Calmy-Rey-Nachfolge

Christian Levrat: «Kein Kuhhandel mit anderen Parteien»

SP-Präsident Levrat nimmt Stellung zur Nachfolge von Micheline Calmy-Rey. (Archiv)

SP-Präsident Levrat nimmt Stellung zur Nachfolge von Micheline Calmy-Rey. (Archiv)

Der SP-Präsident Christian Levrat nimmt Stellung zu einer möglichen Absprache mit der SVP um den zweiten Sitz im Bundesrat für seine Partei zu retten. Er selbst will im Herbst nicht für den Bundesrat kandidieren.

Herr, Levrat, mit ihrem Rücktritt macht Ihnen Bundespräsidentin Calmy-Rey das perfekte Wahlkampfgeschenk.

Christian Levrat: Es gibt uns die Gelegenheit zu zeigen, wieso die SP für alle und nicht nur für ein paar wenige die bessere Politik macht. Und es schafft Transparenz: Es erlaubt dem Bürger, sich ein Urteil darüber zu bilden, wie wichtig die SP im Bundesrat ist.

Die SVP hat die SP bereits aufgefordert, Farbe zu bekennen: Wird die SP bei den Bundesratswahlen einen zweiten SVP-Kandidaten wählen oder Widmer-Schlumpf unterstützen?

Grundsätzlich haben die drei grössten Parteien Anspruch auf zwei Sitze, somit auch die SVP. Bei uns ist aber die Hürde, eine bisherige Bundesrätin abzuwählen, sehr hoch. Diese Entscheidung werden wir erst nach den Wahlen im Oktober fällen. Bei der Entscheidungsfindung geht es aber nicht nur um formale parteipolitische Kräfteverhältnisse, sondern auch darum, wer unsere Politik inhaltlich unterstützt.

Fühlt sich die SP nicht als Geisel der SVP? Die SVP-Spitze sagt, sie würde die SP-Kandidatur nicht unterstützen, wenn die SP im Gegenzug ihren Kandidaten nicht wählt.

Mit der jetzigen Diskussion um die Frankenstärke, den Werkplatz Schweiz und die Energiepolitik ist das Entscheidende das, was das Volk bei den Wahlen im Oktober sagt. Die Leute haben erkannt, dass wir in diesen drei Bereichen die Lösungen, die das Land braucht, mitgetragen haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei den Wahlen im Oktober zulegen werden und dass es dann keinen Kuhhandel mit den anderen Parteien brauchen wird, um unseren zweiten Sitz zu sichern.

Wird die SP eine Doppelkandidatur oder nur einen Kandidaten präsentieren?

Diese Frage werden wir erst im November klären. Wir werden der Bundesversammlung eher eine Auswahl präsentieren, damit sie zwischen zwei Kandidaten entscheiden kann.

Ist es ein Nachteil, dass die Nachfolge Calmy-Reys als Letztes gewählt wird?

Es ist sicher ein erhöhtes Risiko. Ich glaube aber kaum, dass sich die Konkordanz durch die Reihenfolge der Wahlgänge bestimmen lässt.

Stellen Sie sich selbst als Bundesratskandidat zur Verfügung?

Nein. Als ich entschieden habe, das SP-Präsidium zu übernehmen, habe ich auch alle Ambitionen auf einen Bundesratssitz begraben. Meine Aufgabe ist es, die Partei in die nationalen Wahlen und die Bundesratswahlen zu führen.

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