Rücktritt

Christoph Blocher wird sich auch diesmal nicht von der Politik verabschieden

Der abtretende Vize und der designierte Präsident der SVP: Christoph Blocher (links) und Albert Rösti. (Archiv)

Der abtretende Vize und der designierte Präsident der SVP: Christoph Blocher (links) und Albert Rösti. (Archiv)

Der Einfluss von SVP-Übervater Christoph Blocher auf die Strategie der Partei wird auch nach seinem Scheiden aus dem Amt des Vize-Chefs weiterhin gross sein, sagt Politikwissenschaftler Andreas Ladner.

Mit dem designierten Präsidenten Albert Rösti und Fraktionschef Adrian Amstutz stehen künftig zwei Berner an der SVP-Spitze. Steigt damit der Einfluss des Berner Flügels, der als etatistisch gilt? 

Andreas Ladner*: Albert Rösti und Adrian Amstutz zählten nie wirklich zum Berner Flügel. Und überhaupt: Seit der Abspaltung der BDP im Kanton Bern existiert dieser Flügel gar nicht mehr. Die SVP ist geeint, im Kern vertreten alle dieselbe Linie.

Wie wird sich der Kurs der SVP unter einem Präsidenten Albert Rösti verändern?

Es ist nicht davon auszugehen, dass es zu einer grossen Kursänderung kommt. Die Partei war erfolgreich in den vergangenen Jahren. Ob Toni Brunner oder Albert Rösti: Die Positionen der SVP können beide gleichermassen vertreten. Beide gelten als umgänglich, beide geben der Partei ein freundliches Gesicht.

Mit welchen Herausforderungen wird sich Albert Rösti befassen müssen?

Erstens wird Rösti eine Partei führen, die mit ihrem zweiten Bundesratssitz volleingebunden ist in die Regierungsverantwortung. Da erwartet man konziliantere Töne. Zweitens gibt es frische Köpfe in der SVP, die Zürcher Nationalräte Roger Köppel und Hans-Ueli Vogt etwa. Diese sorgen für neue Themen, wollen aber auch mitreden.

Und im Hintergrund behält Doyen Christoph Blocher die Fäden in der Hand.

Der Einfluss von Christoph Blocher bleibt. Bei den grossen Themen, etwa der Europapolitik, bestimmt er die Stossrichtung der Partei. Er arbeitet an der Strategie, wird aber auch künftig nicht jeden Personalentscheid oder jede Stellungnahme absegnen. Man sagt gern, Blocher halte die Fäden in der Hand. Trotzdem lässt sich nicht jeder wie eine Marionette steuern. Eine Partei ist ein grosses Gebilde.

Die Parteileitung stellt die Basis mit ihrer Empfehlung für Rösti vor vollendete Tatsachen. Wird diese Strategie aufgehen?

Es ist gar nicht so unklug, dass die Parteileitung gleich einen Favoriten benennt. Sie sorgt damit dafür, dass die Partei auf dem eingeschlagenen Kurs bleibt und verkauft das auch so.

Auch FDP und CVP suchen einen neuen Präsidenten. Was bedeuten die bürgerlichen Vakanzen für die Schweizer Politik?

Jede Partei sucht ihren neuen Chef unter anderen Voraussetzungen. Bei der SVP geht es aber nicht um eine Richtungswahl, nicht um links oder rechts. Was der SVP entgegenkommen könnte: Schafft es Christian Wasserfallen an die Spitze der FDP und Gerhard Pfister an jene der CVP, rücken zumindest deren Führungsspitzen nach rechts.

 *Andreas Ladner (57) ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Lausanne. Er forscht unter anderem zur Parteipolitik in der Schweiz.

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