Gesundheit

Chronisch kranke Schweiz: Bewegung ist Therapie und Schutz zugleich

Fahren die Eltern nämlich selbst mit dem Velo zur Arbeit, so ist es wahrscheinlicher, dass auch ihre Kinder auf aktive Mobilität setzen, da sie diesen Lebensstil vorgelebt bekommen.(Symbolbild)

Fahren die Eltern nämlich selbst mit dem Velo zur Arbeit, so ist es wahrscheinlicher, dass auch ihre Kinder auf aktive Mobilität setzen, da sie diesen Lebensstil vorgelebt bekommen.(Symbolbild)

Wer aktiv ist, lebt länger und bleibt gesund. Damit sich die Schweizer Bevölkerung mehr bewegt, ist die Politik gefragt.

Die meisten sechs- bis zehnjährigen Kinder legen ihren Schulweg zu Fuss zurück. Deutlich weniger nehmen dafür das Velo oder nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. In ihrer Freizeit werden sie meist von ihren Eltern mit dem Auto herumchauffiert.

Wie die Kinder ihren Schulweg zurücklegen, hängt von den Eltern ab. Die Vorbildfunktion der Erziehungsberechtigten darf nicht unterschätzt werden: Fahren die Eltern nämlich selbst mit dem Velo zur Arbeit, so ist es wahrscheinlicher, dass auch ihre Kinder auf aktive Mobilität setzen, da sie diesen Lebensstil vorgelebt bekommen.

Erfreulicherweise ist zwischen 2002 und 2012 die körperliche Aktivität sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gestiegen. Trotzdem bewegen sich rund 30 Prozent der Bevölkerung noch immer zu wenig. Das Bundesamt für Sport (Baspo) empfiehlt mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche, woran sich ein Grossteil der Bevölkerung hält.

Wer regelmässig mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs ist, ist etwa eine Stunde pro Tag aktiv und bewegt sich somit ausreichend. Die meisten Schweizer mittleren Alters legen ihren Arbeitsweg jedoch mit dem Auto zurück. Ältere Personen sind hingegen öfters zu Fuss unterwegs und der öffentliche Verkehr wird bevorzugt von den Jugendlichen genutzt.

Psyche durch Bewegung stärken

Während Bewegung uns länger leben lässt und gut für unseren Gesundheitszustand ist, hat sie auch eine vorbeugende Wirkung: «Sich bewegen ist das Präventivste, das man machen kann», sagt Ilona Kickbusch, Mitherausgeberin des Nationalen Gesundheitsberichts 2015 und Soziologin der Careum-Stiftung.

Denn körperliche Betätigung bietet Schutz vor verschiedenen chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Parkinson und sorgt zudem für ein besseres Wohlbefinden. Diese positiven Effekte können laut dem Gesundheitsbericht sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene beobachtet werden. So könne beispielsweise eine beginnende Depression durch sportliche Betätigung verhindert werden.

Neben der schützenden Wirkung hilft Bewegung also auch bereits erkrankten Menschen: Wer sich aktiv betätigt, fühlt sich wohler und kann seine Lebensqualität steigern. «Manchmal ist Bewegung besser als Medikation», erklärt die Soziologin Kickbusch. Und deshalb soll sich die Schweizer Bevölkerung mehr bewegen. Der Gesundheitsbericht stellt unerwartet klare Forderungen auch an die Verkehrspolitik: Durch Investitionen in Velowege würde nicht nur die Attraktivität, sondern auch die Sicherheit erhöht werden.

Zudem seien die Gemeinden und Kantone bei der Raum- und Verkehrsplanung gefragt: Diese schafften nämlich die langfristigen Rahmenbedingungen für mehr aktive Mobilität. Dazu gehören die Beruhigung des Verkehrs, autofreie Zonen und Verbesserung der Fussgängerwege. Doch auch das Individuum kann einen Beitrag leisten: So sei es zentral, dass alle lernen, wie man sich sicher zu Fuss und mit dem Velo bewegt. Damit würde auch das Risiko eines Verkehrsunfalls geringer.

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