Weiningen

«‹Chance Gubrist› ist machbar»

Mehr als ein Autobahn-Deckel: Eine 270 Meter lange A1-Überdeckung soll Weiningen die Chance bieten Lärm zu bannen und das Dorf zu entwickeln. (zvg/Simon Vogt/sights)

Gubristtunnel

Mehr als ein Autobahn-Deckel: Eine 270 Meter lange A1-Überdeckung soll Weiningen die Chance bieten Lärm zu bannen und das Dorf zu entwickeln. (zvg/Simon Vogt/sights)

Die Gemeinde Weiningen kann vorerst zufrieden sein: Auf ihr Drängen hin gibt das Bundesamt für Strassen seine restriktive Haltung auf und prüft nun doch eine 270 Meter lange Überdeckung der A1 vor dem Gubristtunnel.

Sandro Zimmerli

Die Gemeinde Weiningen will mit einer Überdeckung des Gubristportals mehr erreichen, als die Lärmimmission auf das Dorf einzudämmen. Der 270 Meter lange so genannte «Deckel» über der A1 soll helfen, den neben der Autobahn liegenden Ortsteil aufzuwerten. So hat der Gemeinderat zusammen mit dem Kanton Zürich unter dem Namen «Chance Gubrist» einen Vorschlag erarbeitet, der neu auch ortsbauliche, landschaftliche und verkehrstechnische Aufwertungen ermöglicht.

Dies erklärte Gemeindepräsident Hanspeter Haug gestern. Details möchte er allerdings erst an der öffentlichen Orientierung am 20. August bekannt geben, wenn die Endergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen würden.

«Somit sind alle Voraussetzungen erfüllt, um eine politische Diskussion über das Projekt zu führen», erklärt Haug. Für eine weitere Projektierung bedarf es der Zustimmung des Bundesamtes für Strassen, Astra. Die Gemeinde erwartet laut Haug, dass der Kanton die «Chance Gubrist» auf seine politische Agenda setzt.

Das Weindorf kämpft dafür, dass der Gubristtunnel nicht nur eine dritte Röhre erhält, sondern die Gemeinde Weiningen auch eine Überdeckung der Autobahn vor dem Tunnelportal. Diesen Vorschlag hatte sie bereits Anfang 2008 dem Astra präsentiert. Dieses hatte den Vorschlag bislang als nicht realisierbar abgelehnt. Das Projekt «Chance Gubrist» soll zeigen, dass es doch geht. Wie Haug im Interview erklärt, prüft das Astra den Vorschlag nun doch.

Hanspeter Haug, der Bund muss über eine Weiterführung der «Chance Gubrist» entscheiden. Er hat demnach noch kein grünes Licht für die Überdeckung gegeben?
Hanspeter Haug: Nein. Das Astra, das Bundesamt für Strassen, überprüft derzeit die Machbarkeitsstudie, die von Kanton und Gemeinde in Auftrag gegeben und von Fachleuten ausgearbeitet wurde.

Was wurde geprüft?
Haug: In den letzten Monaten waren verschiedene Arbeitsgruppen am Werk. Einerseits befassten sich unsere Fachberater mit den ortsbaulichen, landschaftlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, die eine Überdeckung mit sich bringt. Gleichzeitig hat der Kanton ein Ingenieurbüro damit beauftragt, die technische Machbarkeit einer solchen Überdeckung zu überprüfen.

Mit welchem Ergebnis?
Haug: In die Überprüfung mit einbezogen wurden Überlegungen zu den verschiedenen Spuren, die in den Gubrist einmüden, zu der geplanten Auffahrt. Diese würde nach unseren Plänen rund 600 Meter Richtung Limmattaler Kreuz verschoben. Das Ingenieurbüro ist in all diesen Punkten zum Schluss gekommen, dass die «Chance Gubrist» machbar ist. Jetzt ist das Astra damit beschäftigt, diese Machbarkeitsstudie zu überprüfen.

Was erwarten Sie von Astra?
Haug: Wir haben immer erwartet, dass das Astra unsere Abklärungen in seine Pläne einfliessen lässt. Bisher hat das Astra aber auf seiner Position bestanden, die dritte Gubriströhre ohne eine Überdeckung des Portals zu bauen. Jetzt ist das Astra bereit, unser Projekt zu überprüfen. Aber selbst, wenn nun auch das Astra zum Schluss kommt, dass unsere Variante machbar ist, heisst das noch nicht, dass eine Überdeckung gebaut wird.

Wer fällt den Entscheid?
Haug: Das Ganze ist ein politischer Entscheid. Das Astra selber kann das nicht entscheiden. Gefällt wird er am Ende vom Uvek, dem eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.

Für den Fall, dass der Entscheid negativ ausfällt, haben Sie angekündigt den juristischen Weg einzuschlagen, notfalls bis vor Bundesgericht.
Haug: Das ist die allerletzte Option, die wir haben. Wir sind aber ganz klar nicht auf eine Konfrontation mit dem Bund aus. Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden. Der juristische Weg würde auch bedeuten, dass der Baubeginn hinausgezögert wird. Das wollen wir nicht.

Bislang hat es also noch keine Verzögerung gegeben?
Haug: Nein. Die Einsprache der Gemeinde Weiningen gegen die so genannte Amtsvariante hat keine Verzögerung nach sich gezogen. Neben unserer Einsprache sind noch rund 130 andere eingegangen. Das ist ein ganz normaler Prozess. Deshalb wollen wir uns am runden Tisch auf die Chance Gubrist einigen und nicht vor Gericht gegen eine schlechte Lösung kämpfen.

Sie sprechen davon, dass diese Lösung mehr beinhaltet als eine blosse Überdeckung. Was muss man sich darunter vorstellen?
Haug: Das ist Gegenstand der Orientierung vom 20. August. Dort wollen wir der Bevölkerung aufzeigen, was mit den 270 000 Franken passiert, die sie uns an der Gemeindeversammlung gesprochen hat. Die Bürger haben ein Recht darauf. Wir wollen aufzeigen, dass man mit unserem Projekt die Landschaft und einen Ortsteil reparieren kann und dass eine solche Überdeckung auch einen wirtschaftlichen Nutzen bringt: Das ist die einmalige Chance. Aber man muss sie jetzt packen. Wenn die dritte Röhre gebaut ist, wird das nicht mehr möglich sein.

Wird man am 20. August schon wissen, ob der Bund Ja sagt zu einer Überdeckung?
Haug: Nein, das ist zu früh. Wie gesagt, das Ganze muss politisch entschieden werden. Bislang wurde nur auf Amtsstufe diskutiert. Deshalb hoffen wir, dass der Kanton unser konkretes Anliegen, das mit der Machbarkeitsstudie vorliegt, nun auf seine politische Agenda setzt.

Wie stehen die Chancen?
Haug: Laut Aussage des Amts für Raumplanung und des Amts für Verkehr steht man dem Projekt positiv gegenüber. In diesem Sinn wollen die beiden Ämter das Projekt auch gegenüber der Zürcher Regierung vertreten.

Damit haben Sie bislang einiges erreicht?
Haug: Ja. Wir haben erreicht, dass von einem unabhängigen Ingenieurbüro bestätigt wurde, dass unser Anliegen machbar ist. Zudem haben wir es geschafft, dass der Kanton eine solche Studie in Auftrag gegeben hat. Und wir können aufzeigen, dass mit unserer Lösung eine einmalige Chance besteht einen attraktiven Standort, der im kantonalen Siedlungsplan als Bauzone ausgewiesen ist, gewinnbringend für alle zu nutzen.

Meistgesehen

Artboard 1