Burkini an Aargauer Schulen: SVP kündigt Widerstand an

Schwimmtaugliche Burkas? Separate Duschen für Muslime? Der Schulratgeber des Bildungsdepartements sorgt für Diskussionsstoff. Die SVP plant bereits Vorstösse.

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Michael Spillmann

So wenige Schüler wie nur möglich wegen religiöser Gründe vom Unterricht dispensieren zu müssen, ist eines der obersten Gebote im Bildungsdepartement. Ein Ratgeber für Schulen – die Empfehlungen für den «Umgang mit religiösen Bedürfnissen an der Volksschule» – schafft Abhilfe. Darin wird etwa empfohlen, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, sich beim Schwimmunterricht zu bedecken: Muslimische Schülerinnen dürfen mit einem Ganzkörperanzug – einem Burkini – ins Schwimmbad. Zudem werden separate Duschen mit Vorhang oder Tür vorgeschlagen, da Nacktheit teilweise auch vor dem eigenen Geschlecht verpönt sei.

«Zu viele Konzessionen»

«Der Burkini im Schwimmunterricht ist zulässig», sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler dem «Sonntag». Aber: «Der Ratgeber wurde bereits 2008 publiziert», betont Irène Richner, Leiterin Kommunikation in Hürzelers Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS). Soll heissen: Die Richtlinien stammen aus der Amtszeit, als der Bildungsdirektor noch Rainer Huber hiess.

Trotzdem: SVP-Grossrat Beat Unternährer sagt, dass er den Leitfaden mit Parteikollege Hürzeler «ausdiskutieren» werde, wenn dieser wieder aus den Ferien zurück sei. Denn das BKS habe, um mögliche Dispensationen vom Unterricht zu verhindern, zu viele Konzessionen gemacht. Rats- und Parteikollege Andreas Glarner äussert sich direkter: «Das geht alles zu weit. Der Ratgeber ist ein weiteres unverbindliches Papier.» Er will im Grossen Rat Vorstösse einreichen: «Wir werden auf jeden Fall etwas machen.»

Fixe Regelung gefordert

«Wenn eine Schülerin den Schwimmanzug trägt, ist das eigentlich egal», so die Meinung von FDP-Grossrätin Maja Wanner. Die separaten Duschen gehen ihr aber zu weit. Sie fordert zudem: «Bei diesen sensiblen Fragen braucht es eine einheitliche Regelung, was erlaubt ist und was nicht.» Ein Ratgeber für die Gemeinden sei hierfür zu wenig.

«Grundsätzlich gibt es keine Kleiderordnung, gegen Burkinis gibt es also nichts einzuwenden», hält Thomas Leitch, Lehrer und SP-Grossrat, fest. In Bezug auf die separaten Duschen gäbe es wegen der baulichen Möglichkeiten in den Gemeinden Grenzen.

Der Kantonalparteipräsident der CVP, Franz Hollinger, meint: «Die Religionsfreiheit muss im Kern erhalten bleiben, der spezielle Schwimmanzug sollte zu tolerieren sein.» Mache etwas organisatorisch keine Probleme, dann solle es nicht integrationshemmend sein.

Regierung bleibt dabei

Beim BKS sind keine Änderungen am Ratgeber geplant. Der Regierungsrat antwortete zudem im Februar auf eine Interpellation: «Das aargauische Schulrecht kennt keine Kleidervorschriften für Schüler. Es müssen daher religiöse Kleidungsstücke toleriert werden.» Übrigens: Angaben, ob – und falls ja, wie viele – Schülerinnen im Schwimmunterricht ein Burkini tragen, gibt es nicht.

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