Der Beschuldigte S.T. nahm die Urteilseröffnung regungslos zur Kenntnis. Fast eine Stunde begründete der vorsitzende Bundesstrafrichter Martin Stupf gestern das Urteil gegen den bald 24-jährigen Fussballfan, der im Februar 2016 während eines Spiels in der Swiss- porarena zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen vier Pyrogegenstände aufs Feld geworfen hatte.

Die ausgesprochene Freiheitsstrafe beläuft sich auf 36 Monate. Davon muss der verurteilte Mann aus Herisau die Hälfte absitzen, die andere Hälfte ist bedingt auf drei Jahre ergangen. Zudem wurde der Fussballfan zu 180 Tagessätzen à 50 Franken und einer Busse von 700 Franken verurteilt. Dem Zuschauer und Familienvater, der den Hörschaden erlitt, muss der junge Mann eine Genugtuung von 12 000 Franken bezahlen.

Die drei Richter gelangten zur Auffassung, dass es sich – im Gegensatz zu den beiden Rauchtöpfen – bei den aufs Spielfeld geworfenen Kreiselblitzen tatsächlich um Sprengstoff im Sinne des Schweizerischen Strafgesetzes handelte. Der Pyro-Werfer sei sich bewusst gewesen, welch grosse Gefahr durch den Druck- und Knalleffekt ausgegangen sei. Er habe bei dieser Aktion, die dem ehemaligen Sicherheitschef des FC Luzern gegolten habe, klar in verbrecherischer Absicht gehandelt, weil er sich vor dem Wurf vermummt habe. «Wer sich vermummt, führt etwas Böses im Schilde», so Stupf. Zudem sei er hinterhältig und feige gewesen, und habe bis heute weder Einsicht noch Reue gezeigt.

Im Beruf stark eingeschränkt

Erwiesen war für die Richter der Tatbestand der schweren Körperverletzung, da der Knall eines Kreiselblitzes bei einem Familienvater aus dem Kanton Luzern nachweislich einen irreversiblen Hörschaden ausgelöst hatte. Dieser ist auf einem Ohr fast taub, leidet extrem an seiner Situation, ist im Beruf als Wirt und Landwirt stark eingeschränkt.

Hans-Jürg Käser: "Das Urteil ist ein starkes Zeichen"

Hans-Jürg Käser: "Das Urteil ist ein starkes Zeichen"

Hans-Jürg Käser, Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), zeigt sich zufrieden mit dem Urteil gegen einen 24-jährigen Fan des FC St. Gallen, der bei einem Spiel Pyrogegenstände aufs Spielfeld warf. Das Urteil gehe in die richtige Richtung, sagte der Berner FDP-Regierungsrat. Die Freiheitsstrafe von 36 Monaten, die Hälfte davon unbedingt, sei ein starkes Zeichen.

Zum schweren Tatverschulden gehört gemäss Bundesstrafgericht auch die Sachbeschädigung des Rasens, die der Verurteilte anerkannt hatte, sowie Brandflecken durch Funkenflug auf der Jacke des am Ohr geschädigten Zuschauers. Wegen des Arsenals von 1651 Sprengkörpern, das der junge Mann in seinem Schlafzimmer unterm Bett hortete, erging schliesslich auch ein Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz.

Zufrieden zeigte sich nach dem Urteil Bundesstaatsanwalt Hansjörg Stadler, da seinem Strafantrag weitgehend entsprochen wurde. Es sei ein gutes Urteil, «auch für alle echten Fussballfreunde, so wie ich einer bin.»

«Emotional und wenig juristisch»

Ganz anders tönte es aufseiten von Verteidigerin Manuela Schiller, die weitgehend auf Freispruch plädiert hatte. Die Urteilsbegründung ist ihrer Meinung nach ausgesprochen emotional und wenig juristisch ausgefallen. Sie kann nicht verstehen, warum es für den Besitz des beim 24-Jährigen gefundenen Sprengkörpers eine Bewilligung brauche. Zudem hätte ihrer Meinung nach die Möglichkeit eines fahrlässigen Handelns zumindest geprüft werden müssen. Schiller wird nach Sichtung des schriftlichen Urteils entscheiden, ob vor Bundesgericht Beschwerde eingelegt wird. Dies sei wahrscheinlich, aber es gebe auch ein Problem, weil ihr Mandant, der junge Mann aus Herisau, über keine finanziellen Mittel verfüge.

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