Für Blocher ist klar: «Man darf grundsätzlich nie Lösegeld zahlen.» Aber in früheren Fällen, bei denen Geiseln freikamen, «hat dann irgendein anderer trotzdem gezahlt», weiss der frühere Justizminister. Und er ergänzt: «ABB könnte vielleicht etwas machen, es sind ja ihre Leute. Sie müsste etwas machen.» Eine der beiden Geiseln, Max Göldi, ist Länderverantwortlicher für ABB in Libyen. Blochers Aussage in einer Teleblocher-Sendung bekommt Gewicht, denn am Freitag berichtete die Westschweizer Zeitung «La Liberté», dass Libyen 25 Millionen Franken für jede Geisel verlange. Das Aussendepartement EDA nimmt dazu keine Stellung. Ist es für ABB denkbar, Lösegeld zu zahlen? Überraschenderweise lautet die Antwort nicht «Nein». Konzernsprecher Wolfram Eberhardt sagt, das sei zurzeit eine «hypothetische Frage»: «Wir beschäftigen uns damit, wenn es als Thema an uns herangetragen ist.» Vonseiten des EDA ist der ABB offenbar nicht bekannt, dass Libyen Lösegeld fordere. Dass der Schweizer Staat Lösegeld bezahlt, ist für Politiker von links bis rechts ausgeschlossen. «Das kommt nicht infrage», sagt Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen. «Das würde die Bevölkerung nicht verstehen», stimmt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli zu, Mitglied der aussenpolitischen Kommission (APK).