Film Festival
Conan, der Cousin: zwei komplett verschiedene Schwarzenegger in Zürich

Mister Universe, Gouverneur, Schauspieler. Sein Coucousin: Gerichtsschreiber in Schaffhausen, Assistenzprof in Japan, Professor für Strafrecht in Zürich. Christian und Arnold Schwarzenegger sind grundverschieden – und haben sich noch nie gesehen.

Alexandra Fitz
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Arnold Schwarzenegger am Zurich Film Festival
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Ein gefragter Mann: Arnold Schwarzenegger am Zurich Film Festival

Arnold Schwarzenegger am Zurich Film Festival

Mario Heller und Keystone

Erst Mister Universe, dann Gouverneur von Kalifornien, jetzt wieder Schauspieler. Sein Coucousin: erst Gerichtsschreiber in Schaffhausen, dann Assistenzprof in Japan, jetzt Professor für Strafrecht in Zürich. Christian und Arnold Schwarzenegger sind grundverschieden – und haben sich noch nie gesehen. Vielleicht klappte es ja am Mittwochabend beim Zurich Film Festival.

Es blitzt und blitzt. Der Terminator schreitet über den grünen Teppich des Zurich Film Festival. Im Publikum hinter der Absperrung steht Christian Schwarzenegger. Rechtsprofessor in Zürich und der Coucousin des Filmstars.

Szenenwechsel: zwei Tage zuvor in einem Büro der Uni Zürich. «Schwarzenegger, freut mich». Die grosse Hand drückt mässig kräftig zu. Es fühlt sich so gar nicht nach Actionheld, Bodybuilder, Barbar oder nach sonst irgendetwas an, was man mit dem Namen Schwarzenegger verbindet. Sein Schweizer Coucousin ist schlank und weit weg von aufgepumpt, eher ein wenig, als hätte man aus ihm die Luft rausgelassen. Seine Erfahrung vor der Kamera beschränkt sich auf eine Dok-Serie im SRF («Ich kann ganz vernünftig vor der Kamera reden», wird Schwarzenegger II später sagen).

Und der 55-Jährige hat sich auch nicht für die Politik entschieden, wie es sein Grosscousin später tat, sondern für eine Uni-Karriere: Er ist Strafrechtsprofessor und seit 2012 Prorektor Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Und mit Arnie verwandt. Ihre Verbindung ist der Urgrossvater. Christians Vater, der Anfang der Fünfzigerjahre von der Steiermark in die Schweiz auswanderte, und Arnold Schwarzenegger sind Cousins.

Nur, während etliche bereits 1984 nach dem Kultfilm «Terminator» im Flieger nach Amerika gesessen und mit einem lächelnden Servus vor der Tür unseres Hollywood-Promi-Verwandten gestanden hätten, oder spätestens als das Muskelpaket als Governor of California von der Politbühne winkte – Christian liess das alles eher kalt.

Christian bleibt daheim

Sein Coucousin kam schon als Bodybuilder hin und wieder in die Schweiz und später dann für Promotionstouren seiner Filme. Der Hollywoodstar rief seine Verwandten in der Schweiz sporadisch alle zwei Jahre an. Christians Eltern und sein Bruder trafen ihn auch. Arnolds Mutter kam häufiger nach Zürich, sie brachte dann auch die unterschriebenen Bildchen ihres Sohnes mit. Man redete über ihn. Aber Klein Christian sah das anders: «Entweder hatte ich keine Zeit oder ich fand es nicht so wichtig», entschuldigt er das bisher ausstehende Aufeinandertreffen. Seine Eltern feierten 1986 auch mit dem Steirer Arnold und der Nichte von John F. Kennedy und Gästen wie Andy Warhol deren Hochzeit. Christian, damals Student, blieb daheim.

Auf die ständig wiederkehrende und für «Normalsterbliche» vollkommen berechtigte Frage, warum er ihn denn nie getroffen habe, sagt Arnies Cousin zweiten Grades: «Was würde denn passieren, wenn ich ihn träfe? Ich würde ja nicht sein Buddy werden. Dafür müsste ich in seiner Nähe leben oder im Schauspielbereich tätig sein.»

1994 dann holte ihn Arnold gleichwohl ein. Christian war in Japan an der Uni und der Action-Held Arnold im fernen Land eine Riesennummer. Für Werbefilme war er immer wieder in Japan.

Der Dozent wollte ihn an die Uni holen: Aber es klappte nicht. «Er hatte nie Zeit, hat aber immer nett zurückgeschrieben.» Aber auch Christian reichte den Japanern schon als Star.

Die Studenten wollten in seine Vorlesungen, japanische Radiosender machten ulkige Shows mit dem Fake-Schwarzenegger und Terminator-Musik auf dem Campus und ein japanischer Professor, selbst Bodybuilder, stürmte in das Büro seines neuen Kollegen und brach ob des schmächtigen Schweizers in schallendes Gelächter aus. So etwas war keine Einmaligkeit: Ein Zürcher Bankangestellter las seinen Namen und meinte: «Sie sehn aber nicht gerade aus wie Schwarzenegger.»

1999 kam der Schweizer Schwarzenegger an die Uni Zürich. Auch da ging es nicht lange, bis der Name Schwarzenegger Thema wurde. Das stört den Professor nicht. So habe man immer gleich ein Gesprächsthema. Seit vier Jahren versucht er, seinen Coucousin als Redner an die Uni zu kriegen. Wieder «No time».

Im Rahmen des derzeit laufenden Zurich Film Festival versuchte der Professor es noch einmal. «Aber jetzt ist er wieder als Schauspieler hier und verlangt ordentliche ‹Redegagen›. Unser Geld war zu knapp», erklärt Christian die erneute Niederlage. Ist das nicht unbefriedigend? Vor allem als Verwandter? «Ich bin entspannt», sagt Christian wieder. Falls er ihn sähe, würde er ihm sagen: «Hi, nice to meet you.»

Schliesslich hat Arnolds Manager (der übrigens Schwarzeneggers Neffe ist) Christian und seiner Frau Karten für Schwarzeneggers Film im Kino Corso bereitgestellt. Mit der Möglichkeit, dass sich die zwei Verwandten vielleicht endlich einmal treffen. Denn am Auftritt davor, als Schwarzenegger vor ausgewähltem Publikum über seinen Erfolg schwadronierte, hatte sein Vetter keinen Zutritt. Zu voll sei es.

«Grosse Ehre»: Schwarzenegger erhält den Icon Award und macht gleich ein Video-Selfie von dem heroischen Moment:

Als wuchtige Gestalt sitzt er elegant auf der Bühne und erzählt seinem Publikum, dass man eine «clear vision» sowie Prinzipien haben muss. In seinem Optimismus ist er wie ein typischer Ami, am Akzent erkennt man dann aber wieder den Grazer, der ständig das «ö» beim Wort «work» überbetont. Auf Deutsch sagt er lediglich das Wort «Apfelstrudel». Für seinen Erfolg nimmt er immer wieder seine sportlichen Leistungen her.

Auch Professor Schwarzenegger bewundert Arnie für seine Hartnäckigkeit. Auch weil er sich gegen den Widerstand der Eltern wehrte. Denn dass er sich mit Bodybuilding die Zeit vertrieb, fand der strenge Vater gar nicht gut. Christian erinnert sich an das Zimmer von Arnie in der Steiermark. Vollgepflastert mit Bildli von starken Männern. Sie waren seine Idole.

«Iss noch was!»

Ähnlichkeiten? «Den starken Durchsetzungswillen haben wir gemeinsam. Nicht aber im Sport. Ich hätte mehr trainieren müssen», sagt er und lacht. Der körperliche Unterschied ist deutlich und scheint die Leute am meisten zu verwirren, wenn sie erfahren, dass der habilitierte Jurist mit dem Mister Olympia und Mister Universum (1,88 m gross, 106 kg schwer) verwandt ist.

Wenn Christian als Junge in Thal in der Steiermark zu Besuch war, fand die Mutter von Schwarzenegger immer, er sei zu dünn, und sagte: «Iss noch was!» Aber je länger man das Schweizer Schwarzenegger-Pendant ansieht, desto mehr meint man, eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. Die hohe Stirn? Das mächtige Kinn? Die Frisur?

Ja, beide haben einen Rotstich im Haar. Neid aber gebe es keinen. «Ich bin auch zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich bin da, wo ich hinwollte.» Recht hat der Rechtswissenschafter.

Um 21 Uhr kommt die Durchsage vom Kino: Alle Kinobesucher müssen rein. Der Prof wird im Saal nur vier Plätze neben Arnold sitzen. Und kurz darauf: die Bestätigung! Es hat geklappt! Christian Schwarzenegger meldet sich per SMS: «Der Assistent hat mich vorgestellt. Es kam zum Shakehands und zwei netten Worten.» Die beiden Schwarzenegger, endlich vereint.