Ständeratswahlen

Christoph Blocher soll im Nationalrat der «Oppositionsführer» sein

Christoph Blocher.

Christoph Blocher.

Christoph Blochers Chancen auf einen Sitz im Ständerat sind überschaubar. Der Alt-Bundesrat wird sich wohl mit dem Nationalratsmandat begnügen müssen. Doch kann er das wirklich wollen?

Christoph Blocher kann nicht aufgeben. Wie er gestern an einer Medienkonferenz in Zürich sagte, tritt er auch im zweiten Wahlgang um die Zürcher Ständeratsvertretung an. Seine Chancen sind gering, wie er zugab, «weil wir von allen anderen Parteien ausgegrenzt werden». So ist es höchstwahrscheinlich, dass der Alt-Bundesrat die nächsten vier Jahre ein gewöhnlicher Nationalrat sein wird. Derart zurückgestuft sieht das Ende – Blocher ist immerhin 71 Jahre alt – einer so grossen Karriere selten aus.

Die Kürze liegt ihm nicht

Der Übervater, der die SVP der heutigen Prägung aus dem Nichts geschaffen und ihren Wähleranteil annähernd verdreifacht hat, dieser fast schon missionarische Politikbesessene, soll sich an die knapp bemessene Redezeit in der grossen Kammer halten? Dass ihm die Würze, die in der Kürze liegt, nicht schmeckt, weiss, wer ihn einmal hat reden hören. Kann er, intellektuell beschlagen, schlagfertig und streitlustig, sich vorstellen, vom Ratspräsidenten wegen epischer Wortmeldungen zur Ordnung gerufen zu werden? Ab dem Dezember wird dies sein Parteikollege Hansjörg Walter sein, im Jahr darauf die grüne Maya Graf.

Will sich Christoph Blocher wirklich fügen in den grossen Reigen von 200 Nationalräten? In einer herausgehobenen Funktion, etwa als Fraktionschef, sieht ihn kaum jemand in der eigenen Partei. Es brauche dort einen Generationenwechsel – «und der sollte die nächste, nicht die vorhergehende Generation ans Ruder bringen», sagt Fraktionsvize Hansruedi Wandfluh. Der Berner sieht den Alt-Bundesrat eher als «Götti», der der Fraktion beratend zur Seite steht.

Laut Blochers Vertrautem Christoph Mörgeli will dieser ohnehin «die grossen politischen Linien im Auge behalten. Fraktionschef zu sein, bedeutet hingegen viel Kleinarbeit.» Blocher soll, geht es nach Mörgeli, «Oppositionsführer» bleiben. «Mitte-Links kann sich schon mal warm anziehen», prophezeit er.

«Denke nicht ans Ende der Arbeit»

Das läuft auf vier Jahre Poltern hinaus – das ist zumindest eine Rolle, die Blocher beherrscht. Polterer bleiben im Parlament jedoch meist wirkungslos. Als Brückenbauer, der Mehrheiten schaffen kann, würde Blocher kaum Partner finden. Immerhin hat ihn ein grosser Teil seiner künftigen Ratskollegen 2007 als Bundesrat abgewählt.

Die Hoffnung, dass er sich vorzeitig aus dem Parlament verabschiedet, können die Freigeister in der Fraktion übrigens begraben. Blocher will vier Jahre im Nationalrat bleiben: «Ich denke nicht ans Ende der Arbeit, bevor ich damit angefangen habe.»

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