Ersatzdienst
Bürgerliche schiessen scharf gegen Zivildienst

Mehr Erholung für Armee-Rekruten, mehr Diensttage für Zivis? Das sind die Pläne von SVP und Co.

Sven Altermatt
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Über 6100 junge Männer wollten 2016 zum Zivildienst.

Über 6100 junge Männer wollten 2016 zum Zivildienst.

KEYSTONE

Würde die Idee nicht zerzaust werden, sie fiele in die Kategorie Symbolpolitik: Der Bundesrat will die Vollzugsstelle für den Zivildienst nicht ins Verteidigungsdepartement verlegen. Bisher ist die Behörde im Volkswirtschaftsdepartement angesiedelt, und das soll so bleiben. Die Landesregierung stellt sich damit gegen einen Vorstoss der nationalrätlichen Sicherheitskommission – und gegen eine populäre Forderung vieler Bürgerlichen.

Die Kommission verweist darauf, dass die Dienstpflicht nebst der Armee auch den zivilen Ersatzdienst und den Wehrpflichtersatz für Untaugliche umfasst. Da sei eine engere Koordination geradezu Pflicht.

Der Bundesrat dagegen versichert, dieses Zusammenspiel funktioniere schon heute bestens. Fragen der Koordination hätten oft eine «grundsätzliche politische Dimension». Deshalb mache es Sinn, wenn Armee und Zivildienst in verschiedenen Departementen angesiedelt sind. Das letzte Wort dazu hat das Parlament.

Die Vollzugsstelle entscheidet unter anderem über die Zulassung zum Zivildienst. Vordergründig wäre ihre Verlegung ins Verteidigungsdepartement vor allem ein Verwaltungsakt. Tatsächlich erhoffen sich bürgerliche Politiker von diesem Schritt, dass der Zivildienst so an Stellenwert einbüsst.

Weniger Dienstzeit anrechnen

Weg vom zivilen Gefilde, näher zum Einflussbereich des Militärs: Im Wirtschaftsdepartement fehle oft die Sensibilität für die tiefen Armeebestände, kritisiert der St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler. «Darum sollte alles aus einer Hand kommen.»

Immer mehr junge Schweizer entscheiden sich für den zivilen Ersatzdienst. Über 6100 waren es allein im vergangenen Jahr. Gleichzeitig ist die Zahl der neuen Rekruten unter die kritische Marke von 18'000 gefallen.

Die Ausrüstung eines Schweizer Rekruten:

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
50 Bilder
Sturmgewehr 90
Die Pistole erhalten nicht alle Rekruten.
Effektentasche
Grundtrageeinheit
Kampfrucksack
Militärschokolade und -biscuits
Transporttasche mit -wagen
Sackmesser
Pamir
Kleidertasche für Tenü A
Tagesrucksack
Schlafsack
Rollmütze
Gamelle
Leuchtweste
Dienstbüchlein und Leistungsausweis
Erste-Hilfe-Set
Magazin für Sturmgewehr 90
Gebissschutz
Veston (Tenü A)
Helm
Ohrenpfropfen
Ausgängerhose mit Gurt (Tenü A)
Besteck
T-Shirt funktionell
Fleece-Jacke
Bajonett
Schuhputzzeug
Kampfstiefel Die neusten Kampfstiefel hat die Armee beim italienischen Unternehmen AKU geordert. Ihre Produktionsstätten befinden sich in Rumänien.
Lange Unterwäsche
Trinkflasche
Béret
Gewehrputzzeug
Gasmaske
Unterwäsche Boxershorts, Damenslips und Unterhosen bezieht die Armee bei der Fabrik Amrit Exports in Indien und bei zwei Schweizer Firmen, die wiederum in Osteuropa produzieren.
Gurt (Tenü A)
Gurt (Tenü B/C)
Regenschutz (verstaut)
Vom Tarnanzug gibt es zwei Sorten: Arbeitsanzug für ins Feld (Tenü C) und Dienstanzug (Tenü B) für das Einrücken und ausserdienstliche Anlässe.
Tarnhose mit Gurt und Beinelastik
Krawatte
Kälteschutzanzug
Fingerhandschuhe
Roll-Shirt funktionell
Gnägi-Hemden Als die Herstellung der legendären Rollkragenleibchen im Jahr 2003 aus der Innerschweiz ins Ausland ausgelagert wurde, hagelte es politische Proteste. Ohne Erfolg. Unterdessen wurden die Leibchen in verschiedenen Ländern hergestellt. Unter anderem in Thailand, Rumänien und Indien.
T-Shirt grün
Hemden Für die Lieferung von Hemden und Blusen vergab die Armasuisse jüngst einen Auftrag an die J. Weder-Meier AG in Diepoldsau SG. Wo die Kleidungsstücke produziert werden, ist jedoch nicht bekannt.

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Keystone

An der politischen Front bleibt der Zivildienst derweil im Kreuzfeuer der Bürgerlichen. Seit Jahren versuchen sie, dessen Attraktivität Stück für Stück zu senken. Mal soll die Dienstdauer erhöht, mal die Gewissensprüfung wieder eingeführt werden.

Jüngst stimmte die Sicherheitskommission für einen Vorschlag aus dem Kreis der SVP: Wer als Armeeangehöriger in den Zivildienst wechselt, soll seine im Militär geleistete Dienstzeit nur zur Hälfte anrechnen können.

Gegen Leerläufe im WK

In der Frühlingssession will die Volkspartei bereits die nächsten Vorstösse einreichen. Ihr Ziel ist die Verlängerung des Zivildienstes, der momentan anderthalbmal so lange wie der Militärdienst dauert. Das heutige System sei zu attraktiv, sagt der Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal. «Zivildienstler können die Zeit und den Ort ihres Einsatzes selber wählen, zudem arbeiten sie zu Bürozeiten. Das alles gibt es beim Wehrdienst nicht.»

In der Pflicht sieht er aber auch die Armee. Immer wieder wechselten motivierte Soldaten in den Zivildienst, weil sie genug haben von Leerläufen in den Wiederholungskursen. In einem Vorstoss forderte von Siebenthal deshalb Massnahmen. Der Bundesrat antworte diese Woche mit fast schon martialischen Worten: Die Armee sei laufend bestrebt, «Leerläufe auszumerzen».

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