zuversicht versprühen - trotz derzeit sinkenden Zahlen.

Maja Briner
Maja Briner
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Bundesrat Alain Berset, der sich selbst als Optimist bezeichnet, desinfiziert sich nach der Medienkonferenz die Hände.

Bundesrat Alain Berset, der sich selbst als Optimist bezeichnet, desinfiziert sich nach der Medienkonferenz die Hände.

Anthony Anex / KEYSTONE

Alle warten auf einen Lichtblick, auf das Ende der Krise, und dann kommt der Bundesrat und raubt die Hoffnung. Grosse Lockerungen ab Anfang März seien unwahrscheinlich, sagte Gesundheitsminister Alain Berset gestern. Der Corona-Marathon, inzwischen zum Triathlon geworden, könnte sich also weiter hinziehen, Restaurants und Läden noch länger geschlossen bleiben. «Wir wissen, dass es eine sehr schwierige Situation ist für die Gesellschaft», sagte Berset. Er versuchte es mit einem Quäntchen Optimismus:

«Es gibt Licht am Ende des Tunnels, das können wir sagen. Aber es braucht noch Zeit.»

Noch mehr Geduld also, noch mehr Durchhalten. Berset liess durchblicken, dass er gerne das Gegenteil verkündet hätte: «Wir wollen alle, dass die Massnahmen gelockert werden können.» Doch die Situation lasse das nicht zu. «Wir sind im Dilemma», sagte er, wiederholt sprach er von einer «Gratwanderung».

Die Pandemie in der Pandemie

Die Fallzahlen seien inzwischen besser, doch in den guten Zahlen verstecke sich eine schlechte Entwicklung: eine «Pandemie in der Pandemie». Die Neuansteckungen mit der neuen, in Grossbritannien entdeckten Variante verdoppelten sich jede Woche. Die Situation ähnle jener von Anfang Oktober – also kurz vor Ausbruch der zweiten Welle.

Drohen also gar schärfere Massnahmen? Aktuell sei das nicht nötig, künftig ausschliessen lasse es sich nicht, so Berset: «Ich hoffe aber schwer, dass wir keine Verschärfungen brauchen.» Die aktuellen Massnahmen gelten bis Ende Februar, wie es weitergeht, ist offen. Der Bundesrat hat noch nichts entschieden. Eigentlich gab es für Berset daher gestern nichts zu verkünden. Dennoch trat er vor die Medien – offensichtlich, um die Hoffnungen auf baldige Lockerungen, die immer lauter gefordert werden, zu dämpfen.

Das trügerische Bauchgefühl

Doch wie lange ist der Tunnel noch? Was ist an Ostern, was im Sommer? Können wir die Masken dann in der Schublade verstauben lassen? Wie lange die Schutzmassnahmen noch gelten, könne er nicht sagen, sagte Berset – und geriet beinahe ins Schwärmen, als er aufzählte, was irgendwann wieder möglich sein soll: «Hände schütteln, sich umarmen, die Maske abziehen, nicht mehr alle zehn Minuten die Hände waschen».

Prognosen wagte er aber nicht. «Um offen zu sein: Ich hatte lange die geheime Hoffnung, dass es schneller geht», so Berset. «Ich hatte das Bauchgefühl, wenn der Winter vorbei, werde es besser gehen.» Dann aber tauchte die neue Variante auf – und der Tunnel wurde nochmals länger. Eines der wichtigsten Elemente, um aus der Pandemie zu entkommen, sei die Impfung, so Berset. «Un miracle», ein Wunder, sei es aber nicht, dämpfte er auch diese Hoffnung.