TalkTäglich
Christoph Blocher: «Wenn es notwendig ist, sollte Magdalena in den Bundesrat»

Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher ist neu im Parteileitungsausschuss der SVP – und tritt somit in die Fussstapfen ihres Vaters, alt Bundesrat Christoph Blocher. Im «TalkTäglich» verrät er, was seine Tochter besser kann als und weshalb sie in den Bundesrat sollte.

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Die Nachricht schlug hohe Wellen: alt Bundesrat Christoph Blocher gab neben alt Nationalrat Walter Frey und Oskar Freysinger den Rücktritt aus dem Parteileitungsausschuss der SVP Schweiz bekannt; an ihre Stelle tritt unter anderem Blochers Tochter Nationalrätin Magdalena Martullo Blocher. Das Gremium ist für die Finanzierung und Umsetzung von Kampagnen verantwortlich und vertritt die SVP nach Aussen.

Die neue SVP-Führung Albert Rösti, Parteipräsident, Uetendorf (BE)
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Die neue SVP-Führung Céline Amaudruz, Vizepräsidentin, Genf (GE)
Die neue SVP-Führung Marco Chiesa, neu Vizepräsident, Lugano (TI)
Die neue SVP-Führung Magdalena Martullo-Blocher, neu Vizepräsidentin, Meilen (ZH)
Die neue SVP-Führung Adrian Amstutz, Parteileitung, Sigriswil (BE)
Die neue SVP-Führung Marcel Dettling, Parteileitung, Oberiberg (SZ)
Die neue SVP-Führung Thomas Matter, Parteileitung, Meilen (ZH)
Die neue SVP-Führung Sandra Sollberger, Parteileitung, Bubendorf (BL)

Die neue SVP-Führung Albert Rösti, Parteipräsident, Uetendorf (BE)

AZ

Im «TalkTäglich» verrät Christoph Blocher, dass nicht er seine Tochter zu diesem Schritt überredet habe, sondern der ehemalige Parteipräsident und Nationalrat Toni Brunner. «Er hat sie schon dazu gebracht, sich für den Nationalrat aufstellen zu lassen», verrät Blocher Moderator Markus Gilli.

Er selbst habe sich bewusst zurückgehalten, obwohl er ihre Qualitäten sehe. «Sie ist sehr tüchtig und eine unabhängige Unternehmerin», sagt Blocher. Auf die Frage, was sie denn weniger gut könne, antwortet er: Sie sei manchmal etwas ungeduldig, vielleicht etwas rasch und bestimmt. «Sie sagte einmal einem Journalisten, sie könne besser am Computer 'herumtöggele'», verrät Blocher und lacht.

Familie Blocher: Mutter Silvia, Markus, Miriam, Rahel, Vater Christoph und Magdalena (Im Uhrzeigersinn).
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Christoph Blocher: Unternehmer, alt Bundesrat, SVP-Vordenker, Populist Christoph Blocher – geboren am 11. Oktober 1940 in Schaffhausen – ist eines von elf Kindern der Pfarrersfamilie Wolfram und Ida Blocher.
Silvia Blocher (*1945) Mit der geborenen Silvia Kaiser hat Christoph Blocher vier Kinder: die Töchter Magdalena, Miriam und Rahel sowie Sohn Markus. Blochers wohnen in Herrliberg und auf Schloss Rhäzüns.
2003 Christoph und Silvia Blocher freuen sich über den Wahlsieg der SVP. Im selben Jahr wird er Bundesrat (bis 2007).
Tochter Magdalena Blocher (*1969) Sie leitet die Ems-Chemie (seit 2002) und sitzt für die SVP Graubünden im Nationalrat (seit 2015).
Tochter Miriam Blocher (*1975) Miriam Blocher ist seit 2007 alleinige Chefin des Baselbieter Läckerli-Huus.
Tochter Rahel Blocher (*1977) Um Rahel Blocher ist es relativ still. Doch sie ist in das Firmengeflecht und die Geschäfte der Familie involviert.
Sohn Markus Blocher (*1972) Markus Blocher ist Chef, Präsident und Mehrheitsaktionär der Feinchemikalienfirma in Dottikon AG.
Bruder Gerhard Blocher (1934 bis 2016) war Pfarrer. Schweizweit bekannt wurde er wegen kritischen Äusserungen: Die Gegner seines Bruders Christoph ging er am TV wiederholt verbal an.
Bekannt ist auch Christoph Blochers Schwester Judith Giovannelli-Blocher Die Sozialarbeiterin und Buchautorin lebt in Bonstetten ZH. Politisch am linken Spektrum angesiedelt, kritisierte Judith ihren Bruder wiederholt. Auch während der Verschärfung des Asylrechts 2006. Bekannt ist auch die verstorbene Schwester Sophie Blocher (1935 bis 2002), die Pfarrerin in Basel und auch in der Basler Mission tätig war.
Nach einer politischen Veranstaltung nimmt am 25. September 1992 der Redner und Nationalrat Christoph Blocher die Gratulationen seiner Mutter Ida Blocher entgegen.

Familie Blocher: Mutter Silvia, Markus, Miriam, Rahel, Vater Christoph und Magdalena (Im Uhrzeigersinn).

Marc Wetli - 13 Photo

Dann kommt der alt Bundesrat auf die EWR-Abstimmung vom 6. Dezember 1992 zu sprechen. Blocher prägte den Abstimmungskampf und war schliesslich erfolgreich, als das Volk den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum ablehnte. «Die Schweiz hatte 1992 den Mut, gegen das ganze Establishment, gegen die ganze Classe Politique zu sagen: Wir bleiben ein unabhängiges, direkt demokratisches Land.» Auch jetzt seien die Schweiz und ihre direkte Demokratie gefährdet.

Mit seinem Rücktritt aus der Parteispitze will sich Blocher für den Kampf gegen das Rahmenabkommen mit der EU stärken, wie er gegenüber der AZ Aargauer Zeitung vor wenigen Tagen erklärte.

Magdalena Martullo in den Bundesrat?

Gegenüber Gilli hält Blocher fest: «Ich trete nicht zurück aus der Politik, nur aus der Parteileitung der SVP.» Die er übrigens nie präsidierte. «Obwohl dies immer behauptet wird», sagt Blocher. «Ich war nur ein kleiner, Zürcher Parteipräsident.» Und er fügt an: «Bundesrat wollte ich nie werden. Aber als der Moment kam und es hiess, ich müsse gehen, ging ich.»

Nach einer politischen Veranstaltung nimmt am 25. September 1992 der Redner und Nationalrat Christoph Blocher die Gratulationen seiner Mutter Ida Blocher entgegen.
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1969 schloss er sein Studium in Rechtswissenschaften mit dem Lizenziat ab. Im selben Jahr trat er in die Rechtsabteilung der Ems-Chemie AG ein. Bereits als Student war Blocher politisch aktiv. Er gründete die bürgerliche Studentengruppe "Studentenring" an der Universität Zürich mit.
1971 ging die SVP aus der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) und der Demokratischen Partei (DP) der Kanton Graubünden und Glarus hervor. Als ursprünglich rechtsbürgerlich-konservative Partei wandelte sie sich ab den 1980er Jahren unter der inffoziellen Führung Blochers in eine rechtspopulistische Volkspartei. Blocher wurde 1979 in den Nationalrat gewählt. 1987 kandidierte er auch für den Ständerat, scheiterte jedoch an seiner Mitbewerberin Monika Weber. (LdU)
Im Dezember 1980 steht Blocher (im Bild mit seiner Frau Silvia) wegen Veruntreuung vor dem Zürcher Obergericht. Dem Chef der EMS-Chemie wird vorgeworfen, Aktien, die nicht in seinem Besitz waren, verkauft zu haben.
1986 gründete Blocher die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS) mit und präsidierte sie bis 2003. Die AUNS ging aus dem Aktionskomitee gegen den UNO-Beitritt hervor. Stellungnahme des Aktionskommittees gegen den UNO-Beitritt der Schweiz mit Otto Fischer, Hubert Reymond und Christoph Blocher, von links nach rechts, an einer Pressekonferenz im Februar 1986 in Bern.
Aufwärtstrend bei der SVP: Ab Mitte der 1980er Jahre gewann die Partei zunehmend an Wählerstimmen.
Die beiden Nationalräte Moritz Leuenberger (SP) und Christoph Blocher im Gespräch 1990. Jahre später sollten die beiden gemeinsam im Bundesrat sitzen.
Blocher mit seiner Frau Silvia und Parteikollege Ueli Maurer während der Nationalratswahlen 1995. Maurer wurde 1991 in den Nationalrat gewählt.
1992 stellte sich die SVP als einzige Regierungspartei gegen einen Schweizer Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Mit einer knappen Mehrheit gewannen sie die Abstimmung. Für Blocher ein enormer Prestigesieg.
Blocher stand 1537 Tage im Dienst der Schweizer Armee. Zuletzt stand er als Oberst dem Luftschutz-Regiment 41 vor. 1992 übergab er das Kommando an seinen Nachfolger.
Bei den Parlamentswahlen 1999 erreichte die SVP im Nationalrat einen Erdrutschsieg: Die Partei gewann 15 Sitze und wurde von der viertgrössten zur stärkten Partei.
Jubel bei der SVP: Blocher schafft 2003 die Wahl in den Bundesrat. Mit der Wahl erhielt die SVP erstmals einen zweiten Bundesratssitz und sprengte die so genannte Zauberformel. Doch Blochers Amtsführung sorgte zunehmend für Unmut: Wiederholt verletzte er das Kollegialitätsprinzip und mischte sich immer wieder in die Geschäfte der übrigen Bundesräte ein.
Knall bei den Bundesratswahlen 2007: Blocher wird nicht wiedergewählt. Stattdessen zieht Sprengkandidatin Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat ein.
«So scheide ich hier aus dieser Regierung aus, aber nicht aus der Politik», sagte Blocher nach der Abwahl in seiner Rede vor der Bundesversammlung.
Durch den Rücktritt von Samuel Schmid wurde 2008 ein Bundesratssitz frei; die SVP-Fraktion nominiert Blocher nochmals als Kandidaten – ohne Erfolg.
Bei den Parlamentswahlen 2011 bewarb sich Blocher im Kanton Zürich um einen Sitz im Ständerat wie auch im Nationalrat. Er wird in den Nationalrat gewählt, den Ständeratssitz verpasst er jedoch. Im Bild mit Christoph Mörgeli und Natalie Rickli.
2014 hat Blocher genug. Auf seinem Internetportal "teleblocher" gibt er seinen Rücktritt aus dem Nationalrat bekannt.

Nach einer politischen Veranstaltung nimmt am 25. September 1992 der Redner und Nationalrat Christoph Blocher die Gratulationen seiner Mutter Ida Blocher entgegen.

Keystone

Seine Abwahl aus dem Bundesrat bezeichnete Blocher einmal als «den bittersten Moment». Ob er dieses Schicksal auch seiner Tochter aufbürden könne, will Gilli wissen. «Wenn es notwendig ist, muss sie das machen. Wir müssen doch schauen, dass es der Schweiz gut geht, dass sie nicht in die EU reinrutscht», echauffiert sich Blocher und wirft die Hände in die Luft. Das könne nur jemand machen, der unabhänig ist, jemand wie seine Tochter. (sga)

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