Die Caritas nutzt das europäische Jahr gegen Armut 2010 als Sprungbrett für eine eigene, ambitioniertere Kampagne: Sie spricht nicht nur von einem Jahr, sondern fordert eine "Dekade der Armutsbekämpfung" in der Schweiz. Dies erklärten Caritas-Vertreter vor den Medien in Bern.

Ziel der Aktion: Die Zahl der Armen in der Schweiz bis 2020 zu halbieren. Offizielle Zahlen gibt es keine - Caritas schätzt, dass zwischen 700'000 und 900'000 Menschen unter der Armutsgrenze leben.

Aufgrund der Wirtschaftskrise drohe ein "neuer Armutsschub", sagte Caritas-Direktor Hugo Fasel. Jeden Monat würden zurzeit 1800 Menschen ausgesteuert.

In einem zwölfseitigen Positionspapier mit dem Titel "Armut halbieren" nimmt Caritas deshalb auch Politik und Wirtschaft in die Pflicht und fordert eine nationale Armutsstrategie. Laut Vizepräsidentin Michèle Berger-Wildhaber heisst dies unter anderem, dass der Bund ein Bundesrahmengesetz erarbeiten soll.

Zudem will Caritas über Motionen in den Kantonen kantonale Armutsberichte einfordern und die Sozialhilfe landesweit verbindlich regeln. Die grossen kantonalen Unterschiede führten zu einem "erheblichen Willkürpotenzial", sagte Berger-Wildhaber.

Auch Caritas selbst will noch mehr für Arme tun. So wird sie die Sozialberatung ausbauen, die Zahl der Caritas-Märkte von 18 auf 30 aufstocken und 1000 eigene Arbeitsplätze für Menschen schaffen, die auf dem Arbeitsmarkt durch die Maschen fallen.