1. August

Burkhalter zeigt sich vor seinem Rücktritt emotional angesichts der Krisen auf der Welt

Letzte 1.-August-Rede als Bundesrat: Didier Burkhalter und seine Frau Friedrun auf dem Weg zum Auftritt in Aigle VD.

Letzte 1.-August-Rede als Bundesrat: Didier Burkhalter und seine Frau Friedrun auf dem Weg zum Auftritt in Aigle VD.

Am Morgen des 1. August sind auch die Bundesräte Didier Burkhalter und Guy Parmelin ans Mikrofon getreten - nachdem ihre fünf Kolleginnen und Kollegen bereits am Vorabend Reden gehalten hatten. Für Burkhalter war es die letzte 1.-August-Rede - und sie war emotional.

"Wir leben in einer beunruhigenden Welt", sagte Burkhalter gemäss Redetext am Dienstagmittag in Aigle VD. In dieser Welt von Krisen und Konflikten stelle die Schweiz eine beständige Kraft für den Frieden und die Menschlichkeit dar.

In seiner letzten 1.-August-Rede als Bundesrat liess der Aussenminister Emotionen durchblicken. Er sei in den vergangenen Jahren um die Welt gereist, sagte er. In Anbetracht des Leidens vielerorts habe er sehr starke Gefühle erlebt - vor allem, wenn Kinder die Leidtragenden waren. "In der Schweiz versteht man nicht, weshalb der Krieg oft stärker ist als der Friede", sagte Burkhalter, "man muss begreifen, welch Privileg es ist, hier zu leben."

Verteidigungsminister Guy Parmelin würdigte in seiner Rede in Wimmis BE historische und aktuelle Heldenfiguren. Die Schweiz sei nicht nur durch einen Schwur entstanden, sondern nach und nach geschmiedet und Schritt für Schritt geprägt worden, sagte er. Alte und neue Mythen vermittelten den Menschen eines Landes Werte: Wilhelm Tell etwa Mut, Henry Dunant Humanität "und Roger Federer Kampfgeist", sagte Parmelin.

Parmelin kam auch auf Niklaus von Flüe zu sprechen. Zur Zeit von Bruder Klaus hätten starke Spannungen zwischen städtischen und ländlichen Regionen die Epoche geprägt. Niklaus von Flüe schreibe man zu, die Situation beruhigt und einen Bürgerkrieg verhindert zu haben. Bruder Klaus bringe eine Tugend zum Ausdruck, die für heutige Zeitgenossen schwer verständlich sei: "Denn der Weise misstraut von Natur aus der Anwendung von Gewalt, dem Streben nach Macht und dem Durst nach Gold."

Bilder der Reden vom 31. Juli:

Mail an Wilhelm Tell

Bereits am Vorabend des Nationalfeiertags waren die anderen fünf Bundesrätinnen und Bundesräte ans Rednerpult getreten. Sie lobten - je nach politischer Gesinnung - Freiheit oder Weltoffenheit der Schweiz.

Johann Schneider-Ammann dachte in Eschenz TG darüber nach, was er Wilhelm Tell über die Schweiz von heute erzählen würde. In einem fiktiven E-Mail an den Nationalhelden lobte er die "Erfolgsstory" der Schweiz - mahnte aber, dass dafür etwas getan werden müsse.

"Wir haben bisher alle industriellen Umbrüche gemeistert und wir werden auch den nächsten meistern, also die Digitalisierung", zeigte sich Schneider-Ammann überzeugt. Sie verändere zwar viele Berufsbilder - aber biete auch Chancen.

Die Schweiz verschachern?

Ueli Maurer hielt seine Rede in Gluringen VS und pries die Freiheit der Schweiz. Diese sei ein grosses Privileg, aber auch eine Verpflichtung, sagte der Finanzminister. Die Schweiz habe nicht nur eine alte Tradition, die Freiheit zu verteidigen: "Es gibt in der Schweiz auch eine Tradition der Bequemlichkeit."

So gäben Gemeinden Kompetenzen an den Kanton ab, der Kanton wiederum an den Bund. Und der Bund unterschreibe internationale Verträge - "denn wenn etwas international geregelt ist, dann meint man, nicht mehr selbst die ganze Verantwortung zu tragen".

Bundespräsidentin Doris Leuthard hingegen rief in ihrer Rede dazu auf, die EU-Frage nüchtern und sachlich zu diskutieren. Sie sprach am Europaplatz in Luzern, direkt am Seeufer vor dem KKL. Sie trat als Ehrengast auf - nach Jahrzehnten des Unterbruchs fand am Montag wieder eine Luzerner Bundesfeier statt.

Am Nationalfeiertag gelte es auch, die Schweizer Werte zu verinnerlichen. "Niemand will die Schweiz an die EU verschachern, wie das einige immer wieder behaupten. Der Bundesrat schon gar nicht", betonte Leuthard.

Offenes Tal, offene Menschen

Justizministerin Simonetta Sommaruga trat im Val-de-Travers ans Mikrofon. Das Tal im Neuenburger Jura verkörpere, was sie an der Schweiz liebe: "Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Gemeinschaft engagieren." Das Val-de-Travers könnte sich ebenso gut "Val ouvert" nennen, offenes Tal.

In früheren Zeiten sei der Asphalt aus den Minen der Region für Trottoirs in Sydney verwendet worden, und die Marinechronometer aus der Uhrenindustrie hätten dazu beigetragen, neue Ozeane zu ergründen.

Kultur- und Innenminister Alain Berset flog am Nachmittag per Super-Puma-Helikopter auf den Julierpass. Dort hat das Kulturfestival Origen einen fast dreissig Meter hohen Theaterturm aus Holz eröffnet.

Nicht weniger als eine Metapher für die Vielfalt der Schweiz sei das Bauwerk, für den kulturellen Austausch, für Identität und Ordnung, sagte Berset. Dies Aufgrund der Lage auf einem seit Jahrhunderten wichtigen Passübergangs und an der Grenze zwischen mehren Sprachräumen im dreisprachigen Kanton Graubünden.

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