Bundesrat

Burkhalter-Nachfolge: Jacqueline de Quattro gibt Kandidatur bekannt

(Archiv)

Die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro steigt als Kandidatin für die Waadtländer FDP ins Rennen.

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Waadtländer Bundesrats-Kandidaturen: Die FDP des Kantons Waadt will am 10. August ihre Kandidaten nominieren. Jacqueline de Quattro stellt sich zur Verfügung.

Das grosse Schweigen ist zu Ende. Als erste Politikerin der Westschweiz wagt sich die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro (57) aus der Deckung. Sie steige als Kandidatin für die Waadtländer FDP ins Rennen um die Nachfolge von Didier Burkhalter. Dies liess sie der sda am Samstag über eine Mitarbeiterin ausrichten. Bereits zuvor sagte sie gegenüber der «Schweiz am Wochenende»: «Ich denke, dass es eine Waadtländer Bundesrats-Kandidatur gibt.»

Sie engagiere sich in ihrer Partei dafür, dass diese Kandidatur weiblich sein werde, gab de Quattro zu Protokoll. Dabei gehe es «um eine Frage des Prinzips, nicht um eine Frage von Personen», wie sie sagt. «Denn seit bald 30 Jahren sitzt keine FDP-Frau mehr im Bundesrat. Es liegt dann am 10. August an meiner Partei, die beste Kandidatin auszuwählen. Wird eine Frau zur Kandidatin, bin ich zufrieden, auf wen auch immer die Wahl fällt.»

Diese Aussagen liessen nur ein Fazit zu: Regierungsrätin Jacqueline de Quattro stellt sich der FDP Waadt für eine Bundesrats-Kandidatur zur Verfügung. De Quattro ist im Kanton heute für die Raumplanung zuständig, früher für die Sicherheit. Sie spricht Französisch, Deutsch, Italienisch und Englisch, gilt als unabhängig und war von 2008 bis 2010 Präsidentin der FDP-Frauen. Ihr Handicap: In Bern ist sie wenig bekannt.

Es kommt wohl zum Duell

Damit kommt es in der Waadt mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem Frauen-Duell um eine Bundesrats-Kandidatur. Nationalrätin Isabelle Moret (46), die grosse Waadtländer Favoritin, denkt seit Wochen sehr intensiv über eine Kandidatur nach. Sie holt hinter den Kulissen von überall her Informationen ein, lässt sich aber noch nicht definitiv in die Karten blicken.

Moret ist in Bundesbern und in der eigenen Fraktion stark verwurzelt, hat aber als Präsidentin des Spitalverbands H+ ein ähnliches Profil wie Ignazio Cassis. Im Rennen ist auch ein Mann. Ständerat Olivier Français (61) kokettiert mit einer Kandidatur. «Ich liebe Herausforderungen», sagt er. «Eine Bundesratswahl ist eine Herausforderung. Aber ich bleibe Realist.»

Dass die Wahrscheinlichkeit eines Frauen-Duells zwischen de Quattro und Moret hoch ist, hängt mit dem wenig transparenten Verfahren der Kantonalpartei zusammen. Im Gegensatz zu den Verfahren in den Kantonen Tessin und Genf entscheidet in der Waadt nicht die FDP-Delegiertenversammlung, sondern der 23-köpfige Vorstand der Kantonalpartei. Er wird dies am 10. August im FDP-Generalsekretariat an der Place de la Riponne 1 tun, nach einem zurzeit unklaren Vorgehen.

Offen sind einige Fragen: Wird Regierungsrätin Jacqueline de Quattro, die wie alle FDP-Regierungsräte dem Vorstand angehören, in den Ausstand treten müssen? Welche Entscheidungen trifft der Vorstand überhaupt? 

Das undurchsichtige Verfahren ist nicht unerheblich, weil es in der FDP Waadt beträchtliche Spannungen gibt zwischen Männern und Frauen. Das zeigen die Recherchen. Die Frauen würden sich fast endlos Zeit lassen, bis sie sich zu einem Schritt durchringen könnten, ist aus dem männlichen Umfeld der FDP Waadt zu hören. Im weiblichen Umfeld überwiegt die Angst, dass die Frauen von einem Mann abgesägt werden. Es drängt sich deshalb schon aus taktischen Gründen auf, dass sich für die Vorstands-Sitzung beide Frauen für eine Kandidatur zur Verfügung stellen.

«Wie genau die Vorstandssitzung abläuft, ist noch nicht organisiert», sagt Frédéric Borloz, Präsident der FDP des Kantons Waadt. Die Wahl sei nicht öffentlich: «Wir werden im Nachgang eine Medienmitteilung machen oder eine Pressekonferenz organisieren.» Dass der Vorstand die Nomination durchführe, habe mit den Statuten der Kantonalpartei zu tun. Demnach liege die Nomination von Bundesrats-Kandidaten in der Kompetenz des Vorstands. Die Delegierten hätten diesem Verfahren am 28. Juni explizit zugestimmt.

Ein Mann änderte die Meinung

Ein Waadtländer Parlamentarier hat sich festgelegt. Noch Ende Juni hatte Nationalrat Laurent Wehrli in Radio RTS gesagt, er überlege sich – «wie alle» – eine Kandidatur. Heute betont der Stadtpräsident von Montreux: «Natürlich kann ich nicht verleugnen, dass mich eine Kandidatur reizen würde. Doch formell bin ich nicht Kandidat.» Und: «Bestätigt die FDP Tessin am 1. August wie erwartet die Einerkandidatur Cassis, braucht es eine Westschweizer Frau auf dem Ticket. Alles andere wäre schlecht für das Image der FDP Schweiz.»

Im Dilemma sieht sich die Präsidentin der FDP Frauen. «Der Anspruch des Tessins ist sehr ernst zu nehmen, und Ignazio Cassis hat als Kandidat alle Qualitäten, die es braucht», sagt Doris Fiala. Aber auch die drei Frauen Isabelle Moret, Jacqueline de Quattro und die Tessiner Ex-Regierungsrätin Laura Sadis seien «überdurchschnittlich fähig und können das Amt ausführen». Falls eine der Frauen nominiert werde, betont Fiala, «werden wir FDP-Frauen sie mit aller Sympathie begleiten.»

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