Interview
Cassis zur Stimmung im EDA: «Die Zufriedenheit im Departement hat zugenommen»

Aussenminister Ignazio Cassis nimmt Stellung zu den Medienberichten, dass es Unmut gibt in seinem diplomatischen Korps.

Othmar von Matt, Patrik Müller
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Aussenminister Ignazio Cassis bei einer Pressekonferenz.

Aussenminister Ignazio Cassis bei einer Pressekonferenz.

Keystone

Im diplomatischen Korps des Aussendepartements (EDA) herrscht Unmut. Gegenüber unserer Zeitung sprachen Kritiker gar von einem «System der Willkür». Was läuft falsch?

Ignazio Cassis: Es gibt Aussagen von anonymen Quellen. Die kommentiere ich nicht. Aber es gibt Belege, die klar zeigen, dass der Unmut in meinem Departement offenbar nicht so gross ist.

Belege?

Die neue Personalumfrage des Bundes, die in den nächsten Tagen publiziert wird, zeigt: Die Zufriedenheit im EDA hat in den letzten drei Jahren zugenommen. Trotz oder gerade wegen mehrerer Reorganisationen, die ich durchgeführt habe.

Aber es gibt diese Stimmen!

Einzelne unzufriedene Stimmen gibt es in jeder grossen Organisation. Die Fakten widerlegen diese Vorwürfe.

Sie glauben, es handle sich dabei nur um Einzelfälle?

Ja. Ich pflege einen sehr offenen Dialog, lade die Diplomaten zum Kaffee ein, die aus dem Ausland in die Schweiz zurückkehren. Meine Türe steht offen, wenn ein Diplomat nicht zufrieden ist, kann er auf mich zukommen. Zahlreiche Diplomaten meldeten sich in den letzten Tagen bei mir und sagten mir, ich solle weitermachen wie bisher. Die Mitarbeiter sind mir wichtig. Sind Diplomaten mit einer Versetzung nicht zufrieden, versuchen wir eine Lösung zu finden. Das gelingt in vielen Fällen.

Entzündet hat sich die Kontroverse an Alexandre Fasel, dem Missionschef von London. Er kennt den Brexit bestens und man erwartete ihn deshalb als neuen Botschafter in Brüssel. Weshalb entschieden Sie sich anders?

Alexandre Fasel ist sicher ein erfahrener und sehr guter Diplomat. Rita Adam, derzeit Botschafterin in Rom, ist aber ebenfalls bestens qualifiziert für den Posten in Brüssel. Wir wählten sie im Gesamtinteresse der Schweiz, auch nach der Neuorganisation des Staatssekretariats mit Livia Leu als neue Staatssekretärin. Eine Selektionskommission hat die Hearings der Bewerber beurteilt und kam zum Schluss, dass Rita Adam die richtige Wahl ist. Auch ich bin überzeugt, dass sie die Richtige ist.

Nur: Botschafter Fasel kann Brexit und Rahmenabkommen bis ins Detail vergleichen. Dieses Know-how wäre doch jetzt gerade sehr wichtig in den Gesprächen, welche die Schweiz in den nächsten ­Wochen mit der EU führt.

Das Brexit-Wissen ist ja nicht nur in einem einzigen Kopf vorhanden. In London und in Bern arbeitete eine ganze Mannschaft an diesem Dossier. Wir sorgten dafür, dass dieses wichtige Wissen nach Brüssel kommt. Botschafter Fasel hat nun einen ebenso spannenden Weg vor sich wie Botschafterin Adam in Brüssel.

Offenbar informierten Sie den Gesamtbundesrat falsch, als Sie sagten, Fasel wolle nicht nach Brüssel. Darüber berichteten CH Media und Tamedia überein­stimmend.

Sie verstehen sicher, dass ich mich zu Indiskretionen von Bundesratssitzungen nicht äussere.

Aber aus Ihrer Sicht haben Sie den Bundesrat nicht falsch informiert?

Nein. Ich habe den Bundesrat gemäss meinem damaligen Wissensstand ­informiert.

Kritiker sagen, Ihr Generalsekretär Markus Seiler sei für die schlechte Stimmung verantwortlich.

Auch Markus Seiler hat als neuer Generalsekretär dazu beigetragen, dass die Zufriedenheit im EDA zugenommen hat, insbesondere auch im Generalsekretariat. Die anonymen Stimmen, die sich in den Medien äusserten, meldeten sich weder bei unserer Whistleblower-Stelle noch bei mir. Die Diplomaten können sich jederzeit äussern – und ich nehme sie ernst.