Am kommenden Sonntag gegen 17 Uhr hat die Schweiz ihren Superstar. Der frisch gekrönte Schwingerkönig kann sich danach zwischen dem Muni «Fors vo dr Lueg» oder seinem Gegenwert von 20 000 Franken entscheiden. Und er wird lukrative Sponsorenverträge abschliessen.

Schwinger sind populär. Deshalb ist der urchige Sport auch ein grosses Geschäft. Das gilt insbesondere für das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF). In der ausverkauften Emmental-Arena steigen ab Samstagmorgen die «Bösen» vor 52 000 Besuchern in die Hosen. Im Schnitt kosten die Tickets für zwei Tage laut Vizepräsident Samuel Grossenbacher 189 Franken.

2010 waren es in Frauenfeld gegen 20 Franken weniger. Rund um die Arena zechen ab Freitag Zehntausende in 12 Festzelten, der Muni-Bar und an unzähligen Ständen. Wer sich nur auf dem 70 Hektar grossen Festgelände vergnügt, zahlt keinen Eintritt. Hingegen zahlen die Cateringfirmen dem Organisationskomitee pro Sitzplatz in den Festzelten 55 Franken.

Schwingfreunde sind ein ausgabefreudiges Volk. In einer Studie der Beratungsfirma Rütter + Partner errechneten Experten, dass am ESAF 2004 in Luzern im Schnitt jede Person 239 Franken für Tickets, Verpflegung und Unterkunft ausgegeben hat. Der Umsatz am Schwingfest belief sich laut der Studie auf 42,2 Millionen Franken.

Fest mit gigantischen Ausmassen

Seit 2004 ist das Schwingfest stets gewachsen. Mit 52 000 Plätzen bietet die Emmental-Arena 10 000 Plätze mehr als damals an. Das Organisationskomitee rechnet mit total 250 000 bis 300 000 Besuchern, was gegenüber Luzern beinahe einer Verdoppelung entspricht. Teuerung inklusive dürfte jede Person im Schnitt 250 Franken ausgeben. Insgesamt dürften am ESAF im Emmental rund 80 Millionen Franken umgesetzt werden. Das hält OK-Vize Grossenbacher für plausibel: «Das ist kein schlechter Ansatz.»

Das Budget der Burgdorfer beläuft sich auf rekordhohe 25 Millionen Franken. Davon stammen mehr als 10 Millionen Franken von unzähligen Sponsoren. Aebi, Feldschlösschen, Migros, Mobiliar, Toyota und UBS sind die Königspartner, die sich ihr Engagement laut gut unterrichteten Quellen inklusive Begleitmassnahmen je mehr als zwei Millionen Franken kosten lassen. Die Organisatoren erhalten nicht nur Bargeld, sondern auch Dienstleistungen. So übernimmt die UBS das Cash-Management.

Die Migros sponsert nicht nur das Fest, sondern auch den früheren Schwingerkönig Jörg Abderhalden und den aktuellen, Kilian Wenger. Daneben sind sowohl Feldschlösschen wie Migros Lieferanten von Getränken und Lebensmitteln. Der Detailhandelskonzern rechnet mit einem Umsatz von zwei Millionen Franken. Er ist unter anderem für das Catering im VIP-Zelt mit 2500 Plätzen zuständig. Am Samstag gibts einen «Suure Mocke», am Sonntag eine «Berner Platte» für Ehrengäste wie Bundespräsident Ueli Maurer. Die Verpflegung soll bodenständig sein. Sushi ist verpönt.

Sogar Fünfstern-Hotels sind voll

Falls das Wetter mitspielt, profitiert die Region enorm. Christian Billau, Geschäftsführer von Emmental Tourismus, kalkuliert «vorsichtig» mit 40 000 Übernachtungen. Es könnten doppelt so viele werden. Im Umkreis von rund 50 Kilometern sind die Hotels praktisch voll. «Das Fest ist auch für Bern, Biel, Olten und Solothurn sehr positiv», sagt Billau. Hoteliers verlangten nur «vereinzelt» höhere Preise als üblich. Sogar das Fünfstern-Hotel Schweizerhof Bern ist am Wochenende ausgebucht. «Schätzungsweise sind rund die Hälfte der Gäste Schwingfestbesucher», sagt Resident Manager Iris Flückiger.

Die Massenunterkünfte und der Camper-Stellplatz sind laut Billau zur Hälfte belegt: «1100 Wohnmobile sind bereits angemeldet.» Noch viel Platz hats hingegen auf dem Zeltplatz. Diese Übernachtungsmöglichkeiten kosten 40 bis 42.50 Franken pro Nacht und Person. Sie waren vor drei Jahren in Frauenfeld noch um bis zur Hälfte günstiger.