Caritas
Caritas: Alte Milch-Wagen für die Armenverköstigung

Die Märkte für Arme haben ihren Umsatz seit 2002 verfünffacht. Nun sollen ausrangierte Milch-Wagen die Caritas-Märkte nun auch in die Randregionen bringen. Das Hilfswerk will ein Pilotprojekt im Kanton Thurgau auf das ganze Land ausdehnen.

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Caritas Bus

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Benno Tuchschmid

Früher kam in den kantigen blau-weissen Kastenwagen der Milchmann in die Dörfer und brachte Milchprodukte für alle, heute kommt die Caritas - und bringt Lebensmittel für Arme. Was derzeit in der Region Weinfelden im Kanton Thurgau als Pilotprojekt läuft, soll bald auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden. «Die ersten Wochen stimmen uns sehr positiv», sagt Carlo Knöpfel, Mitglied der Caritas-Geschäftsleitung. Für rund 25 000 Franken hat die Caritas Thurgau ein ausrangiertes Milch-Express-Mobil gekauft, seit Mitte Februar ist es im Einsatz. «Anfangs fürchteten wir, dass sich die Leute in ländlichen Gebieten nicht in den mobilen Caritas-Markt trauen, weil sie damit als arm stigmatisiert werden. Aber da haben wir uns offenbar getäuscht», sagt Armutsexperte Knöpfel weiter.

Einkaufen nur mit Ausweis

Wer in den Caritas-Märkten einkaufen will, braucht einen speziellen Ausweis. Diesen erhalten nur Personen, die Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen oder finanzielle Unterstützung durch eine kantonale, private oder kirchliche Institution beziehen. Ebenfalls berechtig sind Menschen die sich in einer Schuldensanierung befinden. (MZ)

19 Caritas-Märkte gibt es heute in der Schweiz. Und diese laufen wie geschmiert. 2008 hatten die Märkte ihren Umsatz um 50 Prozent gesteigert, letztes Jahr nochmals um 14 Prozent , wie die Caritas gestern bekannt gab. Zahlen, die bei einem Unternehmen für Freudentänze sorgen würden - der Caritas aber bereiten sie Sorgen: «Der Erfolg der Caritas Märkte ist das Spiegelbild des Schweizer Armutsproblems», sagt Carlo Knöpfel. Und der Umsatz der Sozial-Märkte wäre noch viel höher ausgefallen, wären im letzten Jahr nicht massiv Preise gesenkt worden, wie Rolf Maurer sagt.

Läden sind nicht rentabel

Die Expansion der Märkte soll weitergehen, auch bei den fixen Läden. Rolf Maurer spricht von fünf bis acht neuen Läden in den kommenden fünf Jahren. Knöpfel sagt gar: «Das Ziel sind rund 40 Märkte in der Schweiz.» Trotz explodierenden Umsatzzahlen sind die Caritas-Märkte kein gewinnbringendes Geschäft. Grund dafür: Viele Produkte werden unter dem Einstandspreis verkauft. Momentan wird die Ladenkette quersubventioniert, jährlich fliessen von der Caritas 700 000 bis 800 000 Franken in die Markt-Genossenschaft. Das soll sich ändern: «Wir wollen mit den Märkten irgendwann schwarze Zahlen schreiben», sagt Carlo Knöpfel.

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