Staats- und Parteichef Hu Jintao sprach in Peking von einer "guten Situation" im heutigen Tibet, die mühsam errungen worden sei und geschätzt werden sollte.

Die Regierung organisierte in der tibetischen Hauptstadt Lhasa offizielle Feierlichkeiten auf dem Platz vor dem Potala Palast, dem einstigen Sitz des 1959 nach Indien geflohenen Dalai Lama. 13 000 überwiegend in tibetische Trachten gekleidete Menschen sangen die chinesische Nationalhymne.

Vor dem Palast waren zahlreiche Flaggen der Volksrepublik gehisst. "Die Flagge mit den fünf Sternen wird immer über Tibet wehen", sagte der tibetische Sekretär der Kommunistischen Partei, Zhang Qingli.

Rund ein Jahr nach gewaltsamen Protesten in Tibet vermittelte die Pekinger Regierung in der minuziös geplanten Zeremonie ihre Sicht der Geschichte: Die kommunistische Herrschaft habe ein brutales Feudalsystem beendet und den Tibetern ein besseres Leben gebracht. Der Dalai Lama wurde als Separatist gebrandmarkt, der die Stabilität der Region gefährde.

Die exiltibetische Regierung im indischen Dharamsala kritisierte die Feiern als "provokativ". Die Tibeter in der Welt und besonders in dem Hochland begingen den Jahrestag als "Tag der Trauer".

Mehrere hundert Exiltibeter protestierten in Dharamsala gegen die chinesische "Unterdrückung" in ihrer Heimat und liessen Luftballons mit Botschaften der Hoffnung und Solidarität in den Himmel steigen.

Die exiltibetische Regierung beklagte, seit dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 seien mehr als 1,2 Millionen Tibeter als Folge der kommunistischen Herrschaft ums Leben gekommen. Mehr als 6000 Klöster seien zerstört worden.

Wenn die Tibeter wirklich zufrieden über die "Befreiung" wären, würden sie nicht über den Himalaya nach Indien fliehen oder ihr Leben riskieren, um gegen die chinesische Herrschaft zu protestieren, hiess es in der Erklärung.