Schweiz-EU
Burkhalter rechnet mit neuer EU-Abstimmung in zwei Jahren

Bundespräsident Didier Burkhalter rechnet damit, das in rund zwei Jahren grundsätzlich über das Verhältnis der Schweiz zur EU an der Urne entschieden werden wird. Er ist zuversichtlich, dass sich das Volk für den bilateralen Weg ausspricht.

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Ist zuversichtlich, dass die Stimmbürger den bilateralen Weg weiterführen wollen: Bundespräsident Didier Burkhalter. (Archiv)

Ist zuversichtlich, dass die Stimmbürger den bilateralen Weg weiterführen wollen: Bundespräsident Didier Burkhalter. (Archiv)

Keystone

Ein solcher Volksentscheid werde am Ende eines langen Prozesses stehen, sagte Burkhalter in Interviews mit der "NZZ am Sonntag" und der "SonntagsZeitung". "Persönlich gehe ich davon aus, dass wir in zwei Jahren grundsätzlich über unser bilaterales Verhältnis zur EU abstimmen werden", sagte Burkhalter.

Man stehe aber erst noch am Anfang. Das Volk werde dann abstimmen, wenn es gelungen sei, den bilateralen Weg mit der EU zu erneuern und auf eine solide Grundlage zu stellen. Bevor überhaupt mit der EU über die Personenfreizügigkeit gesprochen werden könne, "müssen wir uns in der Schweiz einigen".

Burkhalter verneint, dass mit einer neuerlichen Abstimmung das Ja zur Zuwanderungsinitiative der SVP rückgängig gemacht werden solle. Der Bundesrat suche nun die für die Schweiz beste Lösung. "Der Volkswillen muss konkretisiert werden, einerseits bezüglich der Einwanderungsinitiative, andererseits was den bilateralen Weg angeht, den das Volk schon siebenmal bestätigt hat."

Maurer hält Kompromisse für möglich

SVP-Bundesrat Ueli Maurer stellt sich - entgegen Exponenten seiner Partei - demonstrativ hinter das Vorgehen des Bundesrates. "Dem Bundesrat jetzt schon zu unterstellen, er werde später ohnehin Zugeständnisse machen, ist unfair", sagte er im Interview mit der "SonntagsZeitung".

Maurer warnt auch davor, den Konflikt um die Personenfreizügigkeit mit der Lösungssuche für die institutionellen Beziehungen mit der EU zu vermischen. Allerdings räumt Maurer ein, dass die Einwanderungsfrage dort nochmals zum Thema werden könnte. Der Bundesrat müsse nun die Freiheit haben, einen Weg für die Verhandlungen mit der EU zu suchen, "auch wenn es dazu Kompromisse in der Einwanderungsfrage brauchen sollte."

"Jetzt sucht der Bundesrat Lösungen, um die Bilateralen zu erhalten." Gegen diese habe sich ja praktisch niemand ausgesprochen. "Wichtig ist, dass wir die institutionelle Frage entscheidungsreif machen." Die Lösung könnten die Gegner dann mit einem Referendum bekämpfen.

Die Blockade in den Beziehungen zwischen der Schweiz und EU nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative wurden in dieser Woche teilweise gelockert. Nachdem die Schweiz und Kroatien eine Überbrückungslösung für die Personenfreizügigkeit gefunden haben, steht der Weg für Verhandlungen wieder offen, wie der Bundesrat am Mittwoch verkündete. (sda)