Spreitenbach

Céline (†13) nahm sich nach Cybermobbing das Leben: Psychologe kritisiert milde Strafen

Suizidfall Céline: Jugendstrafrecht anpassen?

Suizidfall Céline: Jugendstrafrecht anpassen? Der Bericht von "Tele M1".

Céline Pfister (13) aus Spreitenbach nahm sich das Leben, nachdem sie auf Social-Media-Plattformen massiv gemobbt worden war. Die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis hat jetzt einen Jugendlichen aus Dietikon per Strafbefehl wegen Nötigung verurteilt, wie die Schweiz am Wochenende berichtet. Eine weibliche Jugendliche, ebenfalls aus Dietikon, wurde wegen versuchter Drohung und Beschimpfung bestraft. Beide müssen eine persönliche Leistung erbringen, etwa einen gemeinnützigen Arbeitseinsatz. Die Ermittler sahen zwischen dem Mobbing und dem Suizid keinen Zusammenhang. 

Psychologe Thomas Spielmann beurteilt diese Sanktion kritisch. Sie bringe die Jugendlichen nicht zu einem Umdenken. Er fordert Strafen, welche die Täter tatsächlich träfen, wie er gegenüber dem Regionalsender Tele M1 sagt: "Es bräuchte zum Beispiel ein dreijähriges Verbot, ins öffentliche Netz zu gehen oder Facebook und andere Soziale Medien zu brauchen." Auch Raser erwische man nur, wenn man ihnen das Tatwerkzeug wegnehme.

Célines Mutter Nadya Pfister will bald eine politische Kampagne zum Thema Cybermobbing starten. Aus diesem Grund ist sie jetzt an die Öffentlichkeit gegangen. Ausserdem fordert sie, dass die Politik aktiv wird: "Als das Jugendstrafrecht geschrieben wurde, gab es Cybermobbing noch nicht. Deshalb braucht es dafür einen neuen Straftatbestand."

Der Aargauer Jurist und GLP-Nationalrat Beat Flach ist dagegen, Mobbing ins Strafrecht aufzunehmen, wie er zu "Tele M1" sagt. Mobbing habe es immer schon gegeben. Anders sei heute bloss, dass in den Sozialen Medien auch Fremde auf ein Opfer eindreschen würden. Flach erinnert sich an einen Fall aus seiner Jugendzeit. Ein Junge nahm sich mutmasslich das Leben, weil er gemobbt worden war. Heute fragt sich Flach wegen Célines Suizid wieder, ob der Fall damals zu verhindern gewesen wäre: "Hätten wir Kolleginnen und Kollegen nicht etwas machen können?"

Sinnvoller als einen neuen Straftatbestand fände Flach bessere Prävention an Schulen – damit es erst gar nicht zur bösartigen Ausgrenzung kommt. 

(mwa)

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