Sicherheit

Bundesrat greift Rentenalter 56 für Fluglotsen an – nicht ohne Widerstand

Weil die Konzentrationsfähigkeit im Alter abnimmt, werden Fluglotsen bereits mit 56 pensioniert.

Weil die Konzentrationsfähigkeit im Alter abnimmt, werden Fluglotsen bereits mit 56 pensioniert.

Rente schon mit 56: Das ist bei Schweizer Fluglotsen Realität. Der Bundesrat möchte dies nun ändern, doch die Betroffenen wehren sich.

Ihre Verantwortung ist riesig, dafür sind die Arbeitsbedingungen auch aussergewöhnlich: Fluglotsen verdienen in der Schweiz nicht nur gut. Sie können, je nach Aufgabe, auch bereits mit 56 oder 59 Jahren in die Pension gehen. Doch nun macht der Bundesrat Druck auf die Privilegien der Flugsicherungsmitarbeiter. Er fordert den für die Flugsicherung zuständigen Bundesbetrieb Skyguide auf, sich Gedanken über ein «zeitgemässes Pensionierungsalter» zu machen. So steht es in den Strategischen Zielen, die die Landesregierung dem Bundesbetrieb für die Jahre 2020 bis 2023 vorschreibt.

«Der Bundesrat erwartet von Skyguide und den Sozialpartnern, dass sie Antworten auf die Herausforderungen beim Rentenalter geben», sagt Harald Hammel, Sprecher des zuständigen Umwelt- und Verkehrsdepartementes. Wo genau der Bundesrat ein «zeitgemässes» Rentenalter sieht, lässt der Sprecher allerdings offen. Der Bundesrat wolle sich nicht in die Sozialpartnerschaft einmischen, heisst es.

Sicherheit als Argument für die frühe Pensionierung

Die Berufsverbände wollen den Angriff auf das heutige Pensionsalter allerdings nicht einfach so akzeptieren. Zwar sei man sich bewusst, dass die Lebenserwartung zunehme und die Altersvorsorge finanziert werden müsse, sagt Marianne Iklé von Aerocontrol, dem Berufsverband der Flugverkehrsleiter am Flughafen Zürich. Doch die Sicherheit habe vorzugehen: «Die schwindenden Renditen der Pensionskassen und die sinkenden Umwandlungssätze ändern nichts daran, dass die kognitiven Fähigkeiten des Menschen nach wie vor etwa ab dem 30. Lebensjahr anfangen nachzulassen», so Iklé. «Bis zum Alter von 55 Jahren kann die nachlassende Geschwindigkeit noch mit Erfahrung kompensiert werden. Danach wird es schwierig.»

Das heutige Pensionierungsalter beruhe auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zu Verhandlungen sei man bereit, wenn der Bundesrat neue Studien vorlegen könne.

Neuverhandlung des GAV läuft

Zurückhaltend gegenüber der Forderung des Eigentümers aus Bundesbern gibt man sich auch bei Skyguide. «Das vergleichsweise tiefe Rentenalter der Flugverkehrsleiter resultiert aus den speziellen Anforderungen an diesen Beruf», sagt Sprecher Vladi Barrosa. «Wir stellen deshalb auch Überlegungen an, wie grundsätzlich neue Karrieremodelle für Flugverkehrsleiter aussehen könnten.»

Der Druck aus Bern dürfte nicht von ungefähr kommen: Der aktuelle Gesamtarbeitsvertrag der Fluglotsen läuft Ende 2020 aus. Gespräche über die Weiterführung und die Bedingungen werden derzeit geführt.

Die Arbeitsbedingungen in der Flugsicherung werden regelmässig zum Zankapfel zwischen den Gewerkschaften und Skyguide: So drohten im Sommer 2018 einige Fluglotsen gar mit Streiks, als man sich zuerst nicht einig geworden war.

Noch ein weiteres Ziel fällt auf, das der Bundesrat Skyguide verordnen will. Sollte die Firma künftig ausserordentliche Beiträge in die Pensionskasse einzahlen, so müsse sie bestrebt sein, dass die Angestellten ebenfalls einen «massgeblichen Beitrag» bezahlen, schreibt der Bundesrat. Auch diese Forderung hat ihre Vorgeschichte: 2017 schrieb Skyguide rote Zahlen, weil die Firma Rückstellungen über 53 Mio. Franken für die Pensionskasse der Mitarbeitenden vornehmen musste. Die ausserordentliche Zahlung war bedingt durch die Senkung des technischen Zinssatzes.

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