Universität Zürich
Christoph Mörgelis Netz reicht bis ins Rektorat

Nützten dem SVP-Nationalrat Parteibeziehungen, damit Kritik an seiner Arbeit unter dem Deckel blieb? Wie die Universität selber auf ihrer Homepage schreibt, ist der Generalsekretär «die rechte Hand des Rektors».

Michael Rüegg
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Zwischen Vertretern der Universität Zürich und Christoph Mörgeli hat am Dienstag im Gebäude des Medizinhistorischen Museums ein Treffen stattgefunden. Dies bestätigt der Medienbeauftragte der Universität, Beat Müller. Am selben Tag waren Auszüge aus einem Bericht veröffentlicht worden, der Mörgeli in seiner Rolle als Konservator des Museums und Dozent scharf kritisiert.

Beim Gespräch zwischen Mörgeli und der Universitätsleitung war jedoch weder Rektor Andreas Fischer noch einer der drei Prorektoren zugegen - sie alle sollen im Ausland weilen. Es war der Stellvertreter des Rektors, der sich mit Mörgeli im Gebäude des Instituts zu einer Unterredung getroffen hatte: Generalsekretär Kurt Reimann. Ebenfalls mit dabei waren je ein Vertreter des Rechtsdienstes und der Kommunikationsstelle der Uni.

Die halbe Familie im Bundeshaus

Reimann ist Aktuar der universitären Gremien - also auch der fünfköpfigen Universitätsleitung - und für die Koordination des Qualitätsmanagements zuständig. Wie die Universität selber auf ihrer Homepage schreibt, ist der Generalsekretär «die rechte Hand des Rektors».

Doch Reimann ist auch der Bruder des Aargauer Nationalrats Maximilian Reimann und Vater des St. Galler Nationalrats Lukas Reimann - beide wie Mörgeli Mitglieder der SVP-Fraktion. Sohn Lukas sitzt zudem gemeinsam mit Mörgeli im Vorstand der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns).

«Aktuelle Situation besprochen»

Worum es beim Gespräch zwischen dem Museumsleiter und den Uni-Vertretern ging, wollte Mörgeli auf Anfrage gestern nicht sagen. Laut Müller wurde «die aktuelle Situation besprochen». Das Gespräch sei vertraulich gewesen, sagt er.

Von einem parteipolitischen Zusammenhang zwischen Reimann und Mörgeli will Müller nichts wissen: «Herr Reimann hat Herrn Mörgeli nicht alleine getroffen.» Und: «Es gibt keinen familiären oder politischen Hintergrund für diese Gespräche», so Müller.

Trotzdem: Dass nun vonseiten der Universität mit der Person von Generalsekretär Reimann ausgerechnet der Vater respektive Bruder zweier von Mörgelis Fraktionskollegen das Gespräch mit dem Museumsleiter suchte, wirkt nicht eben vertrauensbildend. Zumal der Vorwurf im Raum steht, die Universitätsleitung stelle sich schützend vor Mörgeli.

Nachdem die Universität am Dienstag zu den veröffentlichten Passagen des Jahresberichts 2011 schwieg, verschickte sie gestern Nachmittag eine Stellungnahme. Darin bestätigt sie die Darstellung der Medienberichte, dass externe Experten im September 2011 einen Bericht über die Objektsammlung des Museums verfasst hatten und darin zum Schluss kamen, es bestehe «Handlungsbedarf».

«Die Universität prüft zusammen mit dem Medizinhistorischen Institut und Museum, ob die Objektsammlung den heutigen Anforderungen an eine wissenschaftliche Infrastruktur genügt», schreibt die Universität weiter. Wer die Überprüfung durch externe Experten in Auftrag gegeben hat, möchte deren Sprecher Müller jedoch nicht sagen. Zur Kritik an Mörgeli will die Uni «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Auskunft geben».

«Persönlichkeitsrechte tangiert»

Die Universitätsleitung wollte während der vergangenen Monate unbedingt verhindern, dass der Mörgeli-kritische Jahresbericht 2011 des Medizinhistorischen Instituts öffentlich wird. Dafür ignorierte sie unter anderem auch ein offizielles Gesuch um Informationszugang, welches diese Zeitung im Juli eingereicht hatte.

Um die gesetzliche Pflicht zur Herausgabe zu umgehen, bezeichnete die Universität den fertigen Bericht im Nachhinein als «Entwurf». Müller rechtfertigt die Geheimhaltung des Berichts damit, dass darin «Persönlichkeitsrechte eines Mitarbeiters tangiert werden». Auf die Frage, weshalb eine Bereinigung dieser Passagen sechs Monate in Anspruch nehmen würde, sagt Müller: «Es dauert in diesem Falle eben so lange.»