Assura

«Chronisch Kranke haben keine andere Wahl, als Kasse zu wechseln»

Assura-Hauptsitz in Pully (Archiv).

Assura-Hauptsitz in Pully (Archiv).

Billig-Krankenkassen wie Assura, Intras und Maxi mobben Versicherte mit hohen Arztrechnungen.  Die Rückzahlung von hohen Rechnungen erfolgt meist erst Monate später – weil es keine gesetzliche Frist gibt.

Ob eine Krankenkasse die Kosten für die Arztleistung vorschiesst –  also nach «Tiers payant» handelt – hängt davon ab, ob es sich um eine Spitalabrechnung handelt oder ob die Kasse einen Tarifvertrag mit den Apothekern eingegangen ist. Beim gegenteiligen Prinzip – dem «Tiers garant» – bezahlen die Versicherten zuerst selber die Rechnung und fordern danach das Geld von der Krankenkasse zurück. «Die Abrechnungsmethoden der Krankenversicherer sind nicht betragsabhängig», sagt Grüne-Nationalrätin Yvonne Gilli.

Die Diagnose heisst „Mobbing“

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Hepatitis C, Stoffwechselkrankheiten, wie Schilddrüsenober- und unterfunktionen oder Krebskrankheiten sind die monatlichen Kosten für Medikamente sehr hoch. GLP-Nationalrätin Margrit Kessler sagt: «Die Behandlung von Brustkrebs kann monatlich bis zu 6000 Franken kosten. Wenn sie dann drei Monate auf die Rückzahlung warten müssen – haben sie Kosten von fast 20'000 Franken ausstehend. Einen solchen Vorschuss können sich die wenigsten leisten.»

Sind Brustkrebs-Patienten bei einer Krankenkasse wie der Assura versichert, kommen sie unter hohen Kostendruck oder aber den Zwang, die Krankenkasse zu wechseln. Aber auch Versicherer wie Intras und Maxi haben keinen Tarifvertrag mit den Apothekern unterzeichnet. Sie wenden nach wie vor das Prinzip «tiers garant» an: der Versicherte muss zuerst die Rechnung bezahlen und dann das Geld bei seiner Krankenkasse einfordern – Rückzahlung mit Wartezeit unbestimmt. Diagnose: Mobbing.

Nicht alle im gleichen Topf

Das Zauberwort aber heisst Patientenfreundlichkeit. Silvia Weigel, Medienverantwortliche vom Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse sagt: «Das Prinzip Tiers payant wird im Tarifvertrag zwischen Krankenversicherern und Apothekern geregelt.» Die Abrechnungen nach diesem Verfahren bedeuten für den Apotheker mehr Aufwand, sei aber patientenfreundlicher. Nach diesem Verfahren handeln denn auch die meisten Krankenkassen in der Schweiz.

Weigel sagt: «Das Prinzip Tiers garant ist eine klare Risikoselektion. Patienten, die an einer chronischen Krankheit leiden und hohe monatliche Behandlungskosten haben, haben kaum eine andere Wahl als zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln.» Für den Pharmasuisse ist der Finanzierungsvorschuss für Patienten ein grosses Anliegen – auch in Zukunft.

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