Schweiz

Chef der Corona-Taskforce: «Wir befinden uns in einem kritischen Moment»

Martin Ackermann ist Professor für Mikrobiologie an der ETH Zürich und Leiter der nationalen Corona-Taskforce.

Martin Ackermann ist Professor für Mikrobiologie an der ETH Zürich und Leiter der nationalen Corona-Taskforce.

Die wissenschaftliche Corona-Taskforce des Bundes ist beunruhigt über die steigenden Fallzahlen und spricht in einer neuen Publikation von «flächendeckenden Massnahmen». Ein zweiter Lockdown ist laut Martin Ackermann damit aber nicht gemeint.

(gb.) In den letzten Tagen hat die Schweiz wieder wie im Frühling gebannt auf die täglichen Corona-Fallzahlen geblickt. Am Freitag meldete das BAG einen neuen Rekord an 1487 bestätigten Fällen. Für die nationale Corona-Taskforce ein Grund zur Sorge: Wie der Präsident der Taskforce, Martin Ackermann, am Samstag in einem Interview mit Radio SRF sagte, befindet sich die Schweiz momentan in einem «kritischen Moment».

Ackermann zeigte sich beunruhigt, aber nicht überrascht. Der Anstieg der Fallzahlen sei seit Juni exponentiell. Jetzt erst sähe man die Konsequenzen davon, so Ackermann gegenüber Radio SRF. In einer neuen Publikation schreibt die Corona-Taskforce, dass man noch im Oktober mit über 2000 Fällen rechnen müsse, sollte sich die exponentielle Entwicklung fortsetzen. Die Stabilisierung und Senkung der Fallzahlen habe derzeit höchste Priorität.

Ackermann mahnt zur Vorsicht im privaten Umfeld

Ein etwas entspannteres Bild der Lage hatte Mitte vergangene Woche noch Marcel Salathé gezeichnet. Der Epidemiologe ist ebenfalls Mitglied der Taskforce und sagte gegenüber dieser Zeitung, die Situation sei heute einigermassen stabil. Sorgen mache er sich erst dann, wenn das Testen und Contact-Tracing kollabiere. Er forderte keine schweizweiten Massnahmen.

Nicht so die Taskforce. In ihrem Papier vom Freitag ist von «flächendeckenden» Massnahmen die Rede, sollten aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr genügend Tests und Ressourcen für die Kontaktverfolgung zur Verfügung stehen. Ackermann erklärte gegenüber Radio SRF, damit sei kein «zweiter Lockdown» gemeint. Viel eher könnte es beispielsweise darum gehen, Obergrenzen für private und öffentliche Veranstaltungen wieder zu verschärfen. Nun sei es aber vor allem wichtig, im privaten Umfeld wieder mehr Acht auf Hygiene und Abstand zu geben.

Meistgesehen

Artboard 1