Café fédéral
Der Bundesrat als Windelnexperte

Sollen Eltern der Umwelt zuliebe Stoff- anstatt Einwegwindeln verwenden? Der Bundesrat will sich nicht festlegen. Und er analysiert ganz trocken: Je schneller ein Kind selbstständig auf WC kann, desto besser fällt die Ökobilanz aus.

Kari Kälin
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Einwegwindeln sind zu einem Politikum geworden.

Einwegwindeln sind zu einem Politikum geworden.

Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

Die Coronamassnahmen? Wichtig. Das Verhältnis zu EU? Sehr relevant. Unser Bundesrat schlägt sich aber nicht nur mit Fragen von höchstem Landesinteresse herum. SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel hat Wegwerfwindeln als Problemfeld identifiziert. Sie förderten das Bettnässen und provozierten Abfallberge, schreibt sie in einem Vorstoss. Kleinkinder als Klimasünder also. Könnte der Bundesrat deshalb vielleicht Stoffwindeln propagieren?

Unsere Landesregierung verspürt jedoch keine Lust auf windelpolitische Experimente. Gemäss einer Meta-Studie bestehe kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Bettnässen und dem Windelntragen, klärt sie auf. Die Eltern müssen sich ohnehin keinen Stress machen. Frühzeitiges WC-Training nützt nichts, wie Remo Largo im Klassiker «Babyjahre» festhält. Die individuelle Reifung eines Kindes bestimmt den Zeitpunkt des Trockenwerdens.

Auch das Umweltargument wischt der Bundesrat weg: Stoff- und Einwegwindeln wirkten sich nicht sehr unterschiedlich auf den Treibhauseffekt aus. Sauber analysiert er: Für die Umweltbelastung ist bei den Stoffwindeln das Waschverhalten entscheidend, bei den Einwegwindeln die Anzahl der verwendeten Windeln. Und: Je weniger lang ein Kleinkind Windeln trägt, umso besser ist die Ökobilanz und desto kleiner die Abfallmenge. In Sachen Windeln entpuppt sich der Bundesrat als wahrer Experte. Das nährt die Hoffnung, dass auch bei der Corona- und Europapolitik nichts mehr schiefgeht.

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