Geheimdienst-Affäre
Chaos und Führungsvakuum in der IT-Abteilung

Ausgerechnet einer der sensibelsten Bereiche des Schweizer Geheimdienstes ist führungslos: Die Informatik-Abteilung, in welcher der Datendiebstahl geschah, hat seit längerem keinen Chef mehr.

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Nachrichtendienst-Direktor Markus Seiler (Archiv)

Nachrichtendienst-Direktor Markus Seiler (Archiv)

Keystone

Die Stelle ist laut gut informierter Quelle vakant. Das zeigen Recherchen der Zeitung «Der Sonntag». In dieser Abteilung entwendete ein IT-Spezialist grosse Mengen von sicherheitsrelevanten Daten. Die Bundesanwaltschaft informierte diese Woche über diesen «schweren Fall». Gemäss «Sonntag»-Informationen fand der Diebstahl in einem chaotischen Umfeld statt.

Es fehlt nicht nur ein Chef, sondern gemäss Insidern hat die IT-Abteilung auch zu wenig Personal. Geheimdienst-Chef Markus Seiler lässt zudem ein neues Informatiksystem namens ISAS aufbauen. Dieser Prozess dauert schon zwei Jahre. Nötig ist das neue System, weil die bisherige Datenbank des Auslandnachrichtendienstes angeblich nicht für die zukünftige Datenauswertung kompatibel sei.

Die Stimmung unter den Angestellten in der IT-Abteilung ist schlecht. Von Orientierungslosigkeit ist laut «Sonntag» gar die Rede. Denn im Nachrichtendienst des Bundes gibt es gemäss gut informierten Kreisen gar kein IT-Sicherheitskonzept, das diesen Namen verdient. Zudem seien «die internen Überwachungssysteme praktisch inexistent», wie es heisst. «Es gibt kein durchdachtes Konzept mit Überwachungskameras, persönlicher Führung von Mitarbeitern, die mit sensiblen Geheimdaten zu tun haben und auch keine effizienten Zugangsbeschränkungen im IT-Bereich», sagt der Insider.