Schlosslift

«Chance zur Anbindung des Schlosses gut wie nie»

Stadtammann Hans Huber und Stadtrat Martin Stücheli

«Chance zur Anbindung des Schlosses gut wie nie»

Stadtammann Hans Huber und Stadtrat Martin Stücheli

Stadtammann Hans Huber und Stadtrat Martin Stücheli von Lenzburg berichten im Gespräch mit der Aargauer Zeitung über die Vision eines Lenzburger Schlosslifts.

Fritz Thut

Mit einem unterirdischen Schräglift vom Kronenplatz soll Schloss Lenzburg direkt mit der Altstadt verbunden werden. Bei der Mittelstation soll die geplante permanente Ausstellungshalle der Stiftung Stapferhaus in den Schlossberg gebaut werden.

Mit diesem Vorschlag, vor Wochenfrist zum 50-Jahr-Jubiläum des Stapferhauses präsentiert, will der Stadtrat Lenzburg die wichtige kulturelle Institution an den Gründungsort binden. Stadtammann Hans Huber und Stadtrat Martin Stücheli, der den Vorschlag mit der Talstation im Bezirksanzeiger-Haus als Eingangsportal lancierte, präsentieren ihre Überlegungen.

Welche Reaktionen haben Sie auf ihren Vorschlag erhalten?

Hans Huber: Ich habe nur Positives gehört. Vor allem am Abend nach der Präsentation bei der 50-Jahr-Feier: Dies sei «ein Wurf», wurde da gesagt. Und es ist so: Am Anfang einer guten Sache steht immer eine gute Idee. Mit dem Schlosslift ginge ein lang gehegter Traum von vielen in Erfüllung.
Martin Stücheli: Unsere Vision ist entwicklungsfähig. Ich betrachte den Schlosslift als grosse Chance für Lenzburg. Er könnte einen Entwicklungsschub auslösen, analog der Hero vor gut 100 Jahren. Diese Firma hat dafür gesorgt, dass der Name Lenzburg in die Welt hinausgetragen wird; ohne diese umgesetzte Vision wäre Lenzburg wohl ein kleines Provinzstädtchen geblieben.

Trotzdem sprechen einige von Grössenwahnsinn.

Stücheli: Ich gebe den Skeptikern auf den Weg, sich vertieft zu informieren, bevor sie ein definitives, negatives Urteil fällen.
Huber: Es gibt genug Beispiele von grossen Projekten, die bei der Bekanntgabe «verrissen» wurden und sich inzwischen als richtig und wichtig entpuppt haben: Ich nenne die Gotthard-, die Brienz-Rothorn- oder die Jungfrau-Bahn.

Es gibt auch konkrete Bedenken. Wie sieht es aus mit der Zonenkonformität der Ausstellungshalle auf halber Höhe?

Huber: Das ist wie viele andere Details noch nicht geklärt. Doch der Denkmalschutz kann sicher nichts dagegen haben, etwas in den Berg zu legen. Uns liegt viel daran, den Schlosshang diskret zu halten; er ist ein Teil der gesamten Schlossanlage. Dies sage ich als Präsident der Stiftung Schloss Lenzburg und nicht als Stadtammann.
Stücheli: Wenn man den Schräglift in den Boden versenkt, ist das Einsprachepotenzial sicher viel geringer.

Wie fix ist die in der Machbarkeitsstudie eingezeichnete Bergstation? Wäre es nicht sinnvoller, den Lift direkt aufs Niveau des Schlosshofes zu führen?

Stücheli:Wir finden die Bergstation ist am Fuss der Toranlage richtig platziert. Wir wollen den Besuchern ermöglichen, die Burganlage als Ganzes gleichwohl richtig erleben zu können.

Aber der Schräglift soll doch auch Personen, die nicht gut zu Fuss sind, einen Schlossbesuch ermöglichen?

Stücheli: Es stimmt. Heute ist der Besuch für Behinderte oder Betagte mit der Überwindung von rechten Hürden verbunden. Mit einem zusätzlichen Horizontallift im Eingangsbereich könnte man den Zugang weiter vereinfachen.

Wie stehts mit den Überlegungen zur Liftkapazität. Müsste nicht etwa eine Car-Ladung voll Besucher innert einer Viertelstunde in der Ausstellungshalle sein können?

Huber: Das sollte kein Problem sein. Es gibt gute Beispiele von andern analogen touristischen Anlagen mit genug Kapazitäten.
Stücheli: Es ist ja auch sonst nicht so, dass alle Passagiere eines Reisecars miteinander das Schloss erreichen. Und ich versichere Ihnen, dass die Leute aus einem Car heute vom Parkplatz aus bis zum Schlosseingang länger haben als später mit dem Lift aus der Altstadt.

Für Lenzburg ist der nun angedachte Schräglift mehr als eine Erschliessung für die künftige Stapferhaus-Ausstellungshalle.

Huber: Die Verbindung zwischen unserer einmaligen Altstadt und dem Schloss beschäftigt den Stadtrat schon lange. Ich habe hier eine Machbarkeitsstudie für einen Schräglift, die der Stadtrat im Jahr 2004 erstellen liess. Man brachte das Projekt nie an die Öffentlichkeit wegen der Finanzen. Jetzt, mit Partnern, sieht es anders aus.
Stücheli: Die Ausgangslage ist nun einzigartig. Die 80000 Schlossbesucher im Jahr und die zusätzlichen rund 40000 Besucher der Stapferhausausstellungen könnten den Lift benützen. Drei Viertel dieser Besucher kommen so in die Altstadt. Dies bedeutet eine Wirkung, wie sie mit bester traditioneller Werbung nicht erreicht werden kann. Das bringt allen etwas.

Wie viel lässt die Stadt für diesen Zusatznutzen springen?

Huber: Der Stadt muss dies einen namhaften Betrag Wert sein. Es muss ein Gemeinschaftswerk sein, von allen Beteiligten und Interessierten. Die Chancen für eine direkte Anbindung der Altstadt ans Schloss waren noch nie so gut wie jetzt.
Stücheli: Sobald ein Grundsatzentscheid für den Standort Lenzburg gefallen ist, werden wir mithelfen, ein Finanzierungsmodell auszuarbeiten.

Der nächste Schritt der Stadt?

Huber: Die Stadt kann nicht vorprellen. Der Regierungsrat und der Stapferhaus-Stiftungsrat müssen einen Grundsatzentscheid für Lenzburg als Standort des kantonalen Kultur-Leuchtturms fällen. Dann können wir weiterschauen.
Stücheli: Und ein richtiger Leuchtturm braucht einen Lift.

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