Waffen, Geld und blonde Frauen. Das war laut dem «Spiegel» die Welt des Rüstungslobbyisten Abhishek Verma. Dann landete der «Lord of War» Indiens im Gefängnis. Er soll im Auftrag der Schweizer Waffenfirma Rheinmetall Air Defence versucht haben, Beamte in Neu-Delhi zu bestechen. Nicht etwa, um einen Rüstungsauftrag zu erhalten, sondern, um die Konsequenzen eines früheren Bestechungsversuchs rückgängig zu machen.

Laut den indischen Strafverfolgern wollte Verma mithilfe von Schmiergeldern verhindern, dass das Tochterunternehmen des Rheinmetall-Konzerns auf der schwarzen Liste des Verteidigungsministeriums landet. Es drohte der Verlust von milliardenschweren Aufträgen. Doch auch der zweite Bestechungsversuch flog auf und machte alles noch schlimmer.

Die Behörden des zweitbevölkerungsreichsten Landes der Welt schlossen Rheinmetall Air Defence im März 2012 für zehn Jahre von allen Rüstungsausschreibungen aus. Bestehende Aufträge wurden storniert, obschon keine Verurteilung vorlag und das Unternehmen alle Vorwürfe seit Beginn bestritt.

Wo Maurer ins Spiel kommt

Nun soll der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer richten, was Indiens «Lord of War» mutmasslich vermasselte. Laut der «Neuen Zürcher Zeitung» bat Maurer im Februar in einem Brief an seinen Amtskollegen in Neu-Delhi darum, dass Rheinmetall Air Defence einen bestehenden Auftrag der indischen Marine behalten darf. Der SVP-Bundesrat wartet bis heute auf eine Antwort. Wohl auch, weil in Indien Ende Mai ein neuer Verteidigungsminister an die Macht kam. Die staatliche Unterstützung für den Schweizer Waffenhersteller geht aber noch weiter. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) von Johann Schneider-Ammann spielt laut der «NZZ» zwischenzeitlich mit dem Gedanken, den Fall Rheinmetall bei den Freihandelsverhandlungen mit Indien ins Spiel zu bringen.

Peter Platzgummer, Spezialist für Rüstungsgeschäfte an der Universität St. Gallen, erwartet trotzdem keine schnelle Lösung: «Man kann aktuell unmöglich sagen, ob die Vorwürfe gegen Rheinmetall stimmen», sagt er. Es komme immer wieder vor, dass sich Rüstungsfirmen gegenseitig denunzierten, um sich einen Vorteil zu verschaffen. «Oft gewinnt der, der lauter oder früher schreit.»

Indische Rüstungsbeschaffungsverfahren seien generell «langsam, manchmal willkürlich und chaotisch». Anders als in der Schweiz sässen «armeeferne Bürokraten» am Schalthebel. Das «Blacklisting» von Rheinmetall sei daher auch nicht unbedingt im Interesse der indischen Armee und Verteidigungsindustrie.