Krankenkassen

Bundesrat Alain Berset spricht von «guter Neuigkeit»: Prämie steigt 2020 um 0,2 Prozent

Alain Berset zu den Krankenkassenprämien 2020: «Es ist eine sehr gute Nachricht»

Alain Berset zu den Krankenkassenprämien 2020: «Es ist eine sehr gute Nachricht»

Die Krankenkassenprämien steigen im Jahr 2020 im Schnitt um 0,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr, als die Erhöhung 1,1 Prozent betrug, ist dies ein moderater Anstieg. Das Bundesamt für Gesundheit führt dies etwa auf die Massnahmen zur Kostendämpfung zurück. Die Medienkonferenz mit Bundesrat Alain Berset jetzt live.

Gesundheitsminister Alain Berset bei der Vorstellung der Prämien 2020 von einer "guten Neuigkeit" gesprochen. Er zeigte sich erfreut über die Erhöhung von "fast Null" für das nächste Jahr. Die Arbeit sei aber noch nicht getan.

Es handle sich um einen der niedrigsten Anstiege, sagte Berset vor dem Medien in Bern. Das sei eine gute, sehr ermunternde Antwort. Sie zeige, dass man gegen die steigenden Gesundheitskosten etwas unternehmen könne.

Allerdings sei das noch nicht das Ende, die Arbeit sei noch nicht getan, betonte er. Man müsse wachsam bleiben und bei den Anstrengungen nicht nachlassen. Die Kosten würden weiter steigen, wegen der demographischen und medizinisch-technologischen Entwicklung. "Wir müssen weiter kämpfen", sagte Berset, man müsse jedes Jahr Anstrengungen vornehmen.

Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssten ihre Verantwortung wahrnehmen. Es brauche weitere Massnahmen. Im vergangenen August wurde ein Massnahmenpaket vorgestellt, ein weiteres soll zu Beginn des nächsten Jahres vorgestellt werden.

Einsparungen von 1 Milliarde

Die Revision des Ärztetarifs Tarmed brachte Einsparungen von 500 Millionen Franken, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag mitteilte. Zudem habe durch das regelmässige Senken der Arzneimitteilpreise seit 2012 rund eine Milliarde Franken eingespart werden können.

Die Entwicklung in den Kantonen ist sehr unterschiedlich. Gemäss den Prognosen wird in zehn Kantonen die Prämie billiger (AG, BE, BS, LU, SH, SO, SZ, VD, ZG, ZH). Für die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Luzern präsentiert sich mit einem Minus von 1,5 Prozent die beste Situation.

Die Bevölkerung in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, Neuenburg, Tessin und Wallis wird mindestens 1,5 Prozent mehr bezahlen müssen. Am stärksten ist der Anstieg in Neuenburg mit 2,9 Prozent. In den übrigen elf Kantonen liegt der Anstieg zwischen 0 und 1,5 Prozent.

Junge Erwachsene werden entlastet

Durchschnittlich wird eine Person im nächsten Jahr 315,40 Franken im Monat für die Prämie bezahlen müssen. Junge Erwachsene werden dabei entlastet, sie bezahlen 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Monatsprämie für 19- bis 25-Jährige beläuft sich 2020 auf 265,3 Franken. Für Erwachsene steigt die Prämie im Schnitt um 0,3 Prozent auf 374,40 Franken. Für die Prämien von Kindern ändert sich nichts, sie bleiben im Schnitt bei 98,7 Franken.

Gemäss BAG werden die Gesundheitskosten aufgrund der demographischen Entwicklung und des medizinisch-technischen Fortschritts weiter steigen, weshalb weitere Massnahmen nötig seien. Im August hat der Bundesrat eine Reihe von Vorschlägen präsentiert. Dazu gehört etwa ein Referenzpreissystem für Generika. Generika kosten in der Schweiz etwa doppelt so viel wie im Ausland.

Wirkungsvolle und umstrittene Massnahme

Es handelt sich um die wirkungsvollste, wohl aber auch um die umstrittenste der vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen. Eine von Pharma- und Chemieindustrie, Ärzteschaft und Apothekern gegründete Allianz gegen Referenzpreise warnt vor schlechteren Therapien, steigendem Medikamentenverbrauch und weniger Versorgungssicherheit. Eine Regulierungsfolgenabschätzung hat diese Befürchtungen zum Teil bestätigt.

Zu den vorgeschlagenen Massnahmen gehört auch die Einführung eines Experimentierartikels, der kostendämpfende Projekte ausserhalb des normalen gesetzlichen Rahmens ermöglicht.

Seit Inkrafttreten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 sind die Prämien jährlich um durchschnittlich 3,8 Prozent gestiegen.

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