Schon fast schien der Durchbruch gelungen: Nach 25 verschiedenen Vorstössen in den letzten zehn Jahren, die alle die Einführung des Vaterschaftsurlaubs verlangten, schaffte es vor zwei Jahren ein Postulat der Basler SP-Ständerätin Anita Fetz in die nächste Runde. Das Parlament überwies den Vorstoss, der sich von seinen Vorgängern

unterschied: Nicht der Arbeitgeber oder der Staat soll die Hauptlast für den Urlaub nach der Geburt eines Kindes zahlen. Die Eltern sollen den Vaterschaftsurlaub privat finanzieren, indem sie über Jahre in eine 3. Säule einzahlen. Nur zeigte sich gestern: Die Idee überzeugte den Bundesrat nicht. Im Gegenteil. Die Regierung kommentierte: Die Einführung des Vaterschaftsurlaubs habe nicht «erste Priorität».

Kein Konsens unter Befürwortern

Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr sagt, sie sei enttäuscht, dass der Bundesrat kein konkretes Modell zum Vaterschaftsurlaub vorgeschlagen habe. «Seit Jahren treten wir an Ort und Stelle.» Für die Regierung ist es allerdings auch nicht ganz einfach, einen Kompromiss zu finden. Denn Fehr lehnt das Modell der privaten Finanzierung ab: «Damit wird den Bürgern Sand in die Augen gestreut.» Kaum einer könne es sich in jungen Jahren leisten, grössere Rückstellungen zu machen, um Geld für eine Familie zu sparen. «Das Modell dient allenfalls jenen, die es sich sowieso leisten können.» Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat nicht nur Modelle zur privaten Finanzierung ausgearbeitet, sondern auch Vorschläge skizziert, bei welchen der Staat oder der Arbeitgeber in die Tasche greifen sollen.

So reagierte das BSV auf die verschiedenen politischen Forderungen. Die acht skizzierten Modelle unterscheiden sich hinsichtlich Dauer, Leistungen und Finanzierung. Dem Parlament solle damit eine möglichst breite Palette an Ideen angeboten werden, sagt Ludwig Gärtner, Leiter der Abteilung Familie, Generationen und Gesellschaft beim BSV. «Der Bericht legt eine Grundlage für Diskussionen.» Abgesehen davon, dass der Bundesrat den Mut nicht hatte, sich für ein konkretes Modell einzusetzen, ärgert sich Fehr darüber, dass er «Rezepte vorschlägt, die nicht zum Ziel führen». Sie spielt darauf an, dass der Bundesrat nun abklärt, ob Mütter und Väter ihre Arbeitspensen reduzieren können (siehe Box).

Die Idee ist nicht neu. Teilzeitarbeit gehöre längst zum Common Sense, sagt Fehr. Fast alle Arbeitgeber würden reduzierte Arbeitspensen zulassen. «Das ist unbestritten.» Sie verlangt vom Bundesrat Vorschläge, die über das hinausgehen. Und wenn es die Regierung nicht packe, dann gestalte die SP mit: Die Partei bastelt derzeit an einer Initiative, die helfen soll, Familie und Arbeit besser vereinbaren zu können – auch über den Vaterschaftsurlaub.