Bundesrat
Neues Bundesratsfoto: Ignazio Cassis schenkt uns ein Gesellschaftsspiel

Die Bahnhofsuhr zeigt zwölf vor sieben und der Hintergrund ist rosa: Das strahlt Zuversicht aus. Die Bundesrätinnen und Bundesräte sowie der Bundeskanzler wirken freundlich und sind schlicht, ja fast elegant gekleidet. Das ist das Bundesratsfoto 2022.

Anna Wanner
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Das Bundesratsfoto 2022 mit den wichtigsten Bahnverbindungen, die unser Land zusammenhalten: Im Hintergrund stehen Guy Parmelin, Alain Berset, Simonetta Sommaruga, Bundeskanzler Walter Thurnherr, Ueli Maurer, Karin Keller-Sutter (von links). Im Vordergrund stehen Viola Amherd und der neue Bundespräsident Ignazio Cassis.

Das Bundesratsfoto 2022 mit den wichtigsten Bahnverbindungen, die unser Land zusammenhalten: Im Hintergrund stehen Guy Parmelin, Alain Berset, Simonetta Sommaruga, Bundeskanzler Walter Thurnherr, Ueli Maurer, Karin Keller-Sutter (von links). Im Vordergrund stehen Viola Amherd und der neue Bundespräsident Ignazio Cassis.

Bild Stefano Spinelli

Der neue Bundespräsident wählt jeweils das Sujet fürs Foto der Regierung. Diesmal war das Thema früh klar: Bahnhof, SBB, Verkehr. Aufgrund der Maskenpflicht in geschlossenen Bahnhöfen hat der designierte Bundespräsident Ignazio Cassis das Sujet des Berner Bahnhofs wieder verworfen. Doch die Idee ist geblieben, das Schienennetz zu zeigen, das die Schweiz verbindet.

Die Einzelporträts hat der Tessiner Fotograf Stefano Spinelli vor einem Green-Screen gemacht. Und nach Wunsch von Cassis die Bundesrätinnen und Bundesräte auf einer Schweizer Karte angerichtet - je nach Herkunftsort.

Dass sich Cassis dabei selbst ins Abseits stellte, ist dabei kein Zufall sondern Absicht. Die Botschaft die er mit dem Bild vermitteln will, ist eine andere: «Genau wie die Mitglieder des Bundesrates unterscheiden sich auch die Schweizerinnen und Schweizer in ihrer Herkunft, Sprache, Kultur und Mentalität. Und alle miteinander sind wir die Schweiz. Diese Vielfältigkeit macht die Stärke unseres Landes aus.» Der Bundesrat in seiner Vielfalt und doch sind alle miteinander verbunden.

Die Bildsprache ist freundlich, die Regierung adrett in dunklen Tönen gekleidet, die Stimmung ist heiter. Die etwas unvermittelt ins Bild geklebte Bahnhofsuhr zeigt zwölf vor sieben, zu einem Zeitpunkt da alle von «fünf vor zwölf» sprechen. Und die Hintergrundfarbe ist rosa - was für Mitgefühl, Fürsorge und Liebe steht.

Der Bundespräsident lässt mitteilen, es sei wichtiger denn je zu zeigen, was uns verbindet, und nicht, was uns trennt. Und: In dieser «düsteren Zeit» vertrage es einen Farbtupfer.

So viel Zuversicht versprühte eine Neujahrskarte schon lange nicht mehr.

Etwas Kritik gehört sich dann doch noch: Die Analogie mit der Pünktlichkeit der SBB funktioniert nicht. Wenn die Krise uns etwas gelehrt hat, dann dass der Bundesrat in der Regel meistens zu spät agierte.

Immerhin hat die Regierung im Unterschied zu den Verantwortungsträgern im Film «Don't Look Up» keine Angst, nach oben zu schauen. Sie hat keine Angst vor dem, was auf uns zukommt.

Wer allerdings beim ersten Blick aufs Bild ein Gesellschaftsspiel aus den Siebzigerjahren vermutete, wird dann doch enttäuscht. Die Figürchen lassen sich nicht über die Schienen ziehen. Sie bleiben, wo sie hergekommen sind.

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