Claudia Witschi
Claudia Witschi ist die strahlende Siegerin

Jetzt gibts keine Zweifel mehr: Die gestrige Wahl im Stedtli ist in der Tat historisch. Knapp die Hälfte der Wählerinnen und Wähler gingen zur Urne. Fast zwei Drittel von ihnen wollen eine Frau an der Spitze der Gemeinde.

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Geschafft

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Grenchner Tagblatt

Jürg Amsler

Jubelstimmung gestern am frühen Nachmittag im «Ochsen» in Büren bei den Genossinnen und Genossen sowie ihren Sympathisanten. Mitten unter ihnen eine strahlende Claudia Witschi. Sie ist mit einem erneuten Glanzresultat zur ersten Gemeindepräsidentin des Aarestedtlis gewählt worden: «Ich bin stolz und freue mich, dass ich als erste Frau überhaupt ins höchste Gemeindeamt gewählt worden bin. Das Resultat zeigt mir, dass ich von einem Grossteil der Bevölkerung getragen werde. Ich bin bereit, die Herausforderung anzunehmen und versichere meinen Wählerinnen und Wählern: Ich werde jene Person bleiben, die sie mit ihrer Stimme unterstützt haben.»

Der grosse Vorsprung auf ihren Herausforderer Matthias Widmer (SVP) sei ein Zeichen dafür, dass Bürer und Bürerinnen ihre politische Erfahrung höher gewertet hätten als die Parteizugehörigkeit. «Es hat sich einmal mehr bestätigt, dass Majorzwahlen Persönlichkeitswahlen sind.» Claudia Witschi ist zu lange im Geschäft, um den deutlichen Wahlsieg trotz aller Freude nicht ins richtige Licht zu rücken: «Mir ist bewusst, dass ich im bürgerlich dominierten Gemeinderat der Minderheit angehöre. Ich will aber weiterhin versuchen, dass Sachpolitik im Vordergrund steht. «Ich hoffe, dass am bisher guten Kollegialprinzip festgehalten wird.»

Das Offizielle Wahlergebnis

Zahl der Wahlberechtigten: 2235
Eingelangte Ausweiskarten: 1028
Wahlbeteiligung: 46 %
Eingelangte Wahlzettel: 1027
Leer: 2
Ungültig: 5
Gültige Wahlzettel: 1020
Absolutes Mehr: 511
Gewählt ist mit 669 Stimmen: Claudia
Witschi-Herrmann (SP)
Weitere Stimmen hat erhalten: Matthias Widmer (SVP), 351 Stimmen

SP-Parteipräsident Rudolf Käser weiss, dass die SP ein riskantes Spiel gespielt hat, ist aber überzeugt: «Claudia Witschi hätte auch jeden anderen bürgerlichen Kandidaten geschlagen.» Der Wahlkampf sei darum ganz auf ihre Person und nicht auf die Partei ausgerichtet worden - und es hat geklappt. Therese Anneler, Präsidentin des Forums, freut sich riesig und kommentiert kurz und bündig: «Das ist schlicht genial.»

Wählerwillen akzeptieren

«Ich gratuliere Claudia Witschi zu ihrem Wahlsieg. Mit meinem Resultat bin ich mehr als zufrieden, konnte ich doch die Stimmenzahl gegenüber den Gemeinderatswahlen fast verdoppeln. Die Wahlchancen waren schwer abschätzbar. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass es gut war, mit dem Handicap des Neulings als Herausforderer zu dieser Wahl anzutreten. Ich werte mein Abschneiden nicht als Niederlage oder gar Misserfolg.» Matthias Widmer, der unterlegene Gegenkandidat, akzeptiert, was fast zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler auf die Wahlzettel geschrieben haben.

Das will auch SVP-Präsident Dieter Herrmann. Er ist nach dem gestrigen Wahlgang nach wie vor der Auffassung, dass es richtig war, «dieses Amt nicht kampflos zu vergeben. Das sind wir der Wählerschaft schuldig geblieben.» Dass diese nun sehr deutlich entschieden habe, müsse das bürgerliche Lager akzeptieren. Auch für Herrmann ist klar, «dass nicht die Partei, sondern die Person gewählt worden ist.» Er sieht keinen Grund, «jetzt die Köpfe hängen zu lassen.» Und Grabesstimmung will er im «Baselstab» nicht aufkommen lassen. Denn die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat bleibe unangetastet.