Öko-Attentäter
Bundesstrafgericht verurteilt Anarchisten zu mehrjährigen Haftstrafen

Die drei Aktivisten, welche vergangenes Jahr ein Attentat auf das IBM-Zentrum in Rüschlikon planten, sind in Bellinzona vom Bundesstrafgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

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Ziel des geplanten Anschlages: IBM-Nanotechnologie-Zentrum in Rüschlikon/ZH (Archiv)

Ziel des geplanten Anschlages: IBM-Nanotechnologie-Zentrum in Rüschlikon/ZH (Archiv)

Keystone

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat am Freitag drei Öko-Anarchisten zu Haftstrafen von drei Jahren und vier Monaten, drei Jahren und sechs Monaten sowie drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Bei den Anarchisten handelt es sich um zwei italienische Staatsangehörige und einen in Italien wohnhaften Schweizer.

Sie werden beschuldigt, auf das Nanotechnologiezentrum der IBM in Rüschlikon einen Anschlag geplant zu haben. Verhaftet wurden sie im Rahmen einer Verkehrskontrolle am 15. April 2010 in Langnau am Albis ZH. Im Auto wurden damals Sprengstoff und weitere, für einen Anschlag benötigte Gegenstände, gefunden. Ausserdem wurde ein Bekennerschreiben gefunden.

Gut vernetzt

Die Mitglieder der anarchistischen Gruppe waren international gut vernetzt. Zu ihrer Unterstützung hatten Gesinnungsgenossen in der Schweiz und im Ausland Anschläge verübt.

Zur Unterstützung der in Bellinzona angeklagten Exponenten der «Earth Liberation Front» (ELF) wurden Ende 2010 und im März 2011 Paketbombenanschläge auf die Schweizer Botschaft in Rom und auf die AKW-Fachgruppe Swissnuclear in Olten verübt. Jedenfalls nahmen Bekennerschreiben der «Federazione Anarchica Informale» Bezug auf die Angeklagten.

Beim Anschlag in Rom war ein Mann verletzt worden, in Olten erlitten zwei Angestellte Verletzungen. Unklar ist, ob auch der Anschlag auf die Schweizer Botschaft in Athen Ende 2010 mit den Prozess gegen die ELF-Aktivisten zu tun hatte. Eine Gruppe «Verschwörung der Feuerzellen» hatte sich dazu bekannt.

Zunehmende Verflechtung

In den Jahresberichten 2010 des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) und des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) steht, dass eine erhöhte Gewaltbereitschaft öko-anarchistischer Extremisten besteht. Diese seien letztes Jahr mit erheblicher, in der Schweiz unbekannter Gewaltbereitschaft in Erscheinung getreten. «Als einzige ideologische Akteure führten sie Anschläge gegen den Schweizer Staat aus».

Ihr Gewaltpotenzial bleibe gross. Ferner zeige sich «eine zunehmende Verflechtung von Tierrechts-Extremismus, ökologischem Gewaltextremismus und gewalttätigem Linksextremismus». Diese Gruppen strebten eine enge Vernetzung untereinander an.

Laut NDB-Bericht sollen die in Bellinzona Angeklagten Beziehungen zur anarchischen Szene in Italien und teilweise auch zum revolutionären Aufbau Zürich unterhalten haben.

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