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Chef der Nationalbank: «Goldinitiative ist unnötig und gefährlich»

Für Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), hat die Goldinitiative zwei fundamentale Denkfehler. Der eine könnte die Preisstabilität im Land gefährden.

Fabian Hock
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SNB-Präsident Thomas Jordan beim Business Club Mittelland. Emanuel Freudiger

SNB-Präsident Thomas Jordan beim Business Club Mittelland. Emanuel Freudiger

Es muss schon viel passieren, bis sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) in die Politik einmischt. Gestern war es so weit. Auslöser: die Goldinitiative. «Die Initiative ist nicht nur unnötig, sondern langfristig sogar gefährlich», sagte Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der SNB, auf einer Veranstaltung des Business Clubs Mittelland in Erlinsbach.

Die Initiative hat laut Jordan zwei «fundamentale Denkfehler». Der erste basiere auf dem Missverständnis, dass die Stabilität des Franken und das Gold im Keller der SNB in direkter Verbindung zueinander stünden. Jordan stellt klar: «Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Goldreserven der SNB und der Preisstabilität.» Bis in die 1970er Jahre sei das Geldsystem vom Gold definiert gewesen, heute habe beides nichts mehr miteinander zu tun.

Der zweite Denkfehler könnte die Preisstabilität im Land sogar gefährden. Schuld sei die Kombination aus einem Mindestanteil Gold und einem Verkaufsverbot, wie es die Initiative vorsieht.

Keine Handlungsfreiheit mehr

Die Initiative verlangt, dass die SNB immer 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold hält. Einmal gekauftes Gold soll dann unverkäuflich sein, auch wenn die Bilanz später wieder kleiner wird. «Diese Kombination kann dazu führen, dass die Handlungsfreiheit der Nationalbank massiv eingeschränkt wird.»

Im Durchschnitt der Jahre 1997 bis 2007 hatte die SNB eine Bilanzsumme von rund 100 Milliarden Franken. In Krisensituationen kann die Bilanzsumme aber sehr viel höher sein, erklärt Jordan.

Aus 20 werden 100 Prozent

Als Folge der Krise hat die SNB mit rund 500 Milliarden Franken heute eine wesentlich grössere Bilanz als normal, um die Preise in der Schweiz stabil zu halten. «Folgt man der Initiative, müssten wir heute für 70 Milliarden Franken Gold zukaufen», sagt Jordan. Dann besässe die SNB unverkäufliche Goldreserven im Wert von über 100 Milliarden Franken.

Das Problem ist, dass diese aufgeblähte Krisenbilanz irgendwann wieder zurückgefahren werden muss, denn in Normalzeiten könne das Bankensystem nicht mit so hoher Liquidität versorgt werden wie heute. «Wenn wir unsere Bilanz dann auf das durchschnittliche Mass von 100 Milliarden zurückfahren, besteht sie nicht mehr zu 20 Prozent aus Gold, sondern zu 100 Prozent, weil das Gold laut der Initiative nicht mehr verkauft werden darf», sagt Jordan.

Der Spielraum der Nationalbank wäre dahin und die Preisstabilität im Land könnte dann kaum noch gewährleistet werden. Keine schönen Aussichten für die Schweizer Volkswirtschaft.

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