Tinner-Prozess

Bundesstrafgericht zu abgekürztem Verfahren in Tinner-Affäre

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona

Heute Montag beginnt der voraussichtlich letzte Akt der Atomschmuggel-Affäre um Friedrich, Urs und Marco Tinner. Alle drei müssen sich vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona wegen Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz verantworten.

Die Beschuldigten gestehen den ihnen angelasteten Sachverhalt der "Förderung der Herstellung von Kernwaffen" grundsätzlich ein. Sie haben sich im Gegenzug mit der Bundesanwaltschaft (BA) auf ein bestimmtes Strafmass geeinigt.

Das Bundesstrafgericht wird deshalb nur noch zu entscheiden haben, ob die Durchführung des abgekürzten Verfahrens überhaupt angebracht ist und falls ja, ob der Handel mit der BA abgesegnet werden kann. Ein Beweisverfahren findet nicht mehr statt.

Gemäss dem massgeschneiderten Deal mit der BA soll Friedrich Tinner und seinen Söhnen Urs und Marco der Gang ins Gefängnis erspart bleiben. Laut der Anklage steht fest, dass ihre Zusammenarbeit mit US-Behörden dazu beigetragen hat, die Atomschmuggelaffäre aufzudecken.

Strafen durch U-Haft verbüsst

Aus der bereits veröffentlichten Anklageschrift geht hervor, dass sich der Staatsanwalt des Bundes Peter Lehmann mit dem geständigen Friedrich Tinner auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren geeinigt hat. Zudem soll Vater Tinner eine Geldstrafe von 780 Tagessätzen zu 90 Franken zahlen.

Für Sohn Urs Tinner ist eine unbedingte Freiheitsstrafe von 50 Monaten vorgesehen. Da dieser ab 2004 bereits 1536 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat, würde er ebenso wenig wie sein Vater nochmals ins Gefängnis gehen müssen.

Marco Tinner, der zusätzlich eine Urkundenfälschung eingestanden hat, hat sich mit der BA auf eine Freiheitsstrafe von 41 Monaten und eine Geldstrafe geeinigt. Da er bereits 1237 Tage in Untersuchungshaft sass, bleibt auch ihm ein erneuter Gefängnisaufenthalt erspart. Alle drei sollen zudem gemeinsam für 400'000 Franken Verfahrenskosten gerade stehen.

Laut Anklage soll mit den beantragten Sanktionen den "ausserordentlichen Umständen" des Falles Rechnung getragen werden. Strafmindernd wurde insbesondere berücksichtigt, dass die Tinners nach Überzeugung der BA ab 2003 mit nicht näher bezeichneten "amerikanischen Behörden" zusammengearbeitet haben sollen.

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