Der diesjährige Chemie-Nobelpreis geht an den Schweizer Jacques Dubochet, Joachim Frank (USA) und Richard Henderson (GB). Sie werden für die Entwicklung von Kryoelektronenmikroskopie geehrt, wie die Nobel-Jury am Mittwoch in Stockholm mitteilte.

Nobelpreis für Chemie

Die Entwicklung der drei Forschenden ermöglicht Einblicke in die Details der Struktur von Biomolekülen. Forscher können damit Biomoleküle "mitten in der Bewegung" einfrieren und damit biologische Prozesse nachvollziehen, die zuvor verborgen geblieben waren.

Der 1942 in Aigle VD geborene Jacques Dubochet von der Universität Lausanne verbesserte diese Mikroskopietechnik Anfang der 1980er Jahre wesentlich, indem er die in Wasser gelösten Moleküle für die Messung rasant einfror, also "vitrifizierte". Dadurch behalten die Biomoleküle selbst im Vakuum ihre natürliche Form. Das erlaubte eine Momentaufnahme ihrer Struktur mit dieser Mikroskopietechnik.

Chemie-Nobelpreis: Jacques Dubochet im Video-Interview

Chemie-Nobelpreis: Jacques Dubochet im Video-Interview

Jacques Dubochet freut sich, dass seine wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet worden sind. Er empfinde grosse Befriedigung und Anerkennung. Der Weg zum Nobelpreis sei lang gewesen. Dazu gehörten Fehler und Erfolge gleichermassen.

Bundespräsidentin gratuliert

Bundespräsidentin Doris Leuthard zeigte sich erfreut über die Vergabe des Nobelpreises an den Schweizer Forscher Dubochet. Diese Auszeichnung mache sie stolz auf die Schweiz, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

"Ich gratuliere Jacques Dubochet zum Nobelpreis für Chemie: Diese Auszeichnung ist Ausdruck Ihrer hervorragenden Forschungsarbeit und macht mich stolz auf die Schweiz", erklärte Leuthard.

Die Gratulation des Forschungsministers

Auf französisch reagierte Forschungsminister Johann Schneider-Ammann auf die Nachricht über den Chemie-Nobelpreis für den Lausanner Forscher Jacques Dubochet. "Toutes mes félicitations!" liess er sich auf Twitter verlauten.

Die Ehre bezog der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) auch auf die Schweizer Forschung. "Science suisse honorée", twitterte er weiter.

3D-Bilder von Zika-Virus und Co.

Der gebürtige Deutsche Joachim Frank arbeitet an der Columbia University in New York und legte wichtige Grundsteine für diese Technik: Zwischen 1975 und 1986 machte er die Methode allgemein anwendbar, indem er eine spezielle Bildverarbeitung entwickelte. Diese ermöglichte aus den unscharfen zweidimensionalen Bildern eine scharfe 3D-Aufnahme zusammenzusetzen.

1990 gelang es Richard Henderson vom MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, die 3D-Struktur eines Proteins in atomarer Auflösung zu erzeugen. Er bewies damit, dass sich mittels Elektronenmikroskopie nicht nur totes Material abbilden liess. In jüngerer Zeit wurde beispielsweise die Oberflächenstruktur des Zika-Virus mit dieser Technik entschlüsselt - ein wichtiger Schritt für die Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen.

Freude über Schweizer Nobelpreis

Der Schweizerische Nationalfonds SNF äusserte sich erfreut über den Nobelpreis für die Schweiz. Die Auszeichnung sei das beste Argument für eine unabhängige und internationale Grundlagenforschung in der Schweiz, hiess es am Mittwoch in einem ersten Statement.

Am Montag hatte die Nobel-Jury die US-Forscher Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Sie erhielten die Auszeichnung für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr. Am Dienstag erhielten Rainer Weiss, Kip Thorne und Barry Barish den Physik-Nobelpreis für ihre Beiträge zum Nachweis von Gravitationswellen.