Zweitwohnungsinitiative
Bündner Tourismus-Präsident schätzt Lage als sehr ernst ein

Der Bündner Tourismus Präsident Andreas Wieland fordert jetzt staatliche Fördermassnahmen. Im Interview nimmt er Stellung zu den Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative für Tourismusregionen.

Stefan Bisculm
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Andreas Wieland: «Es war ein schwarzer Tag.»Nadja Simmen

Andreas Wieland: «Es war ein schwarzer Tag.»Nadja Simmen

Herr Wieland, war der Abstimmungssonntag mit dem knappen Ja zur Zweitwohnungsinitiative ein schwarzer Tag für den Tourismus oder doch eher ein Freudentag?

Andreas Wieland: Es war ein schwarzer Tag und die Auswirkungen wird man schon bald sehen.

Was wird passieren?

Die Ferienwohnungsbesitzer haben unsere Infrastruktur nicht nur benutzt, sondern auch mitfinanziert. Ihr Beitrag wird künftig wegfallen oder auf dem heutigen Stand eingefroren. Gäste, die in Ferienwohnungen ihre Ferien verbringen, können sich ausserdem oftmals keinen Hotelaufenthalt leisten. Trotzdem sind diese Gäste wichtig für uns.

Viele Gäste in Graubünden kommen aus dem Unterland, wo die Zweitwohnungsinitiative viel Zuspruch erhalten hat. Sie fürchteten offenbar um die schöne Landschaft in ihrer Ferienregion.

Es war wohl eine unheilige Allianz, die am Wochenende den Ausschlag gab. Einerseits stimmten sicher viele Zweitwohnungsbesitzer der Initiative zu, weil sie nicht mehr Zweitwohnungen in ihrem Ferienort wollten und um ihre freie Aussicht fürchteten. Anderseits sagten auch jene Ja, die sich selber keine Zweitwohnung leisten können und einfach genug von dem Luxus hatten.

Die Ausgangslage für Graubünden hat sich verändert. Welche neuen Chancen sehen Sie für den Tourismus?

Wir müssen versuchen, das Beste aus der neuen Situation zu machen. Doch ich sehe derzeit nicht, wo sich für uns die Chancen verbessert haben; ausser vielleicht bei den bestehenden Zweitwohnungen. Wir müssen nun schauen, dass diese besser ausgelastet werden. Dies ist derzeit der einzige positive Aspekt, den ich sehe.

Die Landschaft als Grundkapital des Tourismus ist nun besser geschützt. Das müsste den langfristig denkenden Touristiker doch eigentlich freuen?

Durch die Zonenplanung, mit der in den Siebzigerjahren angefangen wurde, versuchte man, die Bautätigkeit zu konzentrieren. Das ist nicht schlecht gelungen, es wird ja nicht überall gebaut. Wer künftig eine Zweitwohnung will, wird nun wohl in Gegenden ausweichen mit einem kleinen Zweitwohnungsanteil. Das sorgt für neue Planungsprobleme.

Wird die Hotellerie durch das Ja zur Zweitwohnungsinitiative gestärkt?

Ich denke nicht, denn Zweitwohnungen sind ergänzende Angebote. Es ist im Gegenteil so, dass viele Hotels im Kanton ihre grossen Umbaukosten nur durch den Bau von Zweitwohnungen finanzieren konnten. Die Auswirkungen werden deshalb für die Hotelinfrastruktur im Kanton eher negativ sein.

Braucht es jetzt staatliche Fördermassnahmen, wenn Hotelneubauten nicht mehr durch den Verkauf von Zweitwohnungen quersubventioniert werden können?

Ich habe schon bei verschiedenen Gelegenheiten betont, dass die Hotellerie und die Bergbahnen durch den starken Frankenkurs massiv getroffen werden. Das Ja zur Zweitwohnungsinitiative hat die Situation sicher nicht einfacher gemacht. Ohne staatliche Hilfe werden viele nicht mehr aus dieser Krise herauskommen. Ich kann mir vorstellen, dass es zu einer Bereinigung kommt und viele Hotels verschwinden werden.

Ist eine Tourismusregion mit nur 20 Prozent Zweitwohnungen überlebensfähig?

Wenn ich Savognin mit einem Zweitwohnungsanteil von etwa 80 Prozent als Beispiel heranziehe, komme ich zum Schluss, dass eine Region mit nur 20 Prozent keine Chance hat. Hotels und Tagestouristen können die Bergbahnen und die Strasseninfrastruktur nicht alleine finanzieren. Ausnahmen bilden die Top-Destinationen, die einen sehr grossen Markt ansprechen und eher die Möglichkeiten haben, Hotels und Resorts zu bauen.

Wie ernst ist die Lage im Bündner Tourismus?

Ich schätze die Lage als Unternehmer sehr ernst ein. Das Hauptproblem ist dabei nach wie vor der starke Franken, durch den wir einen Nachfragerückgang erlitten haben.

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