AKW-Debatte

Bundesrat: Über jede erdenkliche Katastrophe Bevölkerung informiert - nur nicht über AKWs

Bild aus der Broschüre «Vorsorgeplanungen des Bundes»

Bild aus der Broschüre «Vorsorgeplanungen des Bundes»

Im Mai des vergangenen Jahres hat der Bundesrat eine Broschüre zu möglichen Gefahren für die Bevölkerung publiziert. Nur: Ein möglicher AKW-Störfall wird in den sogenannten «Vorsorgeplanungen des Bundes» mit keinem Wort erwähnt.

Die Broschüre, welche der Bundesrat im Mai 2010 publiziert hat, ist nur zwölf Seiten stark. Doch unter dem Titel «Vorsorgeplanungen des Bundes» breitet sich darin ein Horrorkatalog mit allen möglichen Grosskatastrophen aus.

Von einer Pandemie mit «weit über 1000 Todesopfern» geht das über den «Abschuss eines Passagierjets» bis zu verschiedenen Terroranschlägen – mit «schmutziger Bombe», mit Pockenviren oder dem Kampfgift Sarin.

Erbeben kommen am Schluss

«Schweres Erdbeben» steht zuhinterst in der Broschüre: «Die Stärke der Erschütterung ist identisch mit dem Erdbeben im Jahr 1356, das die Stadt Basel nahezu komplett zerstört hat.»

Die Folgen: «3000 Todesopfer, 10000 Schwerverletzte, 6000 Verschüttete», rechnet das Heftchen vor, auf dessen dritter Seite der Sicherheitsausschuss (SiA) des Bundesrates, bestehend aus Micheline Calmy-Rey (SP), Eveline Widmer Schlumpf (BDP) und Ueli Maurer (SVP), zu finden sind.

Hinzu kämen: «350000 Obdachlose (über Wochen/Monate)» sowie «70 bis 140 Mrd. CHF direkte Sachschäden» und «5000 zerstörte Gebäude».

Tschernobyl schon vergessen

Aber nirgends ein zerstörtes Atomkraftwerk: nicht einmal ein beschädigtes unter den immerhin «20000 sehr schwer beschädigten Gebäuden». Wie überhaupt die Problematik «Kernkraftwerk» oder «Atommüll» in dem ganzen Katalog mit keinem Wort erwähnt wird. Keine einzige Jodtablette kommt da vor.

Dabei gibt die Landesregierung vor, der Bundesrat sei schon seit 1994 bereit, «auf die wachsende Komplexität von Krisen reagieren zu können». Das einzige wirklich bedrohliche Grossereignis, das die Schweiz in letzter Zeit erlebt hat, war Tschernobyl 1986: Damals traute sich niemand mehr, Salat zu essen, die Mütter durften ihre Babys nicht mehr stillen – und die Behörden aller Stufen waren überfordert. Vergangen und vergessen.

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