Tunnel
Chienberg drückt auf die Kasse

Der Chienbergtunnel bereitet den Verantwortlichen des Kantons neue Sorgen. Derzeit werden Untersuchungen zum Druck von der Seite gemacht, der neu auf die Hebungszone einwirkt.

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Nicole Nars-Zimmer

Tobias Gfeller

Christian Scholer ist Leiter des Geschäftsbereichs Kantonsstrassen beim Tiefbauamt Baselland. «Schon bei der Planung des Umfahrungstunnels war bekannt, dass sich dieser in keinem einfachen Gebiet befindet», sagt er. Die Einsenkung des Rheingrabens hat sich bis in das Gebiet des basellandschaftlichen Tafeljuras bemerkbar gemacht. Dabei sind zahlreiche Brüche und Verwerfungen entstanden, welche die Gesteine gegeneinander versetzt haben.

Durch dieses Bruchschollengebirge führen Wasseradern. Der Tunnel durchquert die typischen quellhaften Juraformationen des Gipskeupers mit dem gefürchteten Anhydrit. Der Anhydrit im Gipskeuper wandelt sich zu Gips, wenn er sich mit Wasser mischt. Und dieser Gips kann unter Laborbedingungen quellen, so dass das ursprüngliche Volumen um bis zu 60 Prozent zunehmen kann. Dies ist unterhalb der Hebungszone West im Chienbergtunnel passiert (die bz berichtete). Das quellende Gestein übt einen enormen Druck auf den Beton der Hebungszone aus.

Seitlicher Druck birgt neue Probleme

Als erkannt wurde, dass die Hebungszone West zu leben beginnt, handelte man schnell. Als Bestvariante kristallisierte sich die Lösung heraus, die dank kontrollierten Zulassungen von Quellhebungen eine wesentliche Reduktion der Quelldrücke gestattet: So genannte Knautschzylinder und Gleitanker wurden installiert, ein völlig neuartiges Prinzip. Die Zylinder reichen vom Boden der Hebungszone bis unter das tragende Tunnelgewölbe.

Das ganze Gewicht des Tunnels soll auf den sich durch das Quellen hebenden Boden drücken. Die Gleitanker übernehmen den Druck aus dem Boden und können dem Namen entsprechend kontrolliert gleiten und so nachgeben. «Sie gehen einen Dehnweg ein», sagt Scholer. Das Prinzip mit den Knautschzylindern und den Gleitankern hat laut Scholer funktioniert.

Messungen erkannten neuen Druck

Neue Sorgen bereitet Scholer der hinzugekommene seitliche Druck auf die Wände der Hebungszone im Bereich des ehemaligen Tagbruches von 2002. Man hat diesen mit den Überwachungsmessungen erkannt. «Wir sind daran, dieses Zusammenwirken zwischen Fels und Tunnel in den Griff zu bekommen. Dass das Quellphänomen auch auf der Seite auftritt, wurde nicht erwartet.» Scholer beruhigt, dass der Tunnel intensiv überwacht werde.

Zurzeit wird ein exaktes Modell erarbeitet, um das Verhalten in den Seitenwänden zu analysieren. Das soll noch dieses Jahr geschehen. Anschliessend werden daraus Schlüsse gezogen und noch viel später allenfalls notwendige bauliche Massnahmen unternommen. «Es gibt momentan keinen Grund für negative Gedanken.»

Für Scholer ist der Chienbergtunnel kein Sorgenkind, sondern eine Aufgabe, die er gerne annimmt. Von einem Vorwurf an die für die Planung und Bau verantwortliche Firma will er nichts wissen. «Die Situation in diesem Bruchschollengebirge ist heikel. Interessant ist, weshalb in der Zone Ost mit der gleichen Geologie keine Quellhebungen stattfanden.»

14 000 Fahrzeuge pro Tag

Bis klar ist, wie das Konzept gegen den ansteigenden Längsdruck von der Seite aussehen wird, vergeht noch viel Zeit. Klar ist, dass der Chienbergtunnel weiterhin von Tag zu Tag teurer wird. Schon nur die regelmässigen Messarbeiten verschlingen jährlich 300 000 bis 400 000 Franken. Letztes Jahr passierten 14 000 Fahrzeuge den 2,3 Kilometer langen Tunnel.