Oberdorf
Bürger kämpfen für Steinbruch

Die Bürgergemeinde Oberdorf will, dass im Steinbruch Giacometto weiterhin Steine abgebaut werden. Sie fordert, das Gelände wieder in den kantonalen Richtplan aufzunehmen und zählt auf die Unterstützung der Einwohnergemeinde.

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Steinbruch

Steinbruch

Solothurner Zeitung

Christof Ramser

«Und sonst gibt es halt keine neue Seilbahn»

Die Botschaft der Bürgergemeinde Oberdorf ist eindeutig: «Unser Land steht für einen Neubau der Seilbahn Weissenstein nicht zur Verfügung», sagt Präsident Rudolf Schluep. Jedenfalls nicht, solange die Seilbahn kein besseres Angebot für den Landkauf macht. Denn für einen Neubau braucht die Seilbahn Land der Bürgergemeinde. Die Bürger haben aber gegen den Zonen- und Nutzungsplan Einsprache erhoben - in ihren Augen ist das Entschädigungskonzept der Seilbahn unbefriedigend. «Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen», sagt Rudolf Schluep. Auch ein verbessertes Angebot der Seilbahn wurde abgelehnt und vom Vorschlag, einen Mediator einzusetzen, will die Bürger-gemeinde nichts wissen. Im Gegenteil: Sie hat ihre Forderung nach einem besseren Angebot bekräftigt und droht nun mit dem Gang vors Verwaltungsgericht, sollte ihr die Seilbahn nicht entgegenkommen. «Dann gibt es halt keine neue Seilbahn», so Schluep. Rolf Studer, Vizepräsident der Seilbahn Weissenstein AG, lässt sich nicht in die Karten blicken. «Wir verhandeln», sagt er. Für rote Köpfe unter den Bürgern hatte die Androhung eines Enteignungsverfahrens gesorgt - nachdem der Verwaltungsrat dies vehement abgelehnt hatte. Ein Verfahren hätte laut Schluep geringe Chancen. Denn nach Abbruch der alten Bahn ginge das Land ins Bundesinventar der Landschaften. (crs)

Seit drei Generationen betreibt die Familie Giacometto den Steinbruch beim Webernhüsli in Oberdorf. Doch das 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2017 wird der Betrieb wohl nicht mehr feiern. Weil der Steinbruch nicht mehr im kantonalen Richtplan verzeichnet ist, soll er geschlossen werden. Für die Besitzerin des Steinbruchs, die Bürgergemeinde Oberdorf, ginge damit eine wichtige Einnahmequelle verloren. Und in der Rechnung, die im letzten Jahr mit einem Gewinn abgeschlossen hat, würde ein Loch klaffen. Die Einkünfte werden zur Waldpflege benötigt. Die Bürgergemeindeversammlung hat am Mittwochabend darum einstimmig beschlossen, die Einwohnergemeinde um Hilfe zu rufen. Eine Eingabe im kantonalen Abbaukonzept soll erwirken, dass in Oberdorf weiterhin Steine abgebaut werden. «Das ist unsere einzige Chance», sagt Bürgergemeindepräsident Rudolf Schluep - auch wenn diese sehr klein sei.

Umweltschutz als Argument

Die Bürger ereifern sich über die Begründung des Kantons. Demnach sei das Landschaftsbild gestört. «Und wie sieht das bei anderen Abbaustellen, zum Beispiel in Lommiswil, aus?», fragte Vizepräsident Martin Amiet. Offenbar werde mit ungleich langen Massstäben gemessen. Bruno Giacometto, Betreiber des Steinbruchs, informierte, dass der Kanton frostsichere Blocksteine für Hochwasserschutzbauten an der Emme benötige. Laut einem geologischen Gutachten seien Steine mit der geforderten Qualität in Oberdorf vorhanden. «Spielt denn der Umweltschutz im Amt für Umwelt keine Rolle?», wollte Giacometto wissen. Schliesslich hätte eine Anlieferung von Steinen aus dem Berner Oberland oder gar dem Ausland einen massiven Mehrausstoss an CO2 zur Folge.

Austritt aus kantonalem Verband?

Noch immer ist bei den Bürgern der Ärger über die letzte Richtplananpassung 2000 nicht verraucht. Damals wurde der Steinbruch als kurzfristiger Abbaustandort eingetragen. Der Kanton «vertröstete» die Bürgergemeinde damals mit dem Hinweis, bei der Anpassung 2010 wieder aufgenommen werden zu können. «Leider haben wir den Behörden vertraut», so Schluep. Man könne nicht immer alles über sich ergehen lassen, sagte er und beantragte der Versammlung einen Austritt aus dem kantonalen Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverband; oder eine Kürzung des Salärs der Geschäftsstelle. Die Bürger sehen sich durch den Verband zu wenig unterstützt. «Die gehen ihrer Aufgabe nicht nach.» Der Antrag wurde einstimmig angenommen.