Am 18. Oktober befand der Bundesrat unter Ägide von Verteidigungsminister Guy Parmelin: Olympische Spiele seien eine grosse Chance für die Schweiz. Er entschied, das Projekt «Sion 2026» mit einer Milliarde Franken zu unterstützen.

Eine grosse Chance sah auch der unvermeidliche Walliser Tausendsassa und FC-Sion-Besitzer Christian Constantin. Wie der Walliser Blog 1dex.ch dieser Tage enthüllte: Gut einen Monat vorher, am 15. September 2017, liess Constantin den Slogan «Sion 2026, les Jeux au cœur de la Suisse» als Marke schützen. Auf Deutsch: «Sion 2026, die Spiele im Herzen der Schweiz».
Das ist der offizielle Slogan des Schweizer Olympia-Projekts. Das Motto, mit dem die Kandidatur der Kantone Wallis, Waadt, Freiburg, Bern und Graubünden in die Ausmarchung stieg. Die Rechte an dieser Marke gehören nun nicht dem Bewerbungskomitee. Sondern einer Aktiengesellschaft, deren einziger Verwaltungsrat Christian Constantin ist.

Besonders pikant ist das, weil «CC» am 22. September 2017, also eine Woche nach Hinterlegung der Marke Sion 2026, im Zug der Ohrfeigen-Affäre aus dem Sion-Bewerbungskomitee zurücktrat. Constantin hatte vor laufender Kamera den Fussball-Experten Rolf Fringer geohrfeigt und ihm einen Tritt in den Hintern versetzt. Um die Kandidatur Sion 2026 nicht zu belasten, trat der Walliser als Vizepräsident des Komitees zurück.
Constantin sitzt nicht nur auf der Sion-Marke. Er besitzt auch die offizielle Website sion2026.ch. Die hat er bereits 2014 registriert. Auch wenn Constantin offiziell bei Sion 2026 weg ist, behält er damit einige Trümpfe in der Hand. Er kann, wenn er will, mit der Vermarktung gutes Geld verdienen. Das Komitee und die öffentliche Hand, die die Spiele mit viel Steuergeld subventioniert, haben dann das Nachsehen.

Constantin attackiert TV-Experte Rolf Fringer vor laufender Kamera.

Constantin attackiert TV-Experte Rolf Fringer vor laufender Kamera.

Unmittelbar vor der Live-Schaltung rennt Constantin Senior auf Fringer zu. Der Experte wird zwar noch gewarnt, doch just als er sich umdreht, kassiert er bereits den ersten Faustschlag. 

Parmelin wusste nichts

Recherchen zeigen: Weder das Bewerbungs-Komitee noch SVP-Bundesrat Parmelin und seine Leute, die das Dossier prüften, bemerkten Constantins Trick. Christoph Lauener, Informationschef des Bundesamts für Sport (Baspo) im VBS, sagt: «Der Bund hat nicht separat geprüft, wem Website, Marke oder Mail-Domain gehören; bei einem Projekt dieser Dimension und angesichts des grossen Zeitdrucks standen andere Aspekte im Vordergrund.» So wusste auch der Bundesrat nichts vom Problem, als er die Milliarde durchwinkte.

Aus allen Wolken gefallen ist der Berner SP-Ständerat und Vizepräsident des Sion-Komitees Hans Stöckli. Er hat vor einigen Wochen von den Markenrechten erfahren. Stöckli grollt: «Am 12. Dezember 2016 wurde durch die Fusion von vier Projekten der neue Verein gegründet. Keiner der Gründer hatte das Recht, irgendwelche Rechte für sich abzuleiten.» Constantin tat es dennoch. Stöckli: «Es hat mich sehr überrascht, dass Constantin den Slogan ‹Sion 2026 Les Jeux au cœur de la Suisse› als seine eigene Marke schützen liess. Er hatte umso weniger das Recht dazu, als der Slogan nicht einmal von ihm stammte.» Den hatte Sion-2026-Präsident Jean-Philippe Rochat aus dem Hut gezaubert.

Ein Problem sieht Stöckli dennoch nicht. Der Name «Sion 2026 Jeux au cœur de la Suisse» habe man nur für das Einreichen der Kandidatur gebraucht: «Wir werden bald einen neuen Slogan präsentieren.» Im Übrigen glaubt der Sion-Vize, dass er den Markenstreit friedlich beilegen kann: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass CC und ich den Sturm im Wasserglas bei einem Glas Petite Arvine beilegen können.»

Auch «Sion 2030» geschützt

Wie auch immer: Laut Insidern fehlt Constantin im Bewerberkomitee an allen Ecken und Enden. Der Walliser war der Motor der Kandidatur. Ob Sion 2026 so die vielen Hürden übersteht, etwa kantonale Abstimmungen, gilt als fraglich. Personalien sorgen für Missstimmung. Der Präsident des Komitees, Anwalt Rochat, ist angeschlagen: Durch angeblich hohe Honorarforderungen. Und der Name seiner Kanzlei tauchte in den «Paradise Papers» auf.
Im Wallis sind viele überzeugt, dass Constantin bereits auf das Scheitern von «Sion 2026» setzt. Danach werde er mit seinem Vermögen für eine Neuauflage einstehen und notfalls die Haftung für Defizite übernehmen. Tatsächlich zeigen Recherchen: CC hat sich bereits die Marke «Sion 2030» gesichert. Am gleichen Tag, als er den Sion-2026-Slogan schützen liess.

Hier würde 2026 um die Medaillen gekämpft: